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Sonntagsblatt 05/ vom

Selbstmitleid ist Zeitverschwendung

Raúl Aguayo-Krauthausens Buch »Dachdecker wollte ich eh nicht werden«


Raúl Aguayo-Krauthausen, der aufgrund seiner Glasknochen im Rollstuhl sitzt und kleinwüchsig ist, weiß, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, mit Behinderten unverkrampft umzugehen.

Raúl Aguayo-Krauthausen: Dachdecker wollte ich eh nicht werden. Das Leben aus der Rollstuhlperspektive. Rowohlt Polaris, 2014. 254 Seiten, ISBN 978-3-499-62281-6, 14,99 Euro.
Foto: Rowohlt Polaris

        

Menschen tätscheln ihm den Kopf oder starren ihn an - Raúl Aguayo-Krauthausen, der aufgrund seiner Glasknochen im Rollstuhl sitzt und kleinwüchsig ist, weiß, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, mit Behinderten unverkrampft umzugehen. Dabei ist jeder zehnte Deutsche behindert. Doch noch längst nicht hat sich die Gesellschaft an den Umgang mit jenen gewöhnt, die nicht »normal« sind.

Raúl Aguayo-Krauthausen zählt mittlerweile zu den bekanntesten Vertretern der Behindertenlobby. Dabei sieht er seine Behinderung lediglich als eine Eigenschaft von vielen. Der 35-jährige Tausendsassa ist ausgebildeter Telefonseelsorger, Journalist, Buchautor, Aktivist, studierter Kommunikationswissenschaftler, Träger des Bundesverdienstkreuzes und noch einiges mehr. Und alles im Einsatz für die Gleichstellung von Behinderten und Nichtbehinderten.

In seinem Buch »Dachdecker wollte ich eh nicht werden« beschreibt Krauthausen das Leben aus der Rollstuhlperspektive. »Mein Leben ist aufwendiger als das von Menschen, die nicht behindert sind, keine Frage. Doch es wird nicht ausschließlich von meiner Einschränkung geprägt und beherrscht.«

In seinem Buch - übrigens auch in einer Kurzfassung in einfacher Sprache erhältlich - berichtet Krauthausen von seiner Schulzeit, als Inklusion in Deutschland noch ein Fremdwort war, seinen Erlebnissen als Student - und natürlich auch von der Liebe, seiner ersten Freundin und den Schwierigkeiten, die die Beziehung eines Nichtbehinderten mit einem Behinderten mit sich bringt. »Ich mag mein Leben und die Formulierung ›behinderter Mensch‹, weil sie offenlässt, ob ich behindert bin oder behindert werde. Sein autobiografisches Werk sieht Krauthausen daher als ein »persönliches Plädoyer für Toleranz und Freude am Leben«.

Im Vorwort dazu schreibt Publizist Roger Willemsen: »Raúl ist bei der Betrachtung seiner Situation denkbar gelassen, hat sie ihn doch befeuert zu werden, was er ist. Er ist kein Eiferer in Behindertenfragen, und die Pflege von Selbstmitleid empfindet er als Zeitverschwendung.«

 

  BUCHTIPP: Raúl Aguayo-Krauthausen: Dachdecker wollte ich eh nicht werden. Das Leben aus der Rollstuhlperspektive. Rowohlt Polaris, 2014. 254 Seiten, ISBN 978-3-499-62281-6, 14,99 Euro.

UMGANG MIT BEHINDERUNG

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