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Dieser Artikel: Ausgabe 07/2016 vom 14.02.2016
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Preziosen aus Oberfranken

Das Landeskirchliche Archiv in Nürnberg zeigt seine dritte Kirchenkreis-Ausstellung


Die dritte Jahresausstellung im Landeskirchlichen Archiv widmet sich dem Kirchenkreis Bayreuth. Zur Eröffnung tagte die oberfränkische Dekanekonferenz in der Veilhofstraße.

Das »Bamberger Missale«, hier gezeigt von Kurator Daniel Schönwald, ist das kostbarste Exponat der Ausstellung.
Foto: Sauerbeck
   Das »Bamberger Missale«, hier gezeigt von Kurator Daniel Schönwald, ist das kostbarste Exponat der Ausstellung.

        

Mit den Kirchenkreis-Ausstellungen will Archivchefin Andrea Schwarz Pfarrkapitel und Gemeindegruppen motivieren, das vor drei Jahren neu gebaute Archiv kennenzulernen - schließlich verstehe sich das Haus in erster Linie als »Dienstleister« für die kirchliche Basis, wie Schwarz zur Eröffnung betonte. In den ersten Jahren widmete man sich den Kirchenkreisen Nürnberg und Ansbach-Würzburg, bis 2019 sollen die noch fehlenden Kirchenkreise München, Augsburg und Regensburg Berücksichtigung finden.

Die Ausstellung, die Kurator Daniel Schönwald erarbeitet hat, skizziert evangelische Geschichte von der späten Reformationszeit bis in die Gegenwart. Etwas aus der Reihe tanzt das wertvollste Exponat der Schau, das »Bamberger Missale« von 1490, eine spätmittelalterliche Liturgiesammlung, die auf dem Umweg über das Pfarrarchiv der Nürnberger Sebalduskirche in das evangelische Zentralarchiv gelangt ist. Es ist so wertvoll, dass es bereits kurz nach der Eröffnung aus konservatorischen Gründen gegen eine Reproduktion eingetauscht wurde.

Die organisatorischen Wurzeln der evangelischen Kirche in Oberfranken liegen vor allem bei der früheren Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth, die wie alle evangelischen Territorien nach der Reformation das Kirchenwesen in die Staatsverwaltung integrierte. Das Königreich Bayern übernahm dieses Prinzip, weshalb der König von Bayern gleichzeitig an der Spitze der evangelischen Kirche in Bayern stand. Erst nach dem Untergang der Monarchie hatte dieser Anachronismus ein Ende: Die Kirche organisierte sich fortan selbst und gründete zu diesem Zweck drei Verwaltungsbezirke - die Kirchenkreise Ansbach, Bayreuth und München.

Blick nach Osten: Mödlareuth bei Hof in den 1950er-Jahren.
Foto: LKAN
   Blick nach Osten: Mödlareuth bei Hof in den 1950er-Jahren.

        

Von den 27 Dekanaten, die der Kirchenkreis Bayreuth bei seiner Gründung 1921 besaß, sind heute nach Zusammenlegungen und Gebietsabtretungen noch 16 übrig. Zuletzt ging vor sechs Jahren das Dekanat Ludwigsstadt im Dekanat Kronach-Ludwigsstadt auf, andere Dekanatssitze wie Memmelsdorf, Eyrichshof oder Seibelsdorf sind schon viel länger Geschichte. 450 000 Evangelische wohnen im Kirchenkreis.

Wieder hat Schönwald einige Preziosen zutage gefördert. Etwa einen Zeitungsartikel, der von einer Werktagung anno 1977 in der damaligen Fachakademie für Kirchenmusik berichtet. Unter der Überschrift »Gegen Kirchen-Jazz« hoben die Experten warnend den Zeigefinger, man dürfe »nicht den Ton der Straße in die Kirche tragen«. Eine Befragung unter 8000 Jugendlichen ermittelte schon 1958 das »Ausschlafen« als liebste Sonntags-Beschäftigung (37 Prozent). Immerhin 18 Prozent der Buben und 29 Prozent der Mädchen gaben den Kirchgang an! Kurios ist auch eine amtskirchliche Mahnung von 1953, die Flüchtlinge und Vertriebenen mögen bei ihren Gottesdiensten auf bayerischem Boden - gefälligst - die bayerische Liturgie verwenden, nicht ihre mitgebrachte.

Fotos und Dokumente der Nachkriegsjahre erinnern an die einstige Grenzlage der Gegend. Man sieht die in der Mitte zertrennte Autobahnbrücke bei Rudolphstein oder die verzweifelten Einwohner von Mödlareuth am Grenzzaun. Der Pfarrer der Grenzgemeinde Berg berichtet 1952 dem Kreisdekan von der Evakuierung der Bevölkerung an der Ostseite der Grenze: »Von Untertiefengrün kann man alles sehen.« Einige Leute seien in den Westen geflüchtet, darunter »ein Bauer mit zehn Kühen«.

 

  Zur Geschichte des Kirchenkreises Bayreuth. Bis 23. Dezember 2016 im Landeskirchlichen Archiv, Veilhofstraße 8. ÖZ Mo bis Mi 9 bis 17 Uhr, Do 9 bis 20 Uhr und Fr 9 bis 13 Uhr. Infos unter Tel. (09 11) 58 86 90 oder im Internet unter  www.archiv-elkb.de

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Thomas Greif

 


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abgerufen 28.08.2016 - 14:05 Uhr

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