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Dieser Artikel: Ausgabe 07/2016 vom 14.02.2016
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Deutschland herausgefordert

Auflehnen gegen Antisemitismus - jetzt erst recht

Kommentar von Stephan Bergmann

Vergangen, vergessen, vorüber? So mancher Zeitgenosse will die Erinnerung an Deutschlands schweres Erbe aus der NS-Vergangenheit am liebsten ad acta legen. Doch gerade mit Blick auf die Lehren daraus - wie im Übrigen auch auf das Geschenk der deutschen Wiedervereinigung - müsste das Engagement für Flüchtlinge eigentlich eine selbstverständliche Sache sein.

Überaus beeindruckend war deshalb, als die KZ-Überlebende Ruth Klüger Deutschland vor dem Bundestag kürzlich für seine Flüchtlingspolitik lobte: ein Land, das einst Millionen Juden ermordete und heute Millionen Menschen in Not hilft. Willkommenskultur als Konsequenz aus Erinnerungskultur. Im krassen Gegensatz dazu steht die Panikmache vor Überfremdung durch die rechtspopulistischen Vereinfacher von AfD und Pegida. Diese finden auch in der Mitte der Gesellschaft immer mehr Resonanz - zur Freude der wiedererstarkten Rechtsextremen.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Straftaten von Migranten oft weitaus mehr Beachtung finden als die Anschläge gegen Flüchtlingsheime - deren Zahl sich im vergangenen Jahr verfünffacht hat.

Die wachsende Fremdenfeindlichkeit korrespondiert mit der Anfälligkeit für Antisemitismus. Beide sind in Deutschland eng verzahnt und bei immerhin 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung latent vorhanden.

Umso verständlicher ist die Verunsicherung vieler Juden hierzulande, wenn sich jetzt die rechtsextreme Szene neu formiert: Bisher jedenfalls sind deren Anhänger für die meisten antisemitischen Straftaten verantwortlich - und eben nicht die Zugewanderten.

Dennoch fürchten nicht wenige deutsche Juden, dass nun mit antisemitisch und antiisraelisch indoktrinierten muslimischen Flüchtlingen aus Nahost eine weitere Bedrohung für sie entstehen könnte - ähnlich wie in Frankreich. Von Terror und Rassismus besonders betroffen sind dort im letzten Jahr bereits 7000 Juden nach Israel ausgewandert.

In Anbetracht dieser Lage und der wachsenden Renationalisierung in Europa wird insbesondere Deutschland nun darauf achten müssen, die Sorgen der Juden hierzulande nicht zu vernachlässigen. Priorität muss der Kampf gegen die Neonazis und deren Ideologie haben. Je entschiedener dies geschieht, umso überzeugender wird eine Integration der Flüchtlinge in unsere Demokratie gelingen.

Gerade auch die Kirchen sind gefordert, im Geiste der gemeinsamen jüdisch-christlichen Wurzeln und der Aufarbeitung der eigenen Geschichte ihr Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus weiter zu verstärken.

Sonntagsblatt-Gastkommentator Stephan Bergmann

 

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abgerufen 26.05.2016 - 14:32 Uhr

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