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Dieser Artikel: Ausgabe 06/2016 vom 07.02.2016
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Die drei Schritte des Mose

Was bedeutet die biblische Aufforderung »Seid mannhaft!«?

Von Günter Kusch

Was meint Paulus mit der Aufforderung »Seid mannhaft«? Litt Mose an einem Burn-out? Inwiefern taugen biblische Männer als Vorbilder für ein authentisches Mannsein?

Der erste Schritt lautet: Wer Schwäche zeigt, gewinnt an Kraft.
Foto: afg
   Der erste Schritt lautet: Wer Schwäche zeigt, gewinnt an Kraft.

        

Paulus hat leicht reden. »Wacht, steht fest im Glauben, seid mannhaft, seid stark«, ruft er seinen Mitarbeitern in Korinth zu ( 1. Korinther 16, 13). Doch was heißt das: »Mannhaft sein«?

Ich denke, damals war das ebenso wenig klar wie heute. Was macht den Mann zum Mann? Kann Mann oder gar Frau das mit wenigen Worten definieren?

»Sei ein Mann!« - In meiner Jugend hieß das: Du sollst nicht weinen, Indianer kennen keinen Schmerz. Oder: Halt die Ohren steif, nur keine Angst zeigen, da musst du durch. Trink dir ein wenig Mumm an, dann packst du das schon!

Gerade im Blick auf diese Stereotypen unserer Erziehung stellen wir fest: Das traditionelle Bild des Mannes gerät ins Wanken. Von einer neuen Männlichkeit ist die Rede. Da suchen junge Väter nach ihrer Rolle in der Familie: Kümmerer statt Kämmerer. Sie definieren ihre Identität nicht mehr allein über den Beruf, sondern überlegen, Stunden zu reduzieren oder auf einen Teil des Gehalts zu verzichten, um für Frau und Kinder da zu sein. Auch in Sachen Glaube und Frömmigkeit wird nach Formen männlicher Spiritualität gesucht. Was ist bloß los mit den Männern? Und was meint Paulus, wenn er dazu aufruft: »Seid mannhaft!« - gerade heute.

In neueren Übersetzungen der Bibel wird das Wort »mannhaft« durch »tapfer« ersetzt. Muss ein Mann also mutig sein, um in dieser Welt zu bestehen? Nur keine Schwäche zeigen, du schaffst das schon? Oder ist das nur ein weiteres Klischee über Männer?

»Es gibt zwei Bilder vom Mann, die sein Wesen verfälschen«, schreibt Anselm Grün in seinem Buch »Kämpfen und lieben«. Bilder, die an Vereinfachung kranken, weil sie nur ein Entweder-Oder zulassen: Kämpfer oder Empfindsamer. Die konträren Rollen »Macho versus Softie« passen zu der Vorstellung, die in manchen Köpfen haust: Wurden Männer früher zu Soldaten erzogen, so dürfen sie seit dem Ende der 1980er-Jahre auch einmal weinen und in Selbsthilfegruppen Probleme rauslassen. Schon höre ich spöttische Stimmen: »Warmduscher!«

Biblische Männer setzen dem Entweder-Oder zahlreiche Identitäten bzw. Varianten des »Mannhaftseins« entgegen, die erst noch zu entdecken sind. Manche wachsen an großem Leid, so wie Hiob. Einige missbrauchen ihre Macht, wie David. Andere begehen einen verhängnisvollen Fehler, wie Judas, der vom ehrgeizigen Jünger zum Verräter Jesu wurde. Oder ich denke an Mose, der im Zorn einen ägyptischen Aufseher tötet und flieht. Und trotzdem wird er von Gott in den Dienst genommen, erhält die Aufgabe, das Volk aus der Sklaverei zu befreien und ins Gelobte Land zu führen. Es gibt also nicht die einzig selig machende Form des »Mannhaftseins«, sondern postmodern gesprochen viele Identitäten - je nach Person und Situation.

Günter Kusch ist Pfarrer, Redakteur und Referent für Männerarbeit im Amt für Gemeindedienst in Nürnberg.
Foto: privat
   Günter Kusch ist Pfarrer, Redakteur und Referent für Männerarbeit im Amt für Gemeindedienst in Nürnberg.

        

Doch bleiben wir bei Mose und seinen Erfahrungen: Was war er in jungen Jahren doch für ein Heißsporn? Er wollte die Welt verändern und legte sich mit der Staatsmacht an. Und dann der lange, beschwerliche Weg aus Ägypten, die murrenden Israeliten und die großen Hoffnungen, die sich anscheinend nicht erfüllten. Mose kann nicht mehr: »Warum legst du mir die Last dieses Volkes auf«, ruft er zu seinem Gott. Mose ist am Ende seiner Kraft und will am liebsten sterben. Ein typischer Fall von »Burn-out«, würden heutige Ärzte diagnostizieren. Doch dann geht Mose drei Schritte, die auch heute noch hilfreich sein können - fürs »Mannhaftsein« und eben gegen die Gefahr, am Ende völlig auszubrennen.

Der erste Schritt lautet: Wer Schwäche zeigt, gewinnt an Kraft. Mose schätzt seine Grenzen und Schwächen realistisch ein und spricht sie offen an.

Der zweite Schritt heißt: Wer Macht oder Verantwortung teilt, wird bereichert. Mose lehnt die Heldenrolle ab und ruft um Hilfe. Von 70 Männern ist die Rede, die ihm Gott zur Seite stellt. Gemeinsam sind sie stark.

Der dritte Schritt ist für mich der wichtigste: Wer regelmäßig für Auszeiten sorgt, wird gestärkt. Als Mose zusammenbricht, betet er. Er wendet sich an Gott und schüttet sein Herz aus. Er legt quasi einen spirituellen Stopp ein, um wieder aufzutanken. Ja, auch das gehört zum »Mannhaftsein«: regelmäßige »religiöse« Haltepunkte, die mir neuen Halt geben.

»Seid mannhaft« heißt also: Wir dürfen im Leben durchaus unseren Mann stehen, aber auch Schwächen zugeben. Wir können Aufgaben anpacken, aber dabei andere mit ins Boot holen. Wir sollen mit voller Kraft und Energie loslegen, aber dabei nicht vergessen, immer wieder Zeit für »himmlische Momente« zu lassen.

 

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abgerufen 26.08.2016 - 21:53 Uhr

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