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Dieser Artikel: Ausgabe 06/2016 vom 07.02.2016
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Die Macht des Zweifels

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Ist Gott tot? Gnade, Verkündigung, Heilsgeschehen? Wenn die »Hauspantoffeln der theologischen Fachsprache« ausgelatscht und zweifelhaft wirken.

Ich bin seit vielen Jahren im kirchlichen Dienst. Zunächst war für mich alles fraglos. Ich sprach Worte nach, die ich im Studium gelernt habe, wiederholte bereitwillig die Bekenntnissätze und hielt mich selbstverständlich im vertrauten Haus der christlichen Überlieferung auf.

Mit der Zeit allerdings wurde mir mehr und mehr davon fragwürdig. Einer meiner Professoren hatte einmal von den »Hauspantoffeln der theologischen Fachsprache« gesprochen. Worte wie Gnade, Verkündigung, Heilsgeschehen. Mit diesem Bild wollte er wohl etwas von der Kuscheligkeit unseres Glaubens deutlich machen. Ich kann davon immer weniger empfinden und spüre vor allem, wie ausgelatscht diese Pantoffeln heute wirken.

In mir lebt mittlerweile wenig Gewissheit und dafür sehr viel Zweifel. Vor Jahren gab es eine ganze Reihe von Büchern mit einem »Gott ist tot« im Titel. Alle schienen froh, dass der Spuk vorüberging. Aber es war kein Spuk und das Thema hat sich auch noch nicht erledigt.

Ein Kollege hat mich mit der Aussage zu trösten versucht: »Der Zweifel ist der Künstlername des Glaubens.« Eine originelle Formulierung, aber ich höre darin vor allem den Versuch, auch den Zweifel zu vereinnahmen. Und das kommt mir nicht sehr hilfreich vor.

Herr O.

 

Zwei Erfahrungen bewegen Sie. Einmal geht es um Ihre Glaubwürdigkeit im kirchlichen Dienst. So vieles an unserer Überlieferung ist Ihnen fremd geworden. Mir fällt dazu eine Geschichte um Carl-Friedrich von Weizsäcker ein, den Physiker und Philosophen. In einer Predigt sagte der bekennende Christ einmal: »Wer nicht in seinem eigenen Leben erfahren hat, was es heißt ›Gott ist tot‹, wie soll der einem heutigen Menschen helfen können? Spricht dieses Wort doch eine Grunderfahrung unserer Zeit aus.«

Dann sprach er von seinen Zweifeln und fuhr fort: »Wie oft habe ich einen Theologen prüfend angeschaut, ob ich mit ihm darüber sprechen könnte, und habe gespürt: Er konnte mir nicht helfen. Er war auf seiner gesicherten Insel und wusste nicht, wie es auf dem hohen Meer der Ungewissheit aussieht.« Ich erzähle Ihnen davon, denn Sie haben diesen Schritt getan, haben die sichere Insel verlassen. Sie stehen vielen Menschen näher, als Sie meinen.

In einem zweiten Aspekt geht es Ihnen ganz um Ihre eigene Person. Ein wohlmeinender Kollege hat Ihnen ein anschauliches Bild angeboten: »Der Zweifel ist der Künstlername des Glaubens.« Freilich, wenn Sie darin das Vereinnahmende hören, dann müssen Sie es zurückweisen. Schon um Ihrer Selbstachtung willen.

Meine Aufmerksamkeit bleibt an einer anderen Stelle hängen, bei dem »Künstler«. Es ist das schöpferische, das kreative, vielleicht auch das spielerische Moment, das mich anspricht.

Hier habe ich den Eindruck, dass Sie nicht so allein sind, wie Sie meinen. Eine wachsende Zahl an Theologen und Theologinnen ist auf der Suche nach einer neuen Sprache und neuen Bildern, weil ihnen die alten Hauspantoffeln nicht mehr dienlich sind. Da gibt es noch keine fertigen Antworten, und doch liegt allein in diesem Mühen eine Lebendigkeit, die etwas Kostbares hat.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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abgerufen 26.08.2016 - 12:07 Uhr

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