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Dieser Artikel: Ausgabe 05/2016 vom 31.01.2016
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Bist du behindert?!

Kleines Abc für den Umgang mit Behinderung

Von Nadja A. Mayer

Alles richtig machen, aber wie? Viele von uns sind unsicher im Umgang mit Behinderten - oder Moment mal, darf man überhaupt Behinderter sagen? Unser kleines Abc zu den wichtigsten Fragen soll Barrierefreiheit im Umgang miteinander ermöglichen.

ABC - Jakub Krechowicz / 123rf
Foto: Jakub Krechowicz / 123rf

        

Der Film »Ziemlich beste Freunde« wird gerne zitiert, wenn es um den idealen Umgang von Nichtbehinderten mit Behinderten geht. Der Film beschreibt die Freundschaft eines Rollstuhlfahrers und dessen Pfleger - die Behinderung rückt dabei zunehmend in den Hintergrund. Eine Tatsache, die sich viele Behinderte auch im echten Leben wünschen würden. Doch es gibt viele offene Fragen, die den Umgang miteinander erschweren. Wir beantworten die wichtigsten:

A wie Ansprechen

Sich hinunterbeugen oder stehen bleiben im Gespräch mit einem Menschen im Rollstuhl? Wenn das Gespräch länger dauert, sich am besten eine Sitzgelegenheit suchen. Ansonsten kann man auch kurz stehen bleiben, wenn es nur eine Frage ist. Wichtig: Blickkontakt.

B wie Bezeichnung

Man darf das Wort Behinderter ruhig benutzen. »Behinderung« und »behindert« können auf vielfältige, auch nicht diskriminierende Arten gelesen werden. Beide Worte deuten an, dass es auf die Umwelt ankommt.

Menschen mit Behinderung leiden nicht oder nicht ständig unter ihrer Behinderung.
Foto: f1 online
   Menschen mit Behinderung leiden nicht oder nicht ständig unter ihrer Behinderung.

        

C wie Chromosomen

Die bekannteste Chromosomenabweichung ist die Trisomie 21 (Down-Syndrom). Trisomie 21 bedeutet, dass das Chromosom Nummer 21 dreimal anstatt nur zweimal vorhanden ist. Die frühere Bezeichnung »Mongolismus« ist keine Diagnose, sondern eine Diskriminierung.

D wie Distanzzone

Gerade für Menschen mit Behinderung ist es wichtig, dass andere die Distanzzone wahren. Einen Rollstuhlfahrer etwa als Kleiderständer zu benutzen, die Tasche darauf abzulegen oder den Rollstuhl ungefragt umzuparken ist respektlos.

E wie Ehe

Dürfen Behinderte heiraten? Grundsätzlich ja. Ist mindestens einer der Partner jedoch geistig eingeschränkt, muss ein Gutachten die Ehefähigkeit feststellen.

Nur Mut! Sprecht uns an - egal wie!
Foto: amelaxa/shutterstock
   Nur Mut! Sprecht uns an - egal wie!

        

F wie Fragen

Fragen zur Behinderung sind erlaubt - als Gesprächseinstieg jedoch eher ungeeignet. Auch unpassend: Zu glauben, es sei eine verbindende Gemeinsamkeit, jemanden zu kennen, der auch eine Behinderung hat. Das Thema Behinderung ist generell keine geeignete Gesprächsgrundlage. Wenn derjenige es will, wird er von selbst darauf zu sprechen kommen.

G wie Gespräch

Direkt ansprechen. Nicht den Betreuer oder andere anwesende Personen anreden. Dies gilt auch für Blinde. Hier bitte während des Gesprächs immer Blickkontakt halten. Auch ein Blinder spürt, in welche Richtung sich die Augen des Gegenübers bewegen.

H wie Hilfe

Generell ist es höflich, Hilfe anzubieten. Noch höflicher jedoch ist es, auf die Antwort zu warten. Viele Menschen werden sofort voller Hilfsbereitschaft handgreiflich, doch einen Übergriff hat niemand gern. Akzeptieren Sie freundlich, wenn jemand Ihre Hilfe nicht in Anspruch nehmen möchte.

I wie Information

Kommunizieren Sie besser zu viel als zu wenig. Gerade für blinde Menschen ist es wichtig, dass Sie sich ausgiebig austauschen, zum Beispiel bei der Begrüßung. Geben Sie Bescheid, wenn Sie Ihren Platz verlassen.

J wie Job

Die meisten Menschen mit Behinderung müssen nicht automatisch in eine Behindertenwerkstatt, sondern können mit entsprechender Unterstützung den Sprung in den allgemeinen Arbeitsmarkt schaffen.

K wie Kritik

Man darf sich ruhig trauen, eine ehrliche und auch negative Meinung zu äußern. Denn wie schon Funny van Dannen singt: »Auch Lesbische, Schwarze, Behinderte können ätzend sein.«

L wie Liebe

Auch Behinderte haben das Bedürfnis und das Recht auf Liebe und Partnerschaft. Es kommt auch vor, dass sich Behinderte und Nichtbehinderte ineinander verlieben. Am besten für die beiden freuen!

