Home Artikel-ID: 2016_04_ofr_15_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 01.10.2016
Aktuelle Ausgabe: 39 vom 25.09.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 04/2016 vom 24.01.2016
Alle Artikel der » Ausgabe 04/2016 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Er ist »der Welt abhandengekommen«

Vor 150 Jahren starb der Schweinfurter Dichter und Orientalist Friedrich Rückert


Der als Dichter zu Lebzeiten erfolgreiche, heute aber ziemlich vergessene Friedrich Rückert war ein Sprachgenie: Mindestens 45 Sprachen beherrschte er - unter anderem Altäthiopisch, das biblische Aramäisch, Hindustani, Koptisch, Malaiisch, Sanskrit, Syrisch -, und er gilt als Mitbegründer der deutschen Orientalistik.

Kantig, auch streitbar: ein origineller Kopf, dieser Friedrich Rückert, festgehalten für eine frühe Ausgabe seiner gesammelten Werke.
Foto: PD
   Kantig, auch streitbar: ein origineller Kopf, dieser Friedrich Rückert, festgehalten für eine frühe Ausgabe seiner gesammelten Werke.

        

In den Konzertsälen könnte man regelmäßig eine Feder fallen hören, wenn Gustav Mahlers »Ich bin der Welt abhandengekommen« gesungen und von einem träumerischen Orchester begleitet wird. Eine Vision vom großen Schweigen, von der Sehnsucht nach einem »stillen Gebiet« abseits vom »Weltgetümmel«.

Die Dichtung Friedrich Rückerts sei »Empfindung bis in die Lippen hinauf, die sie aber nicht übertritt«, hat Mahler selbst über den Liedtext gesagt. Mahlers Vertonung hat das vielleicht schönste von Friedrich Rückerts »Kindertotenliedern« und den Autor selbst unsterblich gemacht. Ende Januar vor 150 Jahren starb Rückert.

»In niedern Hüllen«

Wenige wissen, dass Friedrich Rückert nach dem frühen Tod seiner zwei Lieblingskinder Luise und Ernst - sie fielen einer Scharlach-Epidemie zum Opfer - in einem Schmerz, der nicht enden wollte, mehr als 400 solcher »Kindertotenlieder« geschrieben hat. Und dass der als Dichter zu Lebzeiten erfolgreiche, heute aber ziemlich vergessene Friedrich Rückert ein Sprachgenie gewesen ist, der mindestens 45 Sprachen beherrschte - unter anderem Altäthiopisch, das biblische Aramäisch, Hindustani, Koptisch, Malaiisch, Sanskrit, Syrisch - und als Mitbegründer der deutschen Orientalistik gilt. Den Koran und viele alte arabische Volkslieder hat er einfühlsam übersetzt.

Von seiner Lyrik und Prosa kennt man nur noch ein paar ziemlich sentimental vertonte Ohrwürmer (»Aus der Jugendzeit«, »Du bist die Ruh, der Friede mild«). Seine sprudelnde Produktivität, seine mühelose Beherrschung der literarischen Formen, so kritisieren Wissenschaftler heute, stehe in keinem Verhältnis zur oft dürftigen Aussage.

Immerhin: Rückerts Adventslied »Dein König kommt in niedern Hüllen« (1834) steht noch im Evangelischen Gesangbuch. Und eine merkwürdige Redensart ist ins Deutsche eingegangen: »Mein lieber Freund und Kupferstecher!« Ein Zitat aus Rückerts Reiseberichten aus Italien, wo er in Rom den deutschen Zeichner - und Kupferstecher! - Carl Barth kennenlernte.

1788 in Schweinfurt in bürgerlichen Verhältnissen geboren, studierte Rückert Jura in Würzburg, wechselte aber bald zur Sprachwissenschaft und Ästhetik, wurde in Hildburghausen Mitglied der Freimaurerloge »Karl zum Rautenkranz«, war Dozent in Jena und Gymnasiallehrer, um sich schließlich als Privatgelehrter wieder in Würzburg niederzulassen.

Unter dem Pseudonym Freimund Reimar schrieb er »Geharnischte Sonette« gegen die napoleonische Besatzung. Mit seiner Behauptung, das griechische Geistesleben sei eigentlich orientalischen Ursprungs, und seinem leidenschaftlichen Plädoyer für die Aufwertung der Philologen - die letztlich zu den Philosophen gehörten - hatte er sich bei Fachkollegen unbeliebt gemacht, sein politisches Engagement brachte ihm ebenso behördliche Rügen ein wie unkonventionelle Kleidung und Haartracht.

Beim Stuttgarter Cotta-Verlag redigierte der aufmüpfige Dichter den poetischen Teil des »Morgenblatts für gebildete Stände«. Dann wurde er doch noch Professor - für orientalische Sprachen und Literaturen, 1826 in Erlangen. 1841 berief ihn König Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin, machte ihn zum Geheimen Regierungsrat und verlieh ihm den Orden Pour le Mérite.

Am 31. Januar 1866 starb Friedrich Rückert 77-jährig in Neuses, das heute zu Coburg gehört.

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

Christian Feldmann

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2016_04_ofr_15_01.htm
abgerufen 01.10.2016 - 06:51 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

»Evangelische Augenblicke« - der neue Glaubenskurs im Sonntagsblatt. Jetzt bestellen!

»Das Paradies«: Jetzt das neue THEMA-Magazin bestellen!

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!