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Dieser Artikel: Ausgabe 05/2016 vom 31.01.2016
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Schafkopfpartner des Papstes

Der Passauer Neutestamentler Franz Mußner feiert an diesem Sonntag seinen 100. Geburtstag


Er gehört zu den bekanntesten Bibeltheologen im deutschen Sprachraum und war Konsultor der vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Der katholische Bibelwissenschaftler Franz Mußner feiert an diesem Sonntag (31. Januar) in Passau seinen 100. Geburtstag. Während seiner Arbeit an den Universitäten in Trier und Regensburg bemühte er sich um die Aktualisierung biblischer Theologie für aktuelle Fragestellungen.

Das problematische Verhältnis zwischen Christen und Juden aufzuarbeiten, ist das Hauptinteresse des katholischen Bibelwissenschaftlers Franz Mußner.
Foto: pbp
   Das problematische Verhältnis zwischen Christen und Juden aufzuarbeiten, ist das Hauptinteresse des katholischen Bibelwissenschaftlers Franz Mußner.

        

Sein Hauptinteresse galt allerdings der Aufarbeitung des Verhältnisses zwischen Christen und Juden. Mußners Einsichten sind Allgemeingut im Dialog zwischen den Bekenntnissen geworden: Die hebräische Bibel ist mit Jesus keineswegs überholt, sondern kostbare »Leihgabe« Israels an die christliche Kirche, die ohne sie ihre Identität verlieren würde. Gott hat sein Volk Israel, aus dem Jesus, dessen Mutter und die Apostel stammen, nicht verstoßen, sondern liebt es weiterhin als bleibenden Zeugen seiner Treue und seiner Vision von einer gerechten Welt für alle Menschen. Die Kirche wartet gemeinsam mit dem Judentum auf den kommenden »Tag des Herrn«. Mußner: »Der Jude wartet auf den Messias am Ende der Zeiten - und wir Christen warten auch auf die Wiederkunft des Messias Jesus am Ende der Zeiten.«

Zu dem reichen Glaubenserbe, das Juden und Christen gemeinsam haben, rechnet Mußner den Eingottglauben, die Botschaft vom unkündbaren Bund Gottes mit seiner Schöpfung, die Achtung vor dem Menschen als Ebenbild Gottes, die Zehn Gebote und ein auf Zukunft gerichtetes Denken, das zum Engagement für Gerechtigkeit und Frieden ermuntere.

»Ganz Israel wird gerettet werden«

In seinen Büchern, die weltweit als Meilensteine im Verständigungsprozess zwischen Christen und Juden gelten, wies Mußner immer wieder auf zentrale Paulusworte hin, die allen Versuchungen eines christlichen Antijudaismus ein für alle Mal das Wasser abgraben müssten: »Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.«

Oder, ebenfalls aus dem Römerbrief: »Ganz Israel wird gerettet werden.« Wie mittlerweile viele seiner Fachkollegen vermutet Mußner, dass sich diese Rettung kaum durch eine plötzliche Bekehrung am Ende der Tage vollziehen werde, sondern auf einem »Sonderweg«, allein aus Gnade und Liebe.

Allzu lange hätten Antisemiten den Juden ihre angebliche »Selbstverfluchung« um die Ohren geschlagen, für Mußner schlimmer »Unsinn«: Beim Prozess Jesu vor Pilatus seien allenfalls hundert oder zweihundert Menschen versammelt gewesen, keineswegs das ganze jüdische Volk. Vor allem aber sei Jesu Blut kein Instrument der Rache, sondern ein erlösendes, Schuld abwaschendes Blut - auch für die Juden.

Nach Auschwitz könne die Theologie eigentlich nur noch darüber nachdenken, was den Christen an Gott fehle, wenn sie Israel verloren hätten. Im peinlichen »Historikerstreit« in den Achtzigerjahren wandte sich Mußner vehement gegen jede verharmlosende Einordnung des Holocaust in die Reihe der Völkermorde des 20. Jahrhunderts - mit dem klassischen Argument eines Bibelwissenschaftlers: Hier habe man sich nicht an irgendeinem Volk vergriffen, sondern am erwählten Volk Israel, das Gott nach Aussage der Schrift »wie seinen Augapfel« hüte.

Der spätere Papst Benedikt XVI. gehörte zu Mußners Studiengenossen in München und war als Dogmatiker sein Lehrstuhlkollege an der Universität Regensburg. Beide stammen aus Oberbayern: Joseph Ratzinger wuchs als Gendarmensohn in Marktl, Tittmoning und Traunstein auf, der Schreinerbub Franz Mußner wohnte in Edlham und Feichten.

Die Professoren Ratzinger und Mußner gingen gemeinsam wandern und spielten Schafkopf, wofür der nachmalige Papst allerdings keine besondere Begabung gezeigt haben soll. In einem Handschreiben zum 90. Geburtstag dankte Benedikt XVI. seinem alten Freund jedenfalls für »menschliche wie wissenschaftliche« Bereicherung.

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Christian Feldmann

 


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abgerufen 03.12.2016 - 14:43 Uhr

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