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Dieser Artikel: Ausgabe 07/2016 vom 14.02.2016
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Das Leben - ein Scherbenhaufen?

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Herr W. steht vor einem runden Geburtstag - hat aber keine Lust zu feiern oder irgendetwas Besonderes zu planen.

Ich habe in ein paar Wochen einen runden Geburtstag. Alle meine Bekannten, die ihn bereits hinter sich haben, haben schöne Feste gefeiert, an denen ich gerne teilgenommen habe. Aber wenn ich an meinen eigenen Geburtstag denke, dann habe ich keine Lust, zu feiern oder irgendetwas Besonderes zu planen.

Sagen Sie mir bitte nicht, dass ich doch auf das schauen soll, was gut gelaufen ist in meinem Leben. Natürlich gibt es vieles, wofür ich dankbar bin: Ich habe gute Freunde, ich bin erfolgreich in dem, was ich beruflich mache. Aber ich würde mir was vormachen, wenn ich nicht auch sähe, was mir alles nicht gelungen ist, meine Schwächen, mein Versagen, das, womit ich andere enttäuscht habe. Von den zunehmenden körperlichen Einschränkungen des Alters will ich gar nicht reden.

Mir wird immer deutlicher, was alles nicht mehr möglich ist, wo ich Weichen falsch gestellt oder gut gemeinte Angebote ausgeschlagen habe. Ich will nicht in Depression verfallen - aber manchmal denke ich schon, dass sich in meinem Leben auch ein ziemlicher Scherbenhaufen angesammelt hat. Wie schaffe ich es, dass ich nicht nur auf diese Scherben starre, sondern rechtzeitig zu meinem Geburtstag mein Leben wieder okay finden kann?

Herr W.

 

Das Leben ein Scherbenhaufen, die Risse, die sich durch die eigene Lebensgeschichte ziehen, etwas Bedrohliches, auf das man lieber nicht schauen will, von dem man aber auch den Blick nicht wenden kann ...

Ich finde eindrucksvoll, wie Sie das spüren und formulieren können, und ich vermute, dass die Auseinandersetzung mit all dem, was im eigenen Leben verletzt und verletzlich ist, bei vielen Menschen genauso zum Älterwerden gehört wie bei anderen die Freude daran, einen runden Geburtstag gemeinsam mit Freunden zu feiern. Dazu passt, dass in der Bibel nicht nur zu Dankbarkeit aufgefordert wird, sondern vom menschlichen Leben als von etwas sehr Zerbrechlichem, einem irdenen, tönernen Gefäß geredet wird.

In der japanischen Kultur gibt es eine Kunst, die sich »kintsugi« nennt. Wenn ein wertvolles Gefäß zerbricht, werden die Bruchstellen mit einem speziellen Leim repariert, dem ganz feiner Goldstaub beigemengt ist. Ganz bewusst wird das Gefäß wieder so zusammengefügt, dass die vergoldeten Bruchstellen sichtbar bleiben. Sie sollen gesehen und gewürdigt werden. Durch diese Bruchstellen wird das Gefäß einzigartig. Es gewinnt an Wert, statt wertlos zu werden.

Das ist ein Gedanke, der sich womöglich auch auf unsere Lebens-Bruchstellen übertragen lässt. Vielleicht müssen wir sie gar nicht verstecken. Vielleicht geht es ja darum, dieses zerbrechliche und an manchen Stellen zerbrochene Gefäß meines eigenen Lebens so gut es geht immer wieder mit diesem Leim, also mit dem liebevollen Blick auch auf Verändertes und Versäumtes, zusammenzufügen, es mit all seinen Brüchen als Ganzes zu betrachten, als etwas, das mit diesen Bruchstellen immer wieder neu und interessant aussieht - und einzigartig.

Und dann gibt es ja womöglich ganz unterschiedliche Formen, sich an dieser Einzigartigkeit zu freuen und sie zu bestaunen. Ein Fest zum Geburtstag ist nur eine davon ...

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 26.09.2016 - 15:52 Uhr

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