M wie Mitleid

Bloß nicht. Behinderte leiden nicht ständig unter ihrer Behinderung. Sie gehen arbeiten, sind fröhlich, haben Freunde, gehen auf Reisen - sind schlicht gesagt: wie du und ich.

N wie normal

Sich als Nichtbehinderter als normal anzusehen, ist verkehrt. Sicher gibt es mehr Menschen, die laufen, gut sehen oder hören können als solche, die das nicht gut können. Dennoch ist »normal« eine willkürlich festgelegte Kategorie, die Menschen, die nicht in dieses Raster passen, diskriminiert.

O wie Opfer

Viele Menschen sehen Behinderte in der Opferrolle. Behinderung ist für sie nur vorstellbar als Leiden, als große Katastrophe. Viele behinderte Menschen sehen sich jedoch nicht als leidend.

P wie Pflegefall

Behinderte Menschen als »Pflegefall« zu bezeichnen reduziert sie auf Pflegebedürftigkeit. Wenn Menschen zu Fällen werden, wird ihnen ein Stück des Menschseins abgesprochen und sie werden als Objekte und Last für die Allgemeinheit wahrgenommen.

Q wie Quote

Unternehmen in Deutschland mit mehr als 20 Mitarbeitern müssen mindestens 5 Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung besetzen. Trotzdem: Nicht jeder behinderte Arbeitnehmer ist automatisch aufgrund der Quote eingestellt worden. Viele sind einfach auch gut in ihrem Job.

R wie Redewendungen

Redewendungen wie »Auf Wiedersehen« zu einem Blinden zu sagen, oder einen Gehbinderten zu einem Spaziergang einzuladen, sind vollkommen in Ordnung. Schließlich wissen auch die meisten Behinderten, dass dies gängige Formulierungen sind.

S wie Streicheln

Streicheln, tätscheln oder sonstige Übergriffe sind unangebracht. Dies gilt übrigens auch im Bezug auf Blindenhunde. Vorher fragen, bevor man den Hund streichelt.

T wie »taubstumm«

Gehörlose Menschen sind nicht »stumm« oder »taubstumm«. »Gehörlos sein« bzw. Gehörlosigkeit sind neutralere Begriffe, die deshalb von vielen nicht hörenden Menschen bevorzugt werden. Viele von ihnen stören sich aber auch an dem Begriff der Gehörlosigkeit. Sie nennen sich weiterhin »taub« und zeigen damit, dass das Taubsein eine ihrer vielen Eigenschaften ist.

U wie Umarmung

Körperkontakt ist behinderten Menschen ebenso wichtig wie nicht behinderten. Würden Sie einen Bekannten ohne Behinderung bei der Begrüßung umarmen? Dann tun Sie es bei Ihrem behinderten Bekannten auch.

V wie Vorteile

Behindertenparkplätze, Zusatzurlaub, Rabatte und sonstige Vergünstigungen für Behinderte gelten nicht als Bevorteilung gegenüber Nichtbehinderten, sondern als Nachteilsausgleich.

W wie Witze

Darf man über Behinderte Witze machen? Man darf nicht, man muss sogar. Alles andere würde wieder eine Sonderbehandlung bedeuten, aber keine positive.

X wie XXS

Kleinwüchsigkeit gilt gesetzlich als Behinderung, wenn eine Größe von 1,50 Meter nicht erreicht wird. Großwuchs allein rechtfertigt keine Anerkennung als Behinderung. Es sei denn, es treten schwere körperliche Probleme auf.

Y wie YouTube

Jugendliche mit Behinderung interessieren sich genauso wie nicht behinderte Altersgenossen für das Internet und die sozialen Medien. Auf YouTube gibt es zum Beispiel den Kanal »SoBehindert«, bei dem der behinderte Jan mit seinem nicht behinderten Freund Claudius Filme zu Behindertenfragen dreht. Sehr empfehlenswert!

Z wie Zufall

Obwohl gesetzlich festgeschrieben, ist es praktisch zurzeit immer noch von Zufall, Engagement und Wohlwollen abhängig, ob Inklusion im Alltag tatsächlich umgesetzt wird.

 

  Die Deutsche Knigge Gesellschaft hat in Zusammenarbeit mit »Der Paritätische (Hessen)« 10 Tipps für den respektvollen Umgang mit behinderten Menschen erstellt. Zu finden im Internet unter:  www.knigge-rat.de

UMGANG MIT BEHINDERUNG

Bist du behindert?! Kleines Abc für den Umgang mit Behinderung. Von Nadja A. Mayer. » lesen!

»Für viele bin ich nur der Rollstuhlfahrer«. Journalist und Musiker Haakon Nogge über Barrieren in den Köpfen Nichtbehinderter. » lesen!

»Dachdecker wollte ich eh nicht werden«. Raúl Aguayo-Krauthausens Buch über das Leben aus der Rollstuhlperspektive. » lesen!

 

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abgerufen 30.05.2016 - 22:14 Uhr

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