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Dieser Artikel: Ausgabe 08/2016 vom 21.02.2016
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Mutig und schön

Personen der Bibel (59): Judit und Holofernes - Die schöne Israelitin und der feindliche Feldherr


Mutig und glaubensstark macht sich die schöne Judit auf ins Lager der Feinde, verdreht dem Feldherrn den Kopf - und tötet ihn, um ihr Volk zu befreien. Das Buch Judit erzählt die Geschichte einer starken Frau.

Gustav Klimt: Judit mit dem Haupt des Holofernes, 1901, Wien.
Foto: PD
   Gustav Klimt: Judit mit dem Haupt des Holofernes, 1901, Wien.

        

Holofernes war der Feldherr des assyrischen Königs Nebukadnezar. Viele Gebiete hatten seine Truppen schon verwüstet. Viele Völker unterwarfen sich. Nun rückte Holofernes mit seinem Heer nach Israel vor. Die Israeliten allerdings gaben sich nicht einfach geschlagen. An den Gebirgspässen wollten sie den Feinden den Weg abschneiden.

Als Holofernes Informationen über dieses widerspenstige Volk einholte, riet ihm Achior, der Feldherr der befreundeten Ammoniter, davon ab, die Israeliten anzugreifen. Die nämlich glauben fest an ihren Gott, betonte er und meinte: »Ihr Gott wird sie beschirmen und wir werden vor aller Welt zum Gespött werden«. ( Judit 5, 23) Holofernes ließ sich davon jedoch nicht überzeugen. »Ich werde dir zeigen, dass nur Nebukadnezar Gott ist und sonst keiner«. entgegnete er wütend: »Dann wirst auch du erkennen, dass Nebukadnezar der Herr der Welt ist«. ( Judit 6, 2)

Kurz darauf machte sich Holofernes mit seinen Truppen auf in Richtung Betulia. Seine Leute erkundeten die Gegend und rieten dem Feldherrn dazu, nicht sofort anzugreifen, sondern die Stadt zu belagern und den Bewohnern den Zugang zum Wasser abzuschneiden, denn »dann müssen sie ohne Schwertstreich sterben oder die Not bringt sie dazu, ihre Stadt zu übergeben«. ( Judit 7, 10) Holofernes folgte dem Rat und ließ sofort alle vor der Stadt gelegenen Quellen überwachen. Nach 20 Tagen waren alle Brunnen in der Stadt versiegt.

Als die Bewohner der Stadt das riesige Heer der Assyrer hatten kommen sehen, waren sie erschrocken. Doch sie vertrauten auf Gottes Hilfe, »warfen sich auf die Erde, streuten sich Asche aufs Haupt und beteten […], dass der Gott Israels seine Barmherzigkeit beweisen wolle«. ( Judit 7, 4) Dann bezogen sie Stellung, um Betulia und ihr Land zu verteidigen. Nun aber ging das Wasser aus - und die Menschen begannen zu verzweifeln: »Wir haben keine Hilfe zu erwarten, sondern müssen […] vor Durst verschmachten« ( Judit 7, 15), klagten sie und beschlossen, sich den Assyrern zu ergeben, wenn Gott ihnen nicht innerhalb von fünf Tagen hülfe.

Das hörte die angesehene Witwe Judit und beschloss, etwas zu unternehmen. Drei Jahre zuvor hatte Judit ihren Mann verloren, der ihr ein kleines Vermögen hinterlassen hatte. Noch immer trug die schöne Frau Witwenkleidung und lebte zurückgezogen. Nun aber ergriff sie das Wort. »Wollt ihr dem Herrn nach eurem Gefallen Zeit und Tag bestimmen, wann er helfen soll?« ( Judit 8, 11), fragte sie und rief die Menschen auf, weiter auf Gott zu vertrauen.

Judit hatte einen Plan gefasst, den sie jedoch noch für sich behalten wollte. Fragt nicht, was ich vorhabe, aber betet für mich, forderte sie die Menschen nur auf. Da Judit allen als gottesfürchtige und unbescholtene Frau bekannt war, ließen sich die Bewohner der Stadt auf ihren Vorschlag ein. Judit zog sich nun erst einmal zurück, um selbst zu beten. »Denke, Herr, an deinen Bund, und gib mir ein, was ich reden und wie ich vorgehen soll, und gib mir Glück dazu« ( Judit 9, 15), flehte sie. Dann machte sie sich auf den Weg.

Ihr Witwengewand hatte sie abgelegt. Parfümiert, in ihren besten Kleidern und mit kostbarem Schmuck behängt verließ sie zusammen mit ihrer Magd die Stadt. »Und der Herr machte ihre Schönheit so groß, dass sie allen unsagbar lieblich schien«. ( Judit 10, 5) Ganz allein gingen die beiden Frauen den Berg hinunter zum Lager der Feinde. Sie wolle zu Holofernes, erklärte Judit den Soldaten, die sich ihnen in den Weg stellten, denn sie wolle ihm verraten, wie er die Israeliten besiegen könne.

Die Soldaten, »ganz betroffen, dass sie so wunderschön war« ( Judit 10, 15), führten sie zum Zelt des Feldherrn. Auch der war sofort hin und weg von der Schönheit der Israelitin. Bereitwillig hörte er sich an, was sie ihm zu sagen hatte. Bald schon würden sich die Israeliten versündigen, log sie, dann würden sie den Schutz Gottes verlieren und Holofernes könne sie problemlos überwältigen. Judit versprach, ihm zu verraten, wann es so weit sei, wenn er sie so lange im Lager bleiben lasse.

Drei Tage blieb Judit dort. Dann konnte Holofernes sich nicht mehr zurückhalten und lud sie zu einem Gelage ein. Judit putzte sich heraus und ging hinüber ins Zelt des Feldherrn. »Da schlug das Herz des Holofernes schneller und er entbrannte vor Begierde nach ihr«. ( Judit 12, 17) Judit ließ ihn in dem Glauben, dass es noch eine heiße Nacht werden würde. »Und Holofernes war fröhlich mit ihr und trank so viel, wie er in seinem Leben noch nie getrunken hatte«. ( Judit 12, 21)

Sandro Botticelli: Judit mit dem Haupt des Holofernes, 1497, Rijksmuseum Amsterdam.
Foto: PD
   Sandro Botticelli: Judit mit dem Haupt des Holofernes, 1497, Rijksmuseum Amsterdam.

        

Später ließen die Bediensteten Judit und Holofernes alleine - der Feldherr allerdings war inzwischen so betrunken, dass er sofort einschlief. »Und Judit trat vor das Bett und betete im Stillen unter Tränen: Herr, Gott Israels, stärke mich; blick in dieser Stunde gnädig auf das Tun meiner Hände«. ( Judit 13, 5f.) Dann hieb sie Holofernes mit seinem eigenen Schwert den Kopf ab.

Vor dem Zelt wartete schon Judits Magd. Sie packten den abgeschlagenen Kopf in einen Sack und machten sich auf zurück nach Betulia. »Macht die Tore auf; denn Gott ist mit uns; er hat an Israel Großes getan!« ( Judit 13, 12), rief Judit den Wachen zu, als sie die Stadtmauer erreichte. Die Bewohner kamen herbeigelaufen. Sie konnten kaum glauben, was sie sahen, als Judit den Kopf des Holofernes aus dem Beutel zog und Gott für seine Hilfe zu loben begann. Den abgeschlagenen Kopf hängte man an der Stadtmauer auf.

Am nächsten Morgen stürmten die Israeliten zum feindlichen Lager herunter. Als die Assyrer das sahen, wollten sie ihren Feldherrn wecken, fanden allerdings nur den kopflosen Leichnam. In Panik flohen sie, während die Israeliten das Feldlager überfielen und plünderten. Die Assyrer waren besiegt, der Weg zu den Wasserquellen war wieder frei. In ganz Israel dankte man Gott und feierte die mutige und gottesfürchtige Judit. Judit schenkte ihrer Magd die Freiheit und kehrte in das Haus ihres verstorbenen Mannes zurück. Dort soll sie gelebt haben, bis sie im Alter von 105 Jahren starb. »Während sie lebte und noch lange danach, wagte niemand, Israel anzugreifen«. ( Judit 16, 30)

Dass es sich beim Buch Judit um eine fiktive Erzählung handelt, bemerkte der zeitgenössische Leser vermutlich schnell. Viele Angaben im Text sind historisch ganz offensichtlich falsch: So wird Nebukadnezar als Assyrerkönig und nicht wie historisch richtig als König der Babylonier vorgestellt. Auch die Stadt Betulia existierte so nicht. Judit und Holofernes hat es also wohl nicht wirklich gegeben. Der Aussagekraft der Erzählung über eine mutige Frau und den Sieg einer gläubigen Minderheit über eine widergöttliche Großmacht tut das allerdings keinen Abbruch.

JUDIT UND HOLOFERNES

  NAME: Judit: hebr. Frau aus Juda / Jüdin; Holofernes: Bedeutung unbekannt.

  HERKUNFT: Judit: Witwe aus der fiktiven Stadt Betulia; Holofernes: Feldherr des assyrischen Königs Nebukadnezar.

  ZEIT: Verfasst wurde das Buch Judit im 2. Jahrhundert v. Chr. Die Geschichte spielt einige Jahrhunderte früher.

  WICHTIGE BIBELSTELLEN: Das  Buch Judit (Es gehört zu den apokryphen Schriften des Alten Testaments)

  WIRKUNGSGESCHICHTE: Die Juditerzählung wurde in Kunst, Musik, Literatur und Film bis in unsere Zeit hinein gerne aufgegriffen. Dabei lag das Hauptaugenmerk meist auf der vielfach interpretierbaren, skandalträchtigen Beziehung zwischen Judit und Holofernes. Allerdings sah nicht jeder in der biblischen Judit nur eine Heldin. Friedrich Hebbel, der im 19. Jahrhundert auf der Grundlage des biblischen Stoffs ein Drama verfasste, meinte: »Die Judit der Bibel kann ich nicht brauchen. Dort ist Judit eine Witwe, die den Holofernes durch List und Schlauheit ins Netz lockt; sie freut sich, als sie seinen Kopf im Sack hat und singt und jubelt vor und mit ganz Israel drei Monde lang. Das ist gemein; eine solche Natur ist ihres Erfolgs gar nicht würdig.«

  ZITAT: »Und der Herr machte ihre Schönheit so groß, dass sie allen unsagbar lieblich schien.« ( Judit 10, 5)

  BUCHTIPP: Dorothee Sölle: Gottes starke Töchter: Große Frauen der Bibel, Kevelaer 2009

THEOLOGISCHES STICHWORT

SCHÖNHEIT: Für die Schönheit taten Menschen auch zu biblischer Zeit schon so einiges. Kleidung und Schmuck spielten eine große Rolle, aber auch die Körperpflege. Es wurden Bäder genommen und Seifen, Öle und Salben verwendet, um die Haut zu pflegen. Man schminkte sich die Augen und verwendete Henna als Färbemittel für Gesicht, Hände und Füße. Auch die Haare wurden geschnitten, frisiert und gefärbt. Doch obwohl die Bibel Gott als Meister der Schönheit ( Weisheit 13, 3.5) beschreibt, lehnt sie übertriebenen Schönheitswahn ab. So heißt es im ersten Timotheusbrief, Frauen sollten ihre Frömmigkeit lieber durch ihr Handeln zum Ausdruck bringen als durch aufwändige Frisuren und Schmuck.

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Sonja Poppe

 


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abgerufen 09.12.2016 - 18:22 Uhr

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