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Dieser Artikel: Ausgabe 05/2016 vom 31.01.2016
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Gott im Dorf

In der mecklenburgischen Kirche entstehen neue Formen des Gemeindelebens


Eine Delegation aus Bayern informierte sich in der lutherischen Partnerkirche in Mecklenburg über »Kirche im ländlichen Raum«.

Im Atelier von Wolf Leo.
Foto: Minkus
   Im Atelier von Wolf Leo.

        

Die junge Pfarrerin hat Herzklopfen. 30 Personen aus der mecklenburgischen und bayerischen Kirchenleitung warten in ihrem Pfarrhaus. Der mecklenburgische Bischof Andreas von Maltzahn sitzt neben den bayerischen Regionalbischöfen Gisela Bornowski aus Ansbach und Michael Grabow aus Augsburg. Auch Synodenpräsidentin Annekathrin Preidel und Vizepräsident Walter Schnell sind mit einer Gruppe von Synodalen aus Bayern in die Dorfgemeinde Grünow-Triepkendorf, eine Stunde nördlich von Berlin, gekommen. »Zukunft ländlicher Räume« ist das Thema des Kirchenleitungstreffens.

Pfarrerin Friederike Pohle (35) beginnt ihr Projekt vorzustellen. In den sechs Dörfern ihrer Gemeinde gibt es keine echte Dorfgemeinschaft. Die alteingesessenen Familien betrachten selbst die Flüchtlinge, die nach 1945 kamen, noch als Außenseiter. Und gemeinsam blicken sie skeptisch auf die Neubürger aus Berlin und Westdeutschland, die einen verlassenen Bauernhof gekauft haben, um das Landleben zu genießen. Die Gräben zwischen den Menschen lassen sich nur überwinden, wenn man sich besser kennt, sagt Pfarrerin Pohle.

Doch die Kräfte ihrer Kirchengemeinde sind begrenzt. 380 Gemeindeglieder hat sie, verteilt auf sechs Dörfer mit sechs Kirchen. »Ich bin schon glücklich, wenn fünf Menschen in den Gottesdienst kommen«, sagt Pohle. Die Christen sind eine Minderheit, nur jeder Zehnte gehört zur Kirche.

Wolf Leo schätzt die Kirche als »einzigen Kulturträger im Ort«.
Foto: Minkus
   Wolf Leo schätzt die Kirche als »einzigen Kulturträger im Ort«.

        

Da kam der Maler und Künstler Wolf Leo (Alter: »unter 80«) ins Spiel. Mit schwarzer Jacke und weißem Bürstenhaarschnitt sitzt er unter den Kirchenleuten. Gemeinsam mit der Gemeinde will er in einer der Dorfkirchen eine Ausstellung organisieren. Die Geschichte von sechs Familien aus jedem der Dörfer will er präsentieren - durch Interviews, Fotos und Dokumente.

Das Ziel: Die Bewohner lernen sich gegenseitig besser kennen, das Misstrauen untereinander kann abgebaut werden. Das Ungewöhnliche: Wolf Leo ist kein Gemeindeglied. Nicht einmal Christ. Mit der Kirche arbeitet er zusammen, »weil sie der einzige Kulturträger im Ort ist«.

Muss Pfarrerin Pohle jetzt Kritik von ihrem Bischof befürchten? Nein. Im Gegenteil. Denn Bischof von Maltzahn will einen Mentalitätswechsel. Seit 1990 sind in der mecklenburgischen Kirche 40 Prozent der Pfarrstellen eingezogen worden, nur 17 Prozent der Bevölkerung sind noch evangelisch. Unter diesen Bedingungen könne man auf dem Land nicht ein Gemeindeleben aufrechterhalten »wie es früher einmal war«, so der Bischof. Er ermutigt die Kirchengemeinden, Abschied zu nehmen vom flächendeckenden Gemeindeaufbau. Gemeinden sollen neue Formen des Gemeindelebens ausprobieren - etwa auch mit Nicht-Christen, wie in Grünow-Triepkendorf.

»Kirche mit anderen« nennt das Bischof von Maltzahn. Die Kirche habe nicht die Aufgabe, anderen eine »Botschaft zu vermitteln, die wir schon haben«, sondern erst »im Hingehen zum anderen erhält sich die Gemeinde das Evangelium«. Synodalpräsidentin Preidel zeigt sich am Ende beeindruckt. Um neue Ideen ausprobieren zu können, brauche es Erprobungsräume, sagt sie. Das Thema bleibt auch in Bayern auf der Tagesordnung. Die Kirche im ländlichen Raum ist das Schwerpunktthema der Frühjahrssynode in Ansbach.

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Johannes Minkus

 


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abgerufen 02.12.2016 - 18:55 Uhr

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