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Dieser Artikel: Ausgabe 09/2016 vom 28.02.2016
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Geist und (Tauf-)Schein

Von der »ACK-Klausel«, der sichtbaren und der unsichtbaren Kirche und diakonischen Einrichtungen

Kommentar von Markus Springer

Diakonische Träger in Deutschland tun sich - besonders im Bereich der Pflege - immer schwerer, Personal zu finden. Das liegt zum einen daran, dass Pflegeberufe noch immer schändlich unterbezahlt sind. Die unzulängliche finanzielle und sonstige Wertschätzung von Pflegenden liegt allerdings nicht allein an den diakonischen Trägern. Sie ist ein hinlänglich bekanntes gesamtgesellschaftliches Problem.

Wie christlich muss ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin einer diakonischen Einrichtung sein?
Foto: Pixabay/PD
   Wie christlich muss ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin einer diakonischen Einrichtung sein?

        

Diakonische Träger fühlen sich in diesem Umfeld zusätzlich von der sogenannten ACK-Klausel stranguliert. Sie sieht vor, dass nur wer Mitglied einer Mitgliedskirche im »Arbeitskreis Christlicher Kirchen« ist, für die Diakonie arbeiten darf. Führende Vertreter wie der bayerische Diakonie-Präsident Michael Bammessel fordern daher, die ACK-Klausel auf die Leitungsebene diakonischer Einrichtungen einzuschränken. Man hofft, auf diese Weise einfacher Mitarbeiter gewinnen zu können, wenn diese konfessionslos, Buddhisten oder Muslime sein dürfen.

Ein weiterer Schritt in den Untergang des christlichen Abendlands? Schafft sich die Diakonie damit ab? Oder jedenfalls in ihrer evangelisch-christlichen Gestalt? Muss sich die fromme, evangelische, pflegebedürftige (und fiktive) 85-jährige Christa Kronseder künftig von einer Bekenntniskopftuch tragenden Muslima waschen lassen und auf das gemeinsame Abendgebet verzichten? Singt der evangelische Kindergarten künftig keine Adventslieder mehr, sondern malt buddhistische Mandalas, weil der junge Erzieher mit der christlichen Tradition nichts anfangen kann?

Die Frage, die im Zentrum steht, lautet: Wie christlich muss ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin einer diakonischen Einrichtung sein? Lässt sich das »Christentum« eines Menschen am Taufschein (und einer Kirchenmitgliedschaft) ablesen?

Martin Luther hat die Sache mit der »sichtbaren« und der »unsichtbaren« Kirche auf den Punkt gebracht: »Abscondita est ecclesia, latent sancti«, die wahre Kirche ist unsichtbar und die Heiligen sind verborgen.

Anders gewendet: Ist Diakonie christlich-exklusive »Kontrastgesellschaft«? Oder reiner »Gesellschaftsdienst«, an den sich keinerlei kirchlich-institutionelle Interessen binden dürfen? Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm plädiert überzeugend für einen »dritten Weg«, den er »Öffentliche Diakonie in der pluralistischen Gesellschaft« nennt.

Für Bedford-Strohm ist klar, »dass auch diakonische Einrichtungen eine geistliche Ausstrahlung brauchen«. Doch »diese Ausstrahlung ist nicht direkt abhängig von der Zahl der Mitarbeitenden, die sich selbst als bewusste Christen verstehen«. Es bedürfe allerdings einer »kritischen Masse«, die Träger einer solchen geistlichen Ausstrahlung sein könne: »Die ACK-Klausel ist daher nach wie vor wichtig. Aber sie kann flexibel gehandhabt werden, ohne dass die diakonische Authentizität einer Einrichtung gefährdet wird.«

Es kommt für den Sinn und das Gelingen eines diakonischen Werks eben nicht (allein) auf einen sichtbaren Zettel wie den Taufschein oder den Mitgliedschaftsnachweis in einer Kirche an. Sondern auf den Geist, in dem ein Krankenhaus, eine Pflegeeinrichtung, ein Kindergarten betrieben wird.

Solange dieses »Profil« (wie man neudeutsch für den Geist der Einrichtung sagen würde) erkennbar und lebendig christlich-evangelisch ist, solange ist es überzeugend und glaubwürdig. Und dann ist es auch egal, ob die junge Frau, der junge Mann, der sich um Christa Kronseder kümmert, in Sarajewo geboren wurde oder in Homs und an Allah glaubt. Sondern auf das, was er oder sie tut.

Für diesen Geist einer diakonischen Einrichtung kommt es entscheidend auf die Leitung an. Wer eine diakonische Einrichtung leitet, muss selbstverständlich auch künftig Kirchenmitglied sein. Und er muss nicht nur die Mitarbeiter sorgfältig auswählen, sondern auch den Kurs der Einrichtung so bestimmen, dass das Versprechen des Kronenkreuzes und der gelebte Geist in der diakonischen Einrichtung übereinstimmen.

Auch bei geöffneter ACK-Klausel gilt: Wer für eine christliche Einrichtung arbeitet, muss wissen, was er tut. Was beispielsweise nicht geht, ist das muslimische Bekenntniskopftuch, das dem christlichen Geist jeder diakonischen Einrichtung zuwiderläuft. Bei der Pflege von Frau Kronseder. Und erst recht in einem evangelischen Kindergarten.

 

  Was denken Sie? Soll die ACK-Klausel für diakonische Einrichtungen gelockert werden oder nicht? Schreiben Sie uns an:  sonntagsblatt@epv.de

ACK-KLAUSEL ÖFFNEN?

PRO: Geist und (Tauf-)Schein. Die »ACK-Klausel«, die sichtbare und die unsichtbare Kirche und diakonische Einrichtungen. Von Markus Springer. » lesen!

CONTRA: Die Garantie-Klausel. Warum die Diakonie nicht weniger Christen einstellen sollte. Von Nadja A. Mayer » lesen!

HINTERGRUND: Öffnung für Nichtchristen? Kirchliche Arbeitgeber und ihre Einstellungspolitik. » lesen!

 

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abgerufen 09.12.2016 - 20:14 Uhr

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