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Dieser Artikel: Ausgabe 04/2016 vom 24.01.2016
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Anna Karenina und der Papst

Kostüme nicht nur zur Faschingszeit: zu Besuch bei den Schneidern des Münchner Volkstheaters


Anna Karenina, Superman und sogar ein Papst: Der Fundus des Münchner Volkstheaters ist bis unters Dach vollgestopft mit Kostümen aller Art.

Üppige Stoffe oder Plastikfolie: Was für Margit Faigle am Ende zählt, ist die Wirkung aufs Publikum.
Foto: Klammt
   Üppige Stoffe oder Plastikfolie: Was für Margit Faigle am Ende zählt, ist die Wirkung aufs Publikum.

        

Es ist eng im Kostümfundus. Kleidungsstücke hängen bis unter die Decke. Mäntel: einfarbig, kariert und gemustert. Hemden nach Halsumfang sortiert, Krawatten nach Farben, Kleider nach Längen geordnet. Verschiedene »Watton« mit gepolsterten Armen, Brust und Bauch, um schlanke Frauen und Männer dicker zu machen. Blusen, Mieder, Arbeitskleidung, dazwischen ein Eisbären- und ein Superman-Kostüm. In Regalen stehen Stiefel mit und ohne Gamaschen. Schachteln und Plastikboxen sind gefüllt mit Schals, Mützen, Zylinder und Tüchern. In dem rund 200 Quadratmeter großen Raum wird alles aufbewahrt, was in den aktuellen Stücken des Münchner Volkstheaters nicht benötigt wird - und das ist viel, sehr viel.

Papstkostüm aus Rom

Margit Faigle weiß genau, wo sie hingreifen muss, wenn sie etwas aus ihrem Fundus braucht. Seit 1996 leitet sie die Kostümabteilung am Münchner Volkstheater. Die Gewandmeisterin, die an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert hat, setzt die Entwürfe des Kostümbildners um und schneidert die Garderobe für die Schauspieler. Am meisten Spaß machen ihr historische Kostüme: Die Vorbilder für das Kleid der russischen Adligen Anna Karenina stammten von alten Gemälden, an üppigen Brokatstoffen wurde dabei nicht gespart. Wobei der Opulenz finanzielle Grenzen gesetzt sind: »Es muss halt optisch passen«, sagt Faigle. Eine Frage der Wirtschaftlichkeit ist es auch, dass der Fundus sich quasi selbst recycelt. »Wir nehmen alte Kostüme und ändern sie für neue Aufführungen ab«, erklärt Faigle.

Manchmal dient der Fundus auch als Inspirationsquelle für Kostüm- und Bühnenbildner auf der Suche nach neuen Ideen. Und manchmal delegieren die Schneidermeister des Volkstheaters einen Auftrag auch: Das Papstgewand aus dem Stück »Der Stellvertreter« beispielsweise wurde von einer Werkstatt in Rom angefertigt, die auch im richtigen Leben die Kleider für die Kardinäle im Vatikan schneidert. »Unser Papstkostüm ist also sehr korrekt«, schmunzelt Margit Faigle.

Die Gewandmeisterin achtet darauf, dass sich die Schauspieler in ihren Kostümen wohlfühlen. Da darf ein Kragen nicht zu eng und die Hosenbeine nicht zu lang sein. Und natürlich verfügt die Herrin der Kostüme über eine ansehnliche Trickkiste. Bei den »Siegfried«-Vorstellungen zum Beispiel tragen die Darsteller selbstverständlich keine schweren Metallrüstungen: Die Kettenhemden sind gestrickt, und die Oberfläche wurde mit Stoffmalfarbe bearbeitet. Andere Kostüme werden »alt gemacht«, das heißt, sie müssen durchlöchert oder verwittert aussehen. Dann wird schon einmal ein neu angefertigter Anzug mit einer Stahlbürste bearbeitet und mit Schuhcreme speckiger Glanz auf die Hose gebracht.

Für Faschingsnarren auf Kostümsuche ist das Volkstheater allerdings keine Fundgrube. »Wir verleihen oder verkaufen nichts, denn wir dürfen damit kein Geld verdienen«, sagt Margit Faigle. Wenn der Fundus doch mal ausgemistet werden muss, werden die Sachen an interessierte Mitarbeiter verschenkt. Einzige Ausnahme: »Manchmal leisten wir Nothilfe und verleihen Kostüme an kleinere Theater, die nicht so viel Geld haben«, sagt Faigle. Der Verwaltungsaufwand dafür sei aber so hoch, dass ein grundsätzliches Tauschmodell für Kostüme unrentabel sei.

Die aktuelle Herausforderung für Margit Faigle und ihr Team besteht nicht in komplizierten Schnitten oder aufwendigen Kostümen, sondern in Plastikfolie. »Für das neue Stück ›Die Odyssee‹ brauchen wir viele gebastelte Sachen und jede Menge künstliches Blut und Öl«, verrät Margit Faigle. Der Spezialauftrag an die Kostümabteilung: Wie bekommt man das Zeug wieder aus den Kleidern raus? »Das ist gerade ein bisschen Forschungsarbeit«, sagt die Gewandmeisterin mit einem leisen Seufzer.

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Astrid Klammt

 


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abgerufen 27.08.2016 - 18:49 Uhr

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