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Dieser Artikel: Ausgabe 05/2016 vom 31.01.2016
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Raum zum Wachsen

Erst außen, jetzt innen: Der Münchner Dom der Protestanten soll neu gestaltet werden


Die Münchner City-Kirche Sankt Lukas rüstet sich sechs Jahre nach Abschluss der vier Millionen teuren Außensanierung für das nächste Großprojekt: Ende Februar wollen vier Architekturbüros ihre Vorschläge zur Innensanierung und Raumgestaltung präsentieren. Das Ziel: mehr Platz und mehr Möglichkeiten für die Zukunft.

Die einzige evangelische Kathedrale in München, Sankt Lukas, soll nun auch im Inneren saniert werden.
Foto: Bjarne Geiges
   Die einzige evangelische Kathedrale in München, Sankt Lukas, soll nun auch im Inneren saniert werden.

        

Der Auftrag an die Architekten klingt wie die Quadratur des Kreises: Sie sollen eine Kirche entwerfen, die für die 60 Gottesdienstbesucher am Sonntag genauso passt wie für die 1800, die einmal im Jahr zur Christvesper kommen. Gleichzeitig müssen mehr Freiräume und Stauräume für Kunst und Kultur entstehen, ohne den sakralen Charakter der einzigen evangelischen Kathedrale in München zu zerstören.

Ein Knackpunkt sind die 120 Jahre alten Bänke mit ihren industriell gefertigten Bankwangen, über die der Denkmalschutz mit Argusaugen wacht. Wenn bei der Neugestaltung Bankreihen entfernt würden, wäre das die augenfälligste Veränderung - ob und in welchem Umfang das geschieht, ist die vielleicht spannendste Frage.

Zum Wunsch-Paket einer Neugestaltung gehören zwei Eingriffe im Außenbereich: Wenn die Stichstraße »Am Mariannenplatz« aufgegeben würde, könnte zwischen Gemeindehaus und Kirche wieder ein echter Platz entstehen. Und wenn die Stadt durch Umlenkung des Durchgangsverkehrs die vierspurige Steinsdorfstraße vor dem Kirchenportal beruhigen und auf zwei Spuren reduzieren würde, dann rückte die Kirche wieder näher an die Isar - so wie es die Stadtplaner 1896 einmal gedacht hatten. Hohe Ziele, aber nicht unmöglich: Der städtische Planungsprozess könnte beide Wünsche verwirklichen.

Münchens »evangelischer Dom«: St. Lukas an der Isar.
Foto: manfredxy - 123rf
   Münchens »evangelischer Dom«: St. Lukas an der Isar.

        

Bei solch gewaltigen Plänen erscheint die eigentliche Innensanierung der Kirche fast wie Kleinkram. Die Kuppelschalen, von der aufsteigenden Heizungsluft vieler Jahrzehnte angegriffen, müssen geöffnet und auf Stabilität überprüft werden. Das Gestühl braucht nach 120 Jahren eine Auffrischungskur. Die Galvanoplastiken müssen saniert werden, eine neue Heizanlage und ein Beleuchtungskonzept müssen her. Für die Sanierungsarbeiten hat der 2001 gegründete Verein »Rettet Sankt Lukas« noch 750.000 Euro gebunkert.

»Aber das reicht natürlich nicht«, sagt Gemeindepfarrer Helmut Gottschling. Eine Kostenschätzung sei noch nicht möglich; klar sein dürfte aber, dass nach der vier Millionen Euro teuren Außensanierung auch die Innensanierung des Münchner Doms der Protestanten ein Millionenprojekt wird. »Deshalb brauchen wir ein schlüssiges Gestaltungskonzept, das die Münchner Öffentlichkeit beeindruckt und mit dem wir um Spenden werben können«, so der Pfarrer.

Für Gottschling ist entscheidend, dass die vielen Funktionen der Lukaskirche bei der Neugestaltung berücksichtigt werden, und zwar mit einem Blick auf die nächsten 50 Jahre. Sie sei nicht nur Gemeindekirche für 6500 Menschen, sondern auch Stadtkirche für Bürgerveranstaltungen ohne kirchlichen Bezug, Nachtkirche für Touristen und Nachtschwärmer, Kunstkirche im Dialog mit der Stadtgesellschaft, Radwegekirche und als Isarkirche der Mittelpunkt des ganzen Stadtviertels.

»Wir müssen das Potenzial der Kirche ernst nehmen und besser nutzen«, findet der Pfarrer. Der Kirchenraum habe eine besondere Kraft: »Man geht größer raus, als man reingekommen ist.« Ein Raum zum Wachsen: Das soll Sankt Lukas durch die Neugestaltung bleiben.

INFOS ZUM UMBAU

  ARCHITEKTEN: Am Gestaltungswettbewerb nehmen teil die Architekturbüros Achatz und Guggenbichler / Netzer, die in München schon an der Gestaltung des Cuvilliéstheaters und der Allerheiligenhofkirche beteiligt waren, außerdem die Büros Lederer aus Stuttgart und Nitschke aus Berlin.

  MODERATION: Um nicht in die verbindlichen Zwänge eines Architektenwettbewerbs zu geraten, hat sich die Lukaskirche für ein »moderiertes kommunikatives Verfahren« entschieden. Als Moderatorin fungiert die Inhaberin des Lehrstuhls für Raumgestaltung an der TU München, Professor Hannelore Deubzer.

  BERATER: Zum Beratungsgremium, das am Ende einen Entwurf auswählt und zur Entscheidung an den Kirchenvorstand übergibt, gehören Experten aus dem Münchner Planungsreferat und vom Denkmalschutz, Fachleute der Bauabteilungen aus Dekanat und Landeskirchenamt, der für Gemeinden zuständige Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, deren Predigtkirche die Lukaskirche ist, sowie Mitglieder aus dem Kirchenvorstand.

 

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Susanne Schröder

 


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abgerufen 01.10.2016 - 10:38 Uhr

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