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Dieser Artikel: Ausgabe 04/2016 vom 24.01.2016
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Blaukraut statt Abendmahl

SERIE Kreative Gemeinde (80): Die Nürnberger Gustav-Adolf-Gedächtniskirche wird zur Vesperkirche


Sechs Wochen in der Kirche zusammenkommen, gemeinsam essen, sich kennenlernen: Das ist die Idee von Vesperkirchen. In der Nürnberger Südstadt hat jetzt die wahrscheinlich deutschlandweit größte ihre Tore geöffnet: die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche.

Bei der Eröffnung der Vesperkirche vergangenen Sonntag ließen sich zahlreiche Besucher in Nürnberg Braten, Klöße und Blaukraut schmecken.
Foto: Schamberger
   Bei der Eröffnung der Vesperkirche vergangenen Sonntag ließen sich zahlreiche Besucher in Nürnberg Braten, Klöße und Blaukraut schmecken.

        

Es ist ein ungewöhnliches Bild in der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in der Nürnberger Südstadt: Wo sonst Brot und Wein ausgegeben werden, stehen an diesem Sonntag Braten, Klöße und Blaukraut auf dem Speiseplan. Wo normalerweise andächtige Stille herrscht, geht es heute zu wie in einer Cafeteria. Es ist der erste Tag der wahrscheinlich größten Vesperkirche Deutschlands.

Die nächsten sechs Wochen steht die Kirche jedem offen. Neben dem Altar liegen kostenlose Zeitungen, 44 Tische laden zu Begegnungen ein. In verschiedenen Räumen gibt es die Möglichkeit, einen Friseur oder Zahnarzt zu besuchen und sich juristisch beraten zu lassen. Jeden Sonntag kann gemeinsam Gottesdienst gefeiert werden.

Für den symbolischen Preis von einem Euro können sich die Gäste für ein Tablett mit Braten und Klößen anstellen. Jeden Tag warten eine warme Mahlzeit, Kaffee und Kuchen. Dabei ist die Vesperkirche nicht nur für Bedürftige gedacht, sondern will ein breites Spektrum an Gästen ansprechen: »Die Alltagsgrenzen spielen hier keine Rolle«, betont Pfarrer Bernd Reuther. Es war seine Idee, das Konzept der Vesperkirche nach Nürnberg zu holen. Unabhängig von Alter, Einkommen und Lebenssituation sollten hier Menschen zusammenfinden.

Dieses Konzept begeistert auch Alfred Augustin. Weil er in seiner Wohnung zu einsam ist, besucht der Alleinstehende regelmäßig soziale Einrichtungen. In der Vesperkirche hofft er vor allem, ein paar interessante Gesprächspartner zu finden. »Ich schau bestimmt öfter mal vorbei.« Im nächsten Jahr will er vielleicht sogar als Ehrenamtlicher mithelfen.

Dieses Jahr ist Ulla Neuberger einer der über 250 Helfer, ohne die die Nürnberger Vesperkirche nicht möglich gewesen wäre. Ihre erste Schicht war ein voller Erfolg. Seit Vormittag stand sie bei der Essensausgabe und hat Braten an hungrige Kirchgänger ausgeteilt - jetzt hat sie Feierabend. »Es hat super funktioniert. Hier ist einfach jeder willkommen«, erklärt sie. »Egal ob alt oder jung, reich oder arm, hier wird jeder gleich behandelt - und wir bekommen jeden satt.« 500 Portionen waren für den ersten Tag eingeplant. Und sie waren kostenlos, eine Spende der Lieferkette.

Manche sind von dem großen Angebot beinahe überfordert. Walter Hellstern wollte eigentlich nur kurz in der Vesperkirche vorbeischauen. »Aber so ein Angebot ist ja wirklich einmalig.« Jetzt löffelt der Rentner aus Nürnberg einen Schokoladenpudding. Er hofft, dass die verschiedenen Angebote gut angenommen werden - und sich vielleicht sogar dauerhafte Freundschaften entwickeln könnten.

Die Idee der Vesperkirche als Begegnungsort in den Wintermonaten stammt aus Baden-Württemberg. Hier ist das Konzept schon seit Jahren im Gemeindeleben verankert. Pfarrer Reuther hat sich bei mehreren Ausflügen viele organisatorische Strukturen abgeguckt. Dafür war er in verschiedenen baden-württembergischen Kirchen und in Schweinfurt - hier wurde letztes Jahr die erste bayerische Vesperkirche eröffnet.

An diesem Nachmittag läuft noch nicht alles reibungslos. Die Kaffee- und die Essensschlange kommen durcheinander. Der angekündigte Zahnarzt lässt sich entschuldigen und seine Patienten warten.

Doch für Reuther sind diese Anfangsschwierigkeiten kein Problem. »In drei, vier Wochen läuft das alles wie am Schnürchen«, ist er sicher: »Sowas braucht immer ein bisschen Anlaufzeit.« Deswegen war er dafür, das Projekt Vesperkirche von Anfang an sechs Wochen laufen zu lassen.

Für ihn steht schon jetzt fest, dass die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche auch im nächsten Winter wieder für 42 Tage zur Vesperkirche werden wird.

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Simon Lukas

 


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abgerufen 25.06.2016 - 03:28 Uhr

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