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Dieser Artikel: Ausgabe 06/2016 vom 07.02.2016
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Gorilla zu vermieten

Eine Rother Familie betreibt seit Generationen im Einfamilienhaus einen Kostümverleih


Was die Urgroßmutter begann, macht heute der Urenkel mit viel Spaß mit: Familie Streb-Fischer hält für kleine und große Narren in und um Roth Kostüme und Accessoires vom Mafiaboss bis zur Diva bereit.

Gisela Streb übernahm den Kostümverleih in Roth von ihrer Mutter. Inzwischen ist auch ihr Enkel Simon im Geschäft.
Foto: Tijang
   Gisela Streb übernahm den Kostümverleih in Roth von ihrer Mutter. Inzwischen ist auch ihr Enkel Simon im Geschäft.

        

»Lustig und bunt geht nicht mehr.« Bedauernd nimmt Gisela Streb einen groß karierten blau-roten Anzug vom Kleiderständer und hält ihn sich vor den Körper. Das Clowns-Outfit ist ein Ladenhüter.

Dagegen sind venezianische Kleider und Masken, glitzernde historische Livreen und wallende Kleider, Outfits vom Burgfräulein bis Beethoven im Karneval beinahe jedes Wochenende auf den Bällen im mittelfränkischen Seenland unterwegs. Der Gorilla wird oft entliehen, der Kardinal ebenfalls. Auf der Beliebtheitsskala derzeit ganz unten: der arabische Scheich und die Burka.

Gisela Streb ist in das Untergeschoss ihres Einfamilienhauses in Roth gestiegen. Dort wühlen sich an diesem Nachmittag wenige Minuten nach »Ladenöffnung« bereits ein halbes Dutzend Kunden durch Gewänder, Hüte, Kronen, Ketten und Perücken. 300 Kostüme hängen dicht an dicht in zwei Räumen. Dieses Jahr wäre das Thema »Star Wars« angesagt. Doch dazu gibt es im Keller der Strebs nichts.

Aus der »Umkleidekabine«, in der Waschmaschine und Trockner stehen, tritt eine Kundin. Katja Lerch aus Kammerstein dreht sich im schulterfreien, glänzend tintenblauen Charleston-Kleid ein paarmal um die eigene Achse. Sie ist noch unschlüssig, ob sie sich in diesem 1920er-Outfit ins Getümmel des Spalter »Schweinemarktballs« stürzen soll.

Seit über 60 Jahren, seit vier Generationen, beraten die Strebs vom 8. Januar bis zum Rosenmontag Ball- und Partygänger oder die Besucher von Faschingsumzügen. Gertrud Tschammerhöll, eine Schneiderin aus dem Sudetenland, Gisela Strebs Mutter, hat den Verleih aufgebaut. Während andere Vertriebene Federbetten oder Tischwäsche in ihr Gepäck auf dem Weg in die neue Heimat stopften, hatte sie selbst genähte Faschingskostüme bei sich. Der private Kostümverleih im Fasching war ihre ganze Leidenschaft, erzählt Streb.

Sie steht jetzt mit ihrem Enkel Simon hinter dem mit bunten Luftschlangen dekorierten Tresen. Für das teuerste Kleid »Rebecca«, ein spanisches Rüschenkleid mit Reifrock, muss die Trägerin 18 Euro hinlegen, für ein handgenähtes Indianer-Outfit etwa zehn Euro. Federn gibt es dazu - Waffen nicht.

Bis zu 80 Kostüme pro Wochenende gingen früher an die Ballbesucher weg. Am Sonntag brachten sie oft verkatert ihre Kleidung in mehr oder weniger gutem Zustand zurück, und die Waschmaschine bei Strebs kam auf Touren. »Es mussten Büglerinnen eingestellt werden, weil das Geschäft so gut lief«, erzählt Petra Fischer, Gisela Strebs Tochter. Sie näht heute heruntergetretene Säume wieder hoch. Zigarettenlöcher - meist während der Polonaise vom Hintermann verursacht - sind in Zeiten des Rauchverbots selten geworden. »Überhaupt kommen die Kostüme in bemerkenswert gutem Zustand wieder zurück«, sagt Fischer.

Der Andrang im Streb'schen Keller ist inzwischen größer geworden. Wer noch warten muss, kann sich eine Treppe höher im Esszimmer an eine gedeckte Kaffeetafel setzen und einen der schneeweiß gepuderten Krapfen verzehren. Nebenan im Wohnzimmer unterbricht Hausherr Georg Streb das Schauen einer Sportübertragung und plaudert mit den Faschingsnarren.

Endri Held verabschiedet sich, in der Hand eine vollgepackte Plastiktüte. Zu ihrem allerersten Weiberball wird sie einen schwarzen Hut mit roten Bommeln aufsetzen und in das gestufte Tanzkleid einer Spanierin schlüpfen. Auch Robert Helmrich aus Schwabach ist fündig geworden. Er übt die ersten Hiebe mit seinem Plastikdegen, der zum Musketiergewand gehört. Er kämpft aber auch mit den Locken der Perücke. Katja Lerch, gerade noch Femme fatale, hat sich wieder umgezogen: Mit einer strohigen Wuschelperücke und einem Fellkleid ist sie eine Tarzanbraut geworden. Abiturient Simon schreibt fein säuberlich auf, was Frau Lerch am Sonntag wieder zurückbringen muss.

Würde Simon auch in ein Dschungel-Kostüm schlüpfen oder lieber einen venezianischen Grafen mimen? Der junge Mann verzieht leicht das Gesicht. Keiner in der Familie ist ein Faschingsfeier-Biest, räumt er ein. Seine Mutter wird sich in diesem Jahr ausnahmsweise einmal in eine Hexe verwandeln. Aber das muss für alle Strebs reichen. Der Fasching ist ja heuer ohnehin so kurz.

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Jutta Olschewski

 


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abgerufen 27.05.2016 - 06:30 Uhr

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