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Aktuelle Ausgabe: 34 vom 21.08.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 08/2016 vom 21.02.2016
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Zum Beten hinter den Vorhang

An deutschen Universitäten gibt es immer wieder Ärger mit interreligiösen Gebetsräumen


Nachdem Muslime erneut den interreligiösen »Raum der Stille« für sich verreinnahmt hatten, hat die TU Dortmund diesen nun geschlossen. Doch offenbar kommt es an deutschen Hochschulen immer wieder zu Konflikten mit islamischen Studenten, weil diese Orte zum Beten suchen.

Männer links, Frauen rechts, dazwischen eine Trennwand: Muslimische Studenten haben den »Raum der Stille« der TU Dortmund umgebaut. Der Raum wurde daraufhin geschlossen.
Foto: Oliver Schaper/TU Dortmund
   Männer links, Frauen rechts, dazwischen eine Trennwand: Muslimische Studenten haben den »Raum der Stille« der TU Dortmund umgebaut. Der Raum wurde daraufhin geschlossen.

        

Studierenden aller Glaubensrichtungen sollte der »Raum der Stille« zur Verfügung stehen - ein Rückzugsort für Gebet, Einkehr und Meditation. Ein Ort der Ruhe im hektischen Unialltag. Wichtig war der TU Dortmund, dass es ein »religiös neutraler Ort« bleibt, weil deutsche Universitäten sich grundsätzlich zur religiösen wie weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sehen. Die Nutzungsverordnung betonte, dass »religiöse Symbole, Zeichen oder Ähnliches nicht aufgestellt oder angebracht werden« dürften.

Daran hielten sich einige muslimische Studenten nicht. Sie gestalteten den Raum um: Mit Stellwänden, Regalen und Decken wurde er in einen kleinen Frauen- und in einen größeren Männerbereich geteilt. Gebetsteppiche lagen dort, Koranbücher und Flugblätter mit Vorschriften, wie Frauen sich zu verhalten und zu kleiden hätten - unter anderem sollten sie kein Parfüm benutzen und ein Kopftuch tragen.

Im Januar dieses Jahres wurde der »Raum der Stille« von der Hochschule nun endgültig geschlossen, nachdem sich die Muslime den Raum nach erneuten Gesprächen nach ihren Vorstellungen vereinnahmt hatten.

Die Probleme mit dem »Raum der Stille« der TU Dortmund sind allerdings keine Ausnahme. Wie Spiegel Online schreibt, gab es an einigen Hochschulen in Deutschland ähnliche Probleme. So kam es zum Beispiel an der Uni Hannover immer wieder zu Schwierigkeiten, weil muslimische Studenten fordern, Frauen und Männer während des Gebets zu trennen.

An der Uni Hamburg gab es Beschwerden »über Religionsausübung in Bibliotheken« - trotz des »interreligiösen Raums der Stille«. Über dessen Nutzung habe es noch keinen Streit gegeben, heißt es. An der Hochschule Bochum dagegen musste sogar Polizei und Verfassungsschutz eingreifen, weil ein Salafist im Meditationsraum heimliche Treffen abheilt. Schon vorher hatten Muslime den Raum besetzt und ihn mit Decken geteilt, damit Männer und Frauen nicht zusammen beten. Heute beten in Bochum muslimische Studenten auf einer Empore mitten in der Mensa, hinter einem weißen Vorhang.

»Neutralität der Universität bedeutet für mich nicht, dass man Religion aus der Uni verbannt, sondern dass man Religionen neutral behandelt«, plädiert El Hadi Khelladi, Dialogbeauftragter des Rats muslimischer Studierender und Akademiker in Deutschland (RAMSA). Im Idealfall gebe es einen eigenen Gebetsraum an der Hochschule. »Grundsätzlich finde ich aber die Idee eines Raums der Stille immer noch gut. Wenn sich alle an die Spielregeln halten, funktioniert das auch.«

»Jeder weiß, warum es zu dieser Nutzung durch Muslime kommt«, erklärt Martin Rötting, katholischer Hochschulseeger an der TU München, der sich intensiv mit dem Thema »Raum der Stille« befasst. Im Gegensatz zu den katholischen oder evangelischen Studierenden gäbe es für islamische Studenten keine eigenen Hochschulgemeinden mit eigenen Räumen. »Das ist eine Frage der Finanzierung. In Deutschland wird die Kirchensteuer erhoben, die haben islamische Gemeinden nicht.« Da sich die Universitäten zu religiöser Neutralität verpflichtet hat, würde den Muslimen keine Gebetsräume zur Verfügung gestellt werden.

»Viele beten aus der Not heraus unter Treppen, Kellerräumen oder anderen Verschlägen«, berichtet Rötting. Meistens seien die Muslime daher die Mit-Initiatoren jener »Räume der Stille«, in denen sie die einzige Möglichkeit sähen, in Ruhe beten zu können. So würden jene Zimmer dann in stillschweigendem Einvernehmen vor allem von Muslimen genutzt.

Probleme entstünden genau durch jene Behelfslösung. »Diejenigen, die für den Raum verantwortlich sind, sind nicht diejenigen, die diesen nutzen«, sagt Rötting. Und wenn der Raum hauptsächlich von Muslimen genutzt würde, fängen diese automatisch an, sich darin heimisch zu fühlen, sich auszubreiten. Eine erste Lösung wäre, ganz praktisch einen Raum mit kleinem Vorzimmer und Schließfächern einzurichten. »Da könnten dann die Yogis ihre Matten reinlegen, die Christen die Bibel oder die Muslime ihre Gebetsteppiche.«

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Nadja A. Mayer

 


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abgerufen 25.08.2016 - 20:23 Uhr

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