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Dieser Artikel: Ausgabe 08/2016 vom 21.02.2016
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Zur Maklerin verurteilt

Europäische Nachbarschaft, die Bundesrepublik Deutschland und die Kanzlerin

Kommentar von Markus Springer

Es war einmal ein Europa, das schien von konfliktbeladener Nachbarschaft zur Partnerschaft, ja zur Freundschaft gefunden zu haben. Heute wünschen sich viele in Europa die Zäune zurück.

Für ein Land ist die Sache mit der europäischen Nachbarschaft (also auch die mit den Zäunen) besonders bedeutsam. Es ist das Land, das von so vielen Nachbarländern umgeben ist wie kein anderes in Europa. Neun sind es, und das Land heißt Deutschland.

Kein Jahr ist es her, da war anlässlich der Griechenland-Euro-Krise (erinnert sich jemand?) und des 200. Geburtstags des Otto von Bismarck von einer neuen »Hegemoniedebatte« um die deutsche Rolle in Europa die Rede.

Die »deutsche Frage« in der europäischen Machtbalance stellt sich seit Bismarck: Ab 1871 (und vor 1914/18) war Deutschland so groß und wirtschaftlich so stark, dass kein einzelnes anderes Land in Europa mithalten konnte. Zugleich war Deutschland nie mächtig genug für die Rolle des »Hegemons«, der allen anderen seinen Willen aufzwingen kann.

Heute geht es nicht mehr um Geopolitik, jedenfalls in West- und Mitteleuropa, Gott sei Dank. Ökonomische und europapolitische Parallelen sind dennoch unverkennbar. Was ist passiert? Von Adenauers Aussöhnung mit Frankreich über die Brandt-Schmidtsche Ostpolitik bis zu Helmut Kohl galt: Wo gute europäische Nachbarschaft die Leitlinie deutscher Politik war, war das gut für das Land - und für Europa. Deutsche Sonderwege waren dagegen stets problematisch bis verhängnisvoll. Für Deutschland - und für Europa.

In der Flüchtlingsfrage hat Deutschland bewusst einen Sonderweg ohne oder sogar gegen seine Nachbarn eingeschlagen. Angela Merkels optimistisches »Wir schaffen das« vom Herbst scheint inzwischen geschrumpft zu einem isolierten »Ich schaffe das«. Vergleichbar sieht Deutschlands Lage unter seinen europäischen Nachbarn aus.

Dazu kommen: Eurokrise, angedrohter Grexit, drohender Brexit, neue Grenzkontrollen, neue Zäune, Demokratieverächter und Putin-Versteher nicht nur in Osteuropa - Europa als Gemeinschaft erlebt seine schwerste Zerreißprobe seit dem Zweiten Weltkrieg.

Klar, man kann an dieser Stelle ebenso berechtigt wie sinnlos die Schuldfrage stellen und mit dem Finger auf den anderen zeigen: auf die hartherzigen Osteuropäer, die egoistischen Briten, die sich wegduckenden Franzosen; oder auf die Alleingang-Deutschen, die jetzt bitte schön ihre Flüchtlings-Suppe selbst auslöffeln sollen.

Nur ist Deutschland leider aus historischen und ökonomischen Gründen zur Rolle des Maklers europäischer Einigkeit verurteilt. Am Zustand Europas ist immer auch die Qualität deutscher Europapolitik ablesbar.

Nachbarschaft bewährt sich, wenn das Haus brennt. Freundschaft zeigt sich darin, wie man Konflikte überwindet und löst. Es ist höchste Zeit, dass die Kanzlerin ihr europapolitisches Talent zeigt. Nur mit Angela Merkel als leidenschaftlicher und erfolgreicher Europapolitikerin »schaffen wir das«. In Deutschland - und in Europa.

Sonntagsblatt-Redakteur Markus Springer

 

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abgerufen 01.10.2016 - 22:33 Uhr

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