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Dieser Artikel: Ausgabe 09/2016 vom 28.02.2016
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Öffnung für Nichtchristen?

Kirchliche Arbeitgeber und ihre Einstellungspolitik


Bayerns Diakoniepräsident Michael Bammessel hat sich jüngst für eine »gewisse Öffnung« des evangelischen Sozialwerks als Arbeitgeber auch für Nichtchristen ausgesprochen. Die Frage, wer bei Kirche arbeiten darf, hat durch Engpässe in sozialen Arbeitsfeldern neue Brisanz gewonnen.

Wie christlich muss ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin einer diakonischen Einrichtung sein?
Foto: Pixabay/PD
   Wie christlich muss ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin einer diakonischen Einrichtung sein?

        

Wie Bammessel vorrechnet, dauert es rund 120 Tage, bis in der Altenhilfe eine offene Stelle neu besetzt werden kann. Dabei werde die Suche nach den ohnehin raren Fachkräften noch durch die Vorgabe erschwert, dass sie Mitglied in einer christlichen Kirche sein müssen. Außerdem werde durch diese ACK-Klausel dem Ziel der Diakonie entgegengewirkt, Flüchtlingen eine berufliche Perspektive zu ermöglichen, die eben keiner christlichen Kirche angehören.

Aber die Diakonievertreter stehen in Bayern unter den kirchlichen Arbeitgebern momentan mit ihrer Position ziemlich allein da. Während sich Landeskirchenrat und -synodalausschuss zumindest in ihren nächsten Sitzungen mit dem Thema befassen werden, wiegeln katholische Kirche und Caritas ab. Die bayerischen Erzbistümer und Bistümer verweisen auf ihre »Grundordnung des kirchlichen Diensts«. Die meisten Caritasverbände äußerten sich gar nicht oder ähnlich.

Der Sprecher des Würzburger Bistums, Bernhard Schweßinger, erklärte im Namen der Erzbistümer und Bistümer in Bayern, für eine Einstellung bei der Kirche sei »zwingend Artikel 3 der Grundordnung des Kirchlichen Diensts« zu beachten. Dort heißt es, dass »pastorale und katechetische sowie in der Regel erzieherische und leitende Aufgaben nur einer Person übertragen (werden können), die der katholischen Kirche angehört«. Demnach wäre eine evangelische Leitung in einer katholischen Kita undenkbar, genau wie eine muslimische Erzieherin.

Das Erzbistum München erläutert diese Position in einer Stellungnahme etwas ausführlicher. Man stelle »vorwiegend römisch-katholische Mitarbeiter ein«. Sollte jedoch kein geeigneter Bewerber vorhanden sein, werde »in Ausnahmefällen und je nach Position auch ein Mitarbeiter einer anderen Konfession eingestellt«. Ausgeschlossen sei aber etwa die Beschäftigung von Sektenmitgliedern.

Aus dem Bistum Augsburg hieß es, dass bei der Besetzung von Planstellen auch jene Bewerber berücksichtigt würden, »die einer Kirche angehören, die Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen« ist, also auch Evangelische.

Bei den Caritas-Diözesanverbänden ist die Antwort schwieriger, wie ein Sprecher der Regensburger Caritas erläuterte. Wegen unterschiedlicher Trägerstrukturen könne es keine einheitliche Antwort geben. Das bedeutet konkret: Während bei direkt von der Caritas getragenen Einrichtungen katholische Mitbewerber bevorzugt und etwa muslimische normalerweise nicht möglich sein werden, kann dies bei eigenständigen Trägervereinen, die nur einer Caritas »angegliedert« sind, möglich sein. Bei der verfassten Kirche hingegen geht das nicht. Ähnlich sieht die Situation zum Beispiel für muslimische Bewerber nach epd-Informationen im Prinzip auch auf evangelischer Seite aus.

Während viele vor allem größere Diakoniewerke sich öffnen wollen, oft aus der schlichten Erfahrung, dass qualifiziertes und auch noch »konfessionell passendes« Personal immer schwerer zu finden ist, dürfte es in direkt von der evangelischen Kirche getragenen Kitas wohl auch keine andersgläubigen Angestellten geben.

Dass das Thema offenbar unter den Nägeln brennt, zeigt auch eine Fachtagung an der Katholischen Uni Eichstätt. Der Titel: »Standortbestimmung des kirchlichen Arbeitsrechts - Konsequenzen aus politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen«.

ACK-KLAUSEL ÖFFNEN?

PRO: Geist und (Tauf-)Schein. Die »ACK-Klausel«, die sichtbare und die unsichtbare Kirche und diakonische Einrichtungen. Von Markus Springer. » lesen!

CONTRA: Die Garantie-Klausel. Warum die Diakonie nicht weniger Christen einstellen sollte. Von Nadja A. Mayer » lesen!

HINTERGRUND: Öffnung für Nichtchristen? Kirchliche Arbeitgeber und ihre Einstellungspolitik. » lesen!

 

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Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 25.06.2016 - 17:47 Uhr

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