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Dieser Artikel: Ausgabe 07/2016 vom 14.02.2016
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Ein Mann, eine Frau - zwei Religionen

Personen der Bibel (58): Ahab und Isebel - Gottes grausame Strafe für Götzendiener


Die Ehe von König Ahab und Königin Isebel war ein Desaster. Beide beteten Götzen an und mussten dafür mit dem Leben bezahlen.

Isebels Tod. Gustave Doré, 1866.
Foto: PD
   Isebels Tod. Gustave Doré, 1866.

        

Andere Götter als den anbeten, der das Volk Israel aus der Knechtschaft geführt hat? Das geht gar nicht. Für einen Juden nicht und für einen König Israels erst recht nicht. Glaubt man der biblischen Darstellung, erzürnte Ahab Gott mehr »als alle, die vor ihm waren«. Schließlich heiratete er sogar die baalsgläubige Tochter eines anderen Königs. Dem fremden Gott baute er einen Tempel mitten in Samaria, der damaligen Hauptstadt Israels. Zudem ließ er eine Statue der Göttin Aschera fertigen.

Interreligiöse Toleranz lag Ahabs Frau Isebel völlig fern. Sie ließ die Propheten des Gottes Israels verfolgen und töten. Nur mit Mühe gelang es dem Hofmeister Obadja, einige von ihnen in Höhlen zu verstecken und mit Brot und Wasser zu versorgen.

Der Prophet Elia traute sich schließlich dennoch, Ahab offen in die Schranken zu weisen. Der König stürze Israel ins Unglück, mahnt Elia das Volk, »dadurch, dass ihr des Herrn Gebote verlassen habt und wandelt den Baalen nach«. Elia wollte die Machtlosigkeit der fremden Götter beweisen und lud deren Propheten zu einem Wettstreit ein. 450 Propheten Baals und 400 der Aschera sollten auf dem Berg Karmel zusammenkommen. Vor den Augen der Israeliten wollte Elia zeigen, wer der wahre Gott ist. Einer gegen alle, lautete das Motto.

Ganz alleine trat er gegen die Baalspropheten an. »Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten?«, fragte Elia herausfordernd das Volk, »ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach, ist's aber Baal, so wandelt ihm nach«. Den Wettkampf gewann - selbstverständlich - Elia. Diese Demütigung seiner Gegner reichte ihm jedoch nicht; eigenhändig tötete er die Baalspropheten, ein Gemetzel sondergleichen.

Eigentlich hätte Ahab nun endlich einsehen müssen, welcher Gott der einzig mächtige ist. Denn nachdem Elia die fremden Propheten besiegt hatte, begann es nach einer jahrelangen Dürrezeit wieder zu regnen. Elia warnte den König noch und wies ihn an, wieder zurückzufahren. »Und ehe man sich's versah, wurde der Himmel schwarz von Wolken und Wind und es kam ein großer Regen.«

Das Unrecht an dem Bauern Nabot

Zurück im Palast, berichtete Ahab seiner Frau vom Wettkampf und davon, dass Elia alle Baalspropheten getötet hat. Isebel war außer sich vor Wut und schickte einen Boten zu Elia: »Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!« Verängstigt und deprimiert floh Elia zum Berg Horeb.

Kurz darauf musste sich Ahab in einem Krieg bewähren. Eine Allianz von 32 Königen zog mit einer riesigen Streitmacht vor die Tore Samarias und drohte, »Frauen und Söhne«, »Gold und Silber« zu stehlen. Mit Gottes Hilfe besiegte Ahabs Heer die Feinde. Doch der König erkannte noch immer nicht, dass sein Gott es noch gut mit ihm meinte.

Wieder zu Hause, zeigte Ahab seine königliche Arroganz noch auf andere Weise. Sein Plan: Neben seinem Palast wollte er Kohl anpflanzen; dafür musste er dem Bauern Nabot einen Weinberg abkaufen. Nabot allerdings weigerte sich, sein einst geerbtes Land abzugeben. Ahab reagierte zutiefst beleidigt. So viel Widerspruch hatte er nicht erwartet, zumal er gut gezahlt hätte. Tief gekränkt legte er »sich auf sein Bett und wandte sein Antlitz ab und aß nicht«.

Isebel versuchte, den grollenden Ehemann aufzurichten. »Du bist doch König über Israel! Steh auf und iss und sei guten Mutes!«, meinte sie und kündigte an, sie selbst werde dafür sorgen, dass Ahab das gewünschte Land bekomme. Mit krimineller Energie heckte sie einen Betrug aus. Die erste Straftat: Urkundenfälschung. Unter Ahabs Namen schrieb und versiegelte sie Briefe an die Stadtoberen. Zwei »ruchlose Männer« sollten Nabot der Gotteslästerung und Majestätsbeleidigung bezichtigen. Dann sollte Nabot festgenommen und gesteinigt werden. Der Plan ging auf. Und eines Tages konnte Isebel ihrem Mann verkünden, Nabot sei tot, nun könne er den Weinberg in Besitz nehmen.

