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Dieser Artikel: Ausgabe 04/2016 vom 24.01.2016
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Dank, Respekt, Anerkennung

Oberkirchenrat Detlev Bierbaum ist für die evangelische Polizeiseelsorge zuständig


Polizistinnen und Polizisten sind zunehmend mehr der Respektlosigkeit und Gewalt ausgesetzt. Oberkirchenrat Detlev Bierbaum wünscht sich, dass den Beamten der Rücken gestärkt wird. Bierbaum ist im Landeskirchenamt für die evangelische Polizeiseelsorge in Bayern zuständig.

»Die Vorgänge und vor allem die Vorwürfe sind sicherlich nicht spurlos an den Polizistinnen und Polizisten vorbei gegangen«: Detlev Bierbaum.
Foto: PÖP/Minkus
   »Die Vorgänge und vor allem die Vorwürfe sind sicherlich nicht spurlos an den Polizistinnen und Polizisten vorbei gegangen«: Detlev Bierbaum.

        

  Wie fühlen sich die Polizisten - gerade nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln?

Bierbaum: Die Vorgänge und vor allem die Vorwürfe sind sicherlich nicht spurlos an den Polizistinnen und Polizisten vorbeigegangen. Denn für ihren bis an die persönlichen Grenzen belastenden Dienst müssen sie viele Prügel einstecken. Zu hoffen ist, dass sich die Polizisten davon nicht dauerhaft verunsichern lassen. Denn ihr Dienst ist unverzichtbar, weil er unsere freiheitliche Demokratie sichert. Deshalb gebührt den Beamtinnen und Beamten Dank, Respekt und Anerkennung für ihre Arbeit, muss die gesamte Gesellschaft ihnen gerade jetzt den Rücken stärken.

  Was kann dafür denn jeder Einzelne tun?

Bierbaum: Die Voraussetzung ist, dass wir uns das ambivalente Verhältnis, in dem wir oft zur Polizei stehen, klarmachen und es überwinden. Denn auf der einen Seite haben die Bürger - zu Recht - ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis, das die Polizei erfüllen soll. Andererseits begegnen wir der Polizei mit einer gewissen Reserviertheit, etwa wenn wir selbst in Kontrollen oder Radarfallen geraten. Außerdem muss uns bewusst sein, dass Sicherheit auch ihren Preis hat und eventuell Einschränkungen erfordert. Deshalb halte ich beispielweise schon seit Jahren die Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen für nötig und hilfreich, weil dadurch die Polizei schneller eingreifen und Eskalationen verhindern kann.

  Was macht den Polizisten in ihrem Berufsalltag am meisten zu schaffen?

Bierbaum: Vor allem die permanente Arbeitsbelastung und die Überbeanspruchung durch die Groß- ereignisse. Seit dem G-7-Gipfel ist die Polizei durch Demonstrationen, die Abwehr von Terrorgefahren oder die Flüchtlingsproblematik praktisch in einem Dauereinsatz. Diese Sondereinsätze führen dazu, dass die Polizisten sich nicht mehr auf ihre freien Zeiten verlassen können, sondern bei wichtigen persönlichen Terminen, wie beispielsweise Elternabenden in Schule oder Kindergarten, Urlaub nehmen müssen. Sie haben nicht mehr die Möglichkeit, die Eindrücke aus dem Dienst zu verarbeiten. Zu schaffen macht den Polizistinnen und Polizisten natürlich auch, dass sie selbst zunehmend mehr der Respektlosigkeit und Gewalt ausgesetzt sind.

  Welche Rolle kann da die Polizeiseelsorge spielen?

Bierbaum: Ganz wichtig ist, dass die Polizeipfarrer und Polizeipfarrerinnen verlässliche Ansprechpartner für die Beamten außerhalb der dienstlichen Hierarchien sind. Diese Gespräche laufen strikt vertraulich, kein Polizist muss Sorge haben, dass davon dann gleich die nächste Streifenwagen-Besatzung oder gar der Dienstvorgesetzte etwas erfährt. Dadurch können Polizisten offen über ihre Sorgen und Nöte reden.

  Welche weiteren Aufgaben hat die Polizeiseelsorge?

Bierbaum: Neben dieser Einzelseelsorge sind unsere Fachkräfte, in der ökumenisch organisierten bayerischen Polizeiseelsorge insgesamt 23, bei Großeinsätzen dabei, wie etwa dem G-7-Gipfel. Da waren unsere Seelsorgenden direkt in die Einsatzstruktur eingebunden und z. B. permanent am Kontrollzaun und der Postenkette unterwegs, was der Polizeiseelsorge eine enorme Reputation bei den Polizeikräften gebracht hat. Außerdem halten die Polizeiseelsorger den berufsethischen Unterricht, der für die jungen Polizisten verbindlich ist.

  Kann dieser Unterricht auf die neuen Anforderungen der Polizisten eingehen?

Bierbaum: Selbstverständlich. Denn dieser Unterricht greift aktuelle Situationen auf. Da wird beispielsweise danach gefragt, wie die Polizisten in Zukunft damit umgehen können, dass sie für eine Sache eintreten müssen, die sie persönlich ablehnen, wie etwa den Schutz von rechtsextremen Demonstrationen. Oder was es für Polizistinnen bedeutet, wenn sie es bei Verkehrskontrollen mit muslimischen Männern zu tun haben, die nicht mit einer Frau reden wollen. Daneben geht es in diesem Unterricht um theologische und existenzielle Fragen, wie den Quellen für das eigene Leben, Verantwortung oder Vertrauen, das sich aus der christlichen Gewissheit speist, dass Gott uns in allen Situationen begleitet und uns die Kraft gibt, diese Situationen dann auch zu bestehen.

  Was können die Kirchengemeinden tun?

Bierbaum: Ich würde mir wünschen, dass die Gemeinden die Polizei in ihrem Umfeld wahrnehmen, insbesondere die Dienststelle oder Inspektion im Gemeindebereich. Die Polizei könnte dann einmal Thema eines Gottesdiensts sein, der Kirchenvorstand könnte den Dienststellenleiter in eine Sitzung einladen oder die Inspektion besuchen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich da nicht sehr hoffnungsvoll bin. Denn es klappt ja häufig nicht einmal so richtig, dass die Gemeinden in Kontakt mit unseren eigenen kirchlichen Bereichen kommen, wie etwa den Religionslehrerkräften oder der Diakonie vor Ort.

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Interview: Achim Schmid, Helmut Frank

 


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abgerufen 28.08.2016 - 12:19 Uhr

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