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Dieser Artikel: Ausgabe 05/2016 vom 31.01.2016
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Schmerzliche Hinterlassenschaft

Deutsches Historisches Museum (Berlin) zeigt »Kunst aus dem Holocaust«


In Berlin sind erstmals in Deutschland 100 Kunstwerke aus der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem zu sehen. Die Ausstellung »Kunst aus dem Holocaust« zeigt Bilder von Insassen der Konzentrationslager und Ghettos, die heimlich entstanden.

Leo Breuer malte 1941 das Bild »Pfad zwischen den Baracken«. Es ist in der Ausstellung »Kunst aus dem Holocaust« zu sehen.
Foto: epd-f
   Leo Breuer malte 1941 das Bild »Pfad zwischen den Baracken«. Es ist in der Ausstellung »Kunst aus dem Holocaust« zu sehen.

        

Der Tod ist in den Arbeiten aller Künstler gegenwärtig: Es sind Zeichnungen der Evakuierung jüdischer Häuser und der Transporte ins Konzentrationslager, Bilder von Misshandlungen, Folter und der Hinrichtung am Galgen. Grau und Schwarz dominieren, Tristesse und Verzweiflung sind spürbar. Der Kurator der Ausstellung »Kunst aus dem Holocaust«, Walter Smerling, nennt die 100 Werke aus der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem, die erstmals in Deutschland gezeigt werden, »eine schmerzliche Hinterlassenschaft«.

Die überwiegend grafischen Blätter aus den Jahren 1939-45, die bis zum 3. April im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen sind, stammen von Häftlingen aus Konzentrationslagern, Arbeitslagern und Ghettos. Sie entstanden heimlich und unter Lebensgefahr und wurden von den Künstlern versteckt. Die meist mit Tusche, Kohle oder Wasserfarben entstandenen Arbeiten auf Papier dokumentieren die Grausamkeiten, die die Insassen zu ertragen hatten, und zeigen zugleich ihre Flucht in Kunst und Fantasie.

»Kunst aus dem Holocaust« ist in drei Themen gegliedert: Wirklichkeit, Porträts sowie Traum und Hoffnung. Die düsteren Bilder schildern die alltäglichen Gräuel im Lager, seine Pritsche an Pritsche liegenden einsamen Gefangenen, aber auch ihre idyllischen Vorstellungen von der früheren Welt und dem verlorenen Zuhause hinter dem Stacheldraht. »Boulevard der Leiden« nannte Leo Kock seine unheilvolle Darstellung der Hauptstraße des Lagers. Felix Cyrin zeichnete Porträts von 42 Kameraden.

Nelly Toll, die einzige noch lebende Künstlerin, die damals noch ein Kind war, träumte sich zurück an das Klavier in ihrem Elternhaus. Auch Berglandschaften und ein Hafen an der Französischen Riviera sind zu sehen.

Pavel Fantl, der in Theresienstadt heimlich Karikaturen schuf, verspottete Adolf Hitler als betrunkenen Clown. Papier und Farben bekam er von tschechischen Polizisten, die das Lager bewachten. Einen Teil seiner Bilder übergab er einem Eisenbahner zur Aufbewahrung.

Ein anderer Künstler versteckte seine Bilder in Dosen, die er auf dem Jüdischen Friedhof vergrub. Nur seine Witwe, die überlebte, kannte das Versteck.

»Jedes Kunstwerk erzählt wenigstens drei Geschichten«, sagt Kuratorin Eliad Moreh-Rosenberg: Was stellt es dar, wer war sein Schöpfer, wie wurde sein Werk später gefunden? Die meisten Künstler ahnten, dass sie sterben würden, »sie zeichneten für die Nachwelt«, sagte Moreh-Rosenberg. Sie »wollten eine Spur ihrer Existenz und ihres geistigen Kampfes hinterlassen«. Ergänzt werden alle Kunstwerke durch die Biografien ihrer Schöpfer.

Neben größtenteils unbekannten Namen sind berühmte Künstler wie der 1944 in Auschwitz verstorbene Felix Nussbaum oder der Grafiker und Dichter Ludwig Meidner vertreten. Von den 50 präsentierten Künstlern wurden 24 von den Nationalsozialisten ermordet.

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Nadine Emmerich

 


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abgerufen 29.08.2016 - 14:36 Uhr

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