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Dieser Artikel: Ausgabe 04/2016 vom 24.01.2016
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»Mannheimer Wunderwerk« soll strahlen

Die größte Denkmalorgel Baden-Württembergs stammt aus der Steinmeyer-Werkstatt in Oettingen


In Bayern sind in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Steinmeyer-Orgeln verschwunden. Doch eines der größten Werke der Oettinger Orgelbauerdynastie, das »Mannheimer Wunderwerk« in der Christuskirche von 1911, soll nun für gut 850.000 Euro saniert werden.

Die Orgel der Mannheimer Christuskirche markiert den ersten Höhepunkt in der Firmengeschichte der Orgelbaufirma Steinmeyer (Oettingen).
Foto: Spogis
   Die Orgel der Mannheimer Christuskirche markiert den ersten Höhepunkt in der Firmengeschichte der Orgelbaufirma Steinmeyer (Oettingen).

        

Der badische Landeskantor Johannes Michel in Mannheim erlebt für das Projekt eine immense Spendenbereitschaft und Wertschätzung. Die Königin der Instrumente hat vier Manuale, 96 Register und 7896 klingende Pfeifen. Damit ist sie bis heute die größte unter Denkmalschutz stehende Orgel Baden-Württembergs und zudem die zweitgrößte Orgel im Südwesten. Den Denkmalschutz erhielt sie als »klangliches Dokument ihrer Entstehungszeit von einmaligem Wert«, erläutert Michel.

Das »Opus 1100« der Steinmeyer-Werkstatt war 1911 die größte Orgel Süddeutschlands und kostete knapp 50 000 Mark. Bis heute bezeichnet die Firma die Mannheimer Orgel als »Höhepunkt in der Firmengeschichte in den ersten Jahrzehnten«. »Für die Intonation war Albert Steinmeyer verantwortlich, der als einer der besten Intonateure seiner Zeit galt«, sagt Landeskantor Michel. Von der Firma Steinmeyer, die rund 2400 Orgeln gebaut hat, stammt auch die 1928 geschaffene größte Kirchenorgel der Welt im Passauer Dom. 2001 hat das Unternehmen die Produktion eingestellt und ist nur noch beratend tätig.

Beide Kriege überstanden

»Unsere Steinmeyer-Orgel ist im Kern eine deutsch-romantische Orgel, deren Klang durch starke Grundstimmen geprägt wird«, erläutert Landeskantor Michel. Doch darüber hinaus sei sie auch eine europäische Orgel: »Durch eine Synthese mit den Ideen der ›elsässischen Orgelreform‹, nämlich französische Zungenregister und barocke Klangkronen à la Silbermann zu integrieren, entstand die impressionistische Klangcharakteristik.«

Einzigartiger Klang: das »Mannheimer Wunderwerk« aus dem schwäbischen Oettingen.
Foto: Spogis
   Einzigartiger Klang: das »Mannheimer Wunderwerk« aus dem schwäbischen Oettingen.

        

Kirche und Orgel wurden am 1. Oktober 1911 im Beisein des damaligen Großherzogs von Baden eingeweiht. Arno Landmann, Organist der Christuskirche von 1911-1942, spielte als Nachspiel des Gottesdiensts die Toccata F-Dur von Johann Sebastian Bach. Wenige Jahre später, 1920, prägte der Leipziger Komponist Sigfrid Karg-Elert den Begriff »Mannheimer Wunderwerk« für diese Orgel. Mit ihrem einzigartigen Klang ist sie auf vielen Orgelwerke-Einspielungen zu hören.

»Wie durch ein Wunder hat sie beide Weltkriege unbeschadet überstanden«, berichtet Michel aus der Chronik. Allerdings musste sie nach dem Zweiten Weltkrieg gründlich gereinigt werden, weil eine Bombenexplosion unter dem Orgelfenster Pflastersteine, Mörtel und Sand in die Orgel schüttete.

Heute hören jährlich mehr als 30 000 Menschen die Steinmeyer-Orgel von der Nordempore der Mannheimer Christuskirche, sagt Michel: »Viele lassen sich von den weichen Flöten, sanften Streichern, charakteristischen Bläsern oder dem gewaltigen Tutti begeistern - und besonders von dem Fernwerk, einer ›unsichtbaren‹ Orgel, die aus dem Kirchendach himmlische Klänge in den Raum zaubert.«

Weil die Elektrik zum Teil noch von 1911 stammt, der Pneumatik mit ihren Hunderten von Lederbälgchen die Luft ausgeht, Gummischläuche brechen, bei früheren Sanierungen verkürzte Pfeifen wieder in Ordnung gebracht werden müssen und ein neuer Spieltisch fällig ist, steht nun die Sanierung an.

Bis zum Reformationsjubiläum 2017 soll die Orgel wieder strahlend klingen. Konzerte und Benefizveranstaltungen sind bereits gestartet. Die nächsten folgen am 24., 25. und 31. Januar.

ORGELBAU STEINMEYER

  Der Orgelbaumeister Georg Friedrich Steinmeyer, der zuvor bei der berühmten Firma Walcker in Ludwigsburg in die Lehre gegangen war, gründete seine eigene Firma im Jahr 1847. Vier Generationen lang formten die gut 2400 Instrumente aus der Oettinger Werkstatt die fränkische Orgellandschaft, von der man früher mit ironischem Zungenschlag sagte, es sei keine Orgel-, sondern eine Steinmeyer-Landschaft.

Viele kleinere Steinmeyer-Orgeln wurden in der Vergangenheit durch neue mechanische Instrumente ersetzt. Erhalten sind unter anderem die große Orgel in der Nürnberger Lorenzkirche sowie Instrumente in der Stadtkirche Bayreuth, der Andreaskirche in Weißenburg oder in München St. Lukas.

Steinmeyer, lange Zeit die größte Orgelbauwerkstatt in Bayern, fertigte auch über 6000 Harmonien. 2001 stellte Paul Steinmeyer, der Urenkel des Gründers, den Betrieb ein. Auf dem einstigen Betriebsgelände soll ein Orgelbaumuseum entstehen.

 

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Susanne Müller

 


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abgerufen 26.07.2016 - 14:08 Uhr

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