Ahab gefiel das - Gott allerdings gar nicht. Er schickte Elia zu Ahab und ließ ihm ausrichten: »Du hast gemordet, dazu auch fremdes Erbe geraubt! An der Stätte, wo Hunde das Blut Nabots geleckt haben, sollen Hunde auch dein Blut lecken. Siehe, ich will Unheil über dich bringen und dich vertilgen samt deinen Nachkommen.« Auch für Isebel hat Gott eine schlechte Nachricht: »Die Hunde sollen Isebel fressen an der Mauer Jesreels. Es war niemand, der sich so verkauft hätte, Unrecht zu tun vor dem Herrn, wie Ahab, den seine Frau Isebel verführte.«

Als Ahab die Prophezeiungen hörte, zerriss er seine Kleider, fastete und »ging bedrückt einher«.

Ahab und Isebel nahmen tatsächlich ein grausames Ende. Ahab zog in den Kampf und wurde von einem Pfeil getroffen. »Blut floss von der Wunde mitten in den Wagen. Und er starb am Abend.« Nach der Beisetzung leckten Hunde das Blut vom Streitwagen »und die Huren wuschen sich darin« so, wie Gott es angekündigt hatte.

Ahabs Söhne Ahasja und Joram wurden seine Nachfolger - beide wurden durch den aufständischen Heerführer Jehu ermordet. Als der Revoltierer in den Palast kam, sah er die Königinmutter Isebel geschminkt am Fenster stehen, deren »Abgötterei und viele Zauberei noch kein Ende« hatten. »Stürzt sie hinab!«, befahl er, und seine Soldaten warfen sie aus dem Fenster, sodass ihr Blut an die Wand und auf die Pferde spritzte und ihr Körper zertreten wurde. Anschließend machten sich, wie vorhergesagt, die Hunde über ihren Leichnam her.

Ahab und Isebel gehen in die Bibel als abschreckendes Beispiel für Götzendienerei ein. Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, werden sie nochmals erwähnt. »Ich habe gegen dich, dass du Isebel duldest, diese Frau, die sagt, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen«, sagt Gott da der Gemeinde von Thyatira. »Ich habe ihr Zeit gegeben, Buße zu tun, und sie will sich nicht bekehren von ihrer Hurerei. Siehe, ich werfe sie aufs Bett und die mit ihr die Ehe gebrochen haben in große Trübsal, wenn sie sich nicht bekehren von ihren Werken, und ihre Kinder will ich mit dem Tode schlagen. Und alle Gemeinden sollen erkennen, dass ich es bin, der die Nieren und Herzen erforscht, und ich werde geben einem jeden von euch nach euren Werken.«

ISEBEL UND AHAB

  NAME: Isebel, hebr. »Wo ist der Fürst?«, Ahab, hebr. »Bruder des Vaters«

  HERKUNFT: Der Vater Isebels war Etbaal, König von Tyros ( 1. Könige 16, 31), der Vater Ahabs war Omri, König von Israel

  ZEIT: Mitte des 9. Jh. v. Chr.

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:  1. Könige 16, 29-22, 40;  2. Könige 9

  WIRKUNGSGESCHICHTE: In seinem Roman »Moby Dick« (1851) nannte der Schriftsteller Hermann Melville einen Protagonisten Ahab. Der Kapitän eines Walfängers ist wie besessen von der Jagd nach dem Wal Moby Dick, den er geradezu religiös als Dämon verehrt. Ein Mann namens Elias versucht, Käpt'n Ahab seinen Wahn deutlich zu machen.

THEOLOGISCHES STICHWORT

STRAFEN IN DER BIBEL: Strafen standen nach biblischer Vorstellung in unmittelbarem Zusammenhang mit der jeweiligen Tat. Man ging davon aus, dass Gott gutes Verhalten durch ein glückliches Leben belohnt, während Leid und Unglück als Strafe für falsches Verhalten galten. Früher oder später, so war man sich sicher, würde Gott jedes Vergehen bestrafen; menschliche Gerichtsbarkeit konnte diesen Vorgang allenfalls beschleunigen. Strafen sollten nicht nur abschreckend wirken oder das Geschehene sühnen, sondern dem Übeltäter vor allem seine Gottesferne vor Augen führen und ihn zur Umkehr bewegen. So strafte Gott Ahab zunächst durch Dürre und Hungersnot, um ihn zum Glauben zurückzuführen. Da die Familie jedoch unbelehrbar bei ihrem Götzenglauben blieb, wurden letztlich alle durch einen grausamen Tod bestraft.

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 02.12.2016 - 18:59 Uhr

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