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Dieser Artikel: Ausgabe 09/2016 vom 28.02.2016
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Freiwillig auf Streife

Die Ehrenamtlichen der Sicherheitswacht sind im Auftrag der Polizei in Bayern unterwegs


Mit Bürgerwehren hat die Sicherheitswacht nichts zu tun. Die Ehrenamtlichen der Sicherheitswacht gehen im Auftrag der Polizei in inzwischen 124 Gemeinden in Bayern auf Streife. So sollen Vandalismus und Straßenkriminalität verhindert werden.

»Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Polizei und Bürger«, sagt Silvana Tilli.
Foto: Stephan Rumpf / Süddeutsche Zeitung Photo
   »Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Polizei und Bürger«, sagt Silvana Tilli.

        

In der Polizeiinspektion München 24 nimmt Silvana Tilli eine dunkelblaue Jacke mit der Aufschrift »Sicherheitswacht« von der Garderobe. Die Bankangestellte streift sich die Umhängetasche mit Taschenlampe, Stadtplan und Gummihandschuhen über die Schulter und prüft, ob Ausweis und Handy in der Jackentasche stecken. Dann beginnt der Streifengang durch den Münchner Stadtteil Neuperlach.

Silvana Tilli ist eine von inzwischen 1000 Freiwilligen in Bayern, die als Sicherheitswacht auf Straßen, in Parks und in Fußgängerzonen unterwegs sind. Ganz offiziell - als Unterstützung und in Zusammenarbeit mit der Polizei - gehen die Ehrenamtlichen in 124 Gemeinden in Bayern auf Streife. In München, aber auch in Bamberg, Augsburg und Würzburg. Auch in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Sachsen gibt es das Konzept der Sicherheitswacht.

»Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Polizei und Bürger«, sagt Silvana Tilli. Seit 1994 gibt es die Sicherheitswacht in Bayern, die der Polizei im Freistaat untersteht. Dem bayerischen Sicherheitswachtgesetz zufolge unterstützen die Freiwilligen die Polizei »bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, insbesondere im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Straßenkriminalität«. Die Sicherheitswacht steigere durch ihre sichtbare Präsenz das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung und helfe, Vandalismus und Ordnungsstörungen vorzubeugen, hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im vergangenen Herbst erklärt.

Aufgabe der Sicherheitswacht ist es vor allem, Präsenz zu zeigen. »Als Sicherheitswacht können wir die Personalien aufnehmen und einen Platzverweis aussprechen«, sagt Tilli. Sonst haben die Bürger in Uniform keine Sonderrechte. Beobachten sie beispielsweise eine Straftat, informieren sie über ihr Handy die Polizei. Außerdem sind die Ehrenamtlichen der Sicherheitswacht nur tagsüber unterwegs. »Bei Einbruch der Dunkelheit ist Schicht im Schacht«, sagt Tilli.

An diesem Nachmittag läuft Tilli zusammen mit ihrem Kollegen, dem 65-jährigen Josef Eckmann, durch eine Hochhaussiedlung, wie sie typisch für Neuperlach ist. Eckmann und Tilli kennen ihren Stadtteil: Immer wieder sammeln sie auf ihrer Patrouille Spritzen von Junkies ein und achten darauf, dass auf den Spielplätzen im Stadtteil keine Hunde frei herumlaufen. Regelmäßig gehen sie auch im Einkaufszentrum oder auf dem Friedhof Streife. Für ihre Rundgänge erhalten sie acht Euro die Stunde als Aufwandsentschädigung.

»Wir sind keine Hilfspolizei«, sagt Eckmann, der seit vier Jahren bei der Sicherheitswacht mitmacht. Er sieht seine Aufgabe vor allem darin, mit den Leuten zu sprechen und für Fragen ansprechbar zu sein. Inzwischen sind Tilli und er im Ostpark angekommen. Auf einer Asphaltbahn spielen mehrere Rentner Eisstockschießen. Tilli und Eckmann sind hