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Sonntagsblatt 09/ vom

ZEITZEICHEN


Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Und sie kommen - natürlich - aus Russland.

Bauingenieur Andrej Lepustin (34) ist mit seinem Büro eigentlich gut im Geschäft. Mit seinen Mitarbeitern hat er zum Beispiel in Sotschi die große Beton-Fackel gebaut, auf der während der Spiele dort das olympische Feuer brannte.

Kleinere Aufträge übernehmen Lepustin und sein Partner Arsenew aber auch. Zum Beispiel die Heizungsanlage für einen kirchlichen Gebäudekomplex der orthodoxen Diözese Nischni Nowgorod. Leider bezahlte die Kirche nur einen Teil der Rechnung. Die Sache landete vor einem Schiedsgericht.

Das fällte ein bemerkenswertes Urteil: »Der Schuldner sichert zu, für die Gesundheit des Gottesknechts Arsenew und des Gottesknechts Lepustin, ihre Familien und den Erfolg aller ihrer Unternehmungen zu beten.«

Wert dieser Gebete: umgerechnet etwa 3400 Euro, denn von den ausstehenden 5700 Euro wird Lepustins Firma dem Vergleich zufolge nur 200 000 Rubel (oder 2300 Euro) sehen.

Wir meinen: ein richtungsweisendes Urteil, das endlich beweist, dass Gebete eben doch bares Geld wert sind. Luther irrte, Tetzel hatte recht!

Könnten nicht Kirche und Diakonie ihren Mitarbeitern einen Teil des Gehalts in Gebete umwandeln? Die mitarbeitenden Gottesknechte könnten sogar gleich selbst ihr eigenes Gehalt erbeten! Was man da sparen könnte!

Aber das Urteil ist nicht nur arbeitgeberfreundlich. Jeder könnte profitieren!

Wie wär's zum Beispiel mit Gebetsbänkchen an der Supermarktkasse? Ein Vaterunser für ein Packerl Kaugummi! Psalm 23 gefolgt von Psalm 121 (»Woher kommt mir Hilfe?«) wären für den etwas größeren Einkauf fällig. Bei der Wartezeit wird's dann aber kritisch. Ach was, neue Kasse bitte!

ms