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Dieser Artikel: Ausgabe 05/2016 vom 31.01.2016
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Personen der Bibel (56): Rahel und Lea - Zwei Schwestern in schwieriger Konstellation


Zwei Schwestern, vom Vater mit einem Mann verheiratet, der nur eine der beiden wirklich liebte. Die Bibel ist voll von schwierigen Familiengeschichten. Auch Rahel und Lea fiel es nicht leicht, sich mit ihrer Situation zu arrangieren.

Marie Spartali Stillman: Dantes Vision von Lea and Rahel in der Göttlichen Kommödie, Aquarell aus dem Jahr 1887.
Foto: PD
   Marie Spartali Stillman: Dantes Vision von Lea and Rahel in der Göttlichen Kommödie, Aquarell aus dem Jahr 1887.

        

Es hätte eine romantische Liebesgeschichte werden können - große Gefühle jedenfalls scheinen schon im Spiel gewesen zu sein, als Rahel und Jakob sich zum ersten Mal begegneten. War es Liebe auf den ersten Blick oder hat Jakob seine Cousine einfach überrumpelt, als er ihr in aller Öffentlichkeit um den Hals fiel und sie unter Tränen küsste?

Jakob, der vor seinem Bruder Esau hatte fliehen müssen, nachdem er Esau um den Erstgeburtssegen betrogen hatte, war auf der Suche nach der Familie seines Onkels Laban. An einem Brunnen traf er auf dessen Tochter Rahel. Was Rahel wohl gedacht haben mag, als der fremde Mann ihr half, den schweren Stein vom Brunnenloch zu schieben, damit sie ihre Schafe tränken konnte? Und damit nicht genug; dann fiel er ihr vor den Augen der anderen Hirten auch noch weinend in die Arme!

Sofort lief Rahel zu ihrem Vater und erzählte ihm von dem seltsamen Besucher. Nachdem Jakob sich vorgestellt hatte, ließ Laban ihn bei sich wohnen. Dort lernte Jakob auch Rahels Schwester Lea kennen, von der es allerdings heißt, ihre »Augen waren ohne Glanz, Rahel dagegen war schön«. ( 1. Mose 29, 17) Kein Wunder also, dass sich bald bestätigte, was sich schon bei der ersten Begegnung angebahnt hatte.

Jakob verliebte sich unsterblich in die schöne Rahel. Schon nach einem Monat hielt er bei Laban um ihre Hand an: »Ich will dir sieben Jahre um Rahel, deine jüngere Tochter, dienen« ( 1. Mose 29, 18), versprach er, da er kein Geld hatte, um den Brautpreis zu zahlen. Laban willigte ein. »So diente Jakob um Rahel sieben Jahre, und es kam ihm vor, als wären's einzelne Tage, so lieb hatte er sie.« ( 1. Mose 29, 20) Ja, es hätte eine romantische Liebesgeschichte werden können - wenn Laban sich an die Abmachung gehalten hätte.

Doch es kam anders. Als die sieben Jahre um waren, veranstaltete Laban zwar wie versprochen ein Hochzeitsfest, »am Abend aber nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu Jakob«. ( 1. Mose 29, 23) Der erkannte in der Dunkelheit nicht, dass es die falsche Tochter war und schlief mit ihr. Erst in der Morgendämmerung bemerkte er, dass er betrogen worden war.

Wie die beiden Schwestern sich bei den Mauscheleien ihres Vaters fühlten, erfährt der Leser nicht. Jakob aber war entsetzt. »Warum hast du mich betrogen?« ( 1. Mose 29, 25), fragte er seinen Onkel. Der antwortete nur seelenruhig: »Es ist nicht Sitte in unserm Lande, dass man die Jüngere weggebe vor der Älteren.« ( 1. Mose 29, 26) Um auch Rahel heiraten zu dürfen, musste Jakob die Hochzeitswoche mit Lea verbringen und versprechen, noch sieben weitere Jahre bei Laban zu bleiben. Erst als diese Zeit verstrichen war, gab Laban ihm Rahel zur Frau. »So ging Jakob auch zu Rahel ein und hatte Rahel lieber als Lea.« ( 1. Mose 29, 30) Zwei Frauen und ein Mann, der nur eine der beiden wirklich liebte, da waren Eifersuchtsdramen vorprogrammiert.

Der Vater brachte die beiden Schwestern in eine unerträgliche Situation

Aber nicht genug damit, dass der eigene Vater die beiden Schwestern in eine schier unerträgliche Situation gebracht hatte - nun mischte sich auch noch Gott ein. Als der nämlich »sah, dass Lea ungeliebt war, machte er sie fruchtbar: Rahel aber war unfruchtbar.« ( 1. Mose 29, 31) Zwischen den Schwestern entbrannte ein heftiger Konkurrenzkampf. Lea bekam ein Kind nach dem anderen. Trotzdem galt die wirkliche Liebe Jakobs weiterhin nur Rahel.

Während die eine unter der Lieblosigkeit ihres Mannes litt, litt die andere unter ihrer Kinderlosigkeit: Als »Rahel sah, dass sie Jakob kein Kind gebar, beneidete sie ihre Schwester und sprach zu Jakob: Schaffe mir Kinder, wenn nicht, so sterbe ich.« ( 1. Mose 30, 1) Vor lauter Verzweiflung überließ sie ihrem Mann schließlich sogar ihre Magd, die daraufhin in Rahels Namen ein Kind bekam. Noch lange wetteiferten die Schwestern in dieser Weise um die Gunst ihres Mannes. Erst als Rahel doch endlich einen eigenen Sohn bekam, kehrte langsam Ruhe ein. »Gott hat meine Schmach von mir genommen« ( 1. Mose 30, 23), meinte Rahel erleichtert, als Josef zur Welt kam, fügte aber hinzu: »Der Herr möge mir noch einen Sohn dazugeben!« ( 1. Mose 30, 24) Der Wunsch sollte ihr später noch erfüllt werden - allerdings um den Preis ihres eigenen Lebens.

Zuvor allerdings beschloss die Familie, endlich von Laban fortzuziehen, der inzwischen auch begonnen hatte, Jakob um seinen Arbeitslohn zu betrügen. Durch sein Geschick in der Viehzucht war Jakob trotzdem zu Reichtum gekommen. Als er seinen Frauen vorschlug, mit ihm zurück nach Kanaan zu seinem Vater Isaak zu ziehen, stimmten die Schwestern sofort zu. Unserem Vater haben wir doch bloß »gegolten wie die Fremden, denn er hat uns verkauft und unseren Kaufpreis verzehrt« ( 1. Mose 31, 15), meinten sie nur. Sie packten ihre Sachen, trieben ihre Tiere zusammen und zogen fort, als Laban abwesend war. Heimlich hatte Rahel auch die Götterfigur ihres Vaters eingepackt. Darüber, warum sie das tat, rätseln Experten bis heute: Hoffte sie auf den Schutz dieses Gottes oder wollte sie dem Vater seinen Schutz entziehen? Nahm sie ihn als Ersatz für die Mitgift, die der Vater den Schwestern verweigert hatte, oder wollte sie den Vater einfach betrügen, weil sie und Lea sich von ihm betrogen fühlten? Mit Sicherheit lässt sich das nicht feststellen.

Die Bibel erzählt nur selten von romantischen Liebesbeziehungen

Als Laban bemerkte, dass mit der Familie seiner Töchter nicht nur wertvolle Arbeitskräfte fehlten, sondern auch sein Hausgott verschwunden war, geriet er in Wut. Er reiste Jakob hinterher, stellte ihn zur Rede und durchsuchte alle Zelte. »Rahel aber hatte den Hausgott genommen und unter den Kamelsattel gelegt und sich daraufgesetzt.« »Es geht mir nach der Frauen Weise« ( 1. Mose 31, 35), täuschte sie ihre Regelblutung vor, und blieb auf dem Sattel sitzen. So musste Laban schließlich ohne die Götterfigur wieder nach Hause ziehen.

Rahel starb bei der Geburt ihres zweiten Sohnes. »Als ihr aber das Leben entwich […], nannte sie ihn Ben-Oni [Sohn meines Unglücks], aber sein Vater nannte ihn Ben-Jamin [Sohn des Glücks].« ( 1. Mose 35, 18) Jakob bestattete Rahel auf dem Weg nach Bethlehem und richtete auf ihrem Grab einen Stein auf. Lea und Jakob zogen weiter und schlugen ihre Zelte »jenseits von Migdal-Eder« ( 1. Mose 35, 21) auf. Als Lea einige Jahre später starb, begrub Jakob sie in der Höhle Machpela, die Abraham einst für Sara gekauft hatte und in der auch Jakobs Eltern bestattet waren.

Rahel und Lea hatten es nicht leicht - vor allem, weil ihnen als Frauen zu biblischer Zeit kaum ein Mitspracherecht für ihre Lebensplanung zukam. Anders als heute gerne behauptet wird, erzählt die Bibel nur selten von romantischen Liebesbeziehungen und idealen Vater-Mutter-Kind-Familien. Ähnlich wie heute war auch das Familienleben der großen alttestamentlichen Vorbildfiguren geprägt von unterschiedlichsten Interessen, Verstrickungen und guten wie schlechten Gefühlen.

RAHEL UND LEA

  NAME: Rahel: hebr. Mutterschaf; Lea: hebr. Wildkuh

  BERUF: Hirtinnen

  HERKUNFT: Töchter Labans, Cousinen und Ehefrauen Jakobs

  ZEIT: ca. 18. Jahrhundert v. Chr.

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:  1. Mose 29-31;  35, 16-21

  WIRKUNGSGESCHICHTE: Rahel und Lea galten später als die Frauen, von denen ganz Israel abstammt ( Rut 4, 11), die Namen der zwölf Stämme Israels werden auf die Namen ihrer Söhne zurückgeführt. In der Kunst symbolisieren die beiden Schwestern gelegentlich Synagoge und Kirche.

  ZITAT: »Laban aber hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea, die jüngere Rahel. Aber Leas Augen waren ohne Glanz, Rahel dagegen war schön von Gestalt und von Angesicht.« ( 1. Mose 29, 16f.)

  BUCHTIPP: Margot Käßmann: Mütter der Bibel, Freiburg (Brsg.) 2009.

THEOLOGISCHES STICHWORT

EHE: Ein Wort für das, was wir heute Ehe nennen, gibt es in der hebräischen Sprache nicht. Die Ehe war nach damaliger Vorstellung weder eine öffentliche noch eine kultische Angelegenheit. Sie war eine reine Familiensache. Für die Familien ging es dabei in erster Line um den Erhalt des Erbes und der eigenen Traditionen. Meist suchten ein junger Mann oder seine Eltern eine passende Frau aus der eigenen Sippe aus.

Dass ein Mann mehrere Ehefrauen hatte, war in alttestamentlicher Zeit durchaus noch üblich. Die Mägde der Hauptfrauen konnten außerdem zu Nebenfrauen des Mannes werden. Die Kinder dieser Frauen galten dann als Kinder der jeweiligen Hauptfrau.

Der Mann hatte seine Frau(en) zu beschützen und für ihren Unterhalt zu sorgen. Außerdem waren Mann und Frau sich gegenseitig verpflichtet, für Nachkommenschaft zu sorgen. Kinder, vor allem Söhne, galten als Zeichen göttlichen Segens.

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Sonja Poppe

 


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abgerufen 28.05.2016 - 13:45 Uhr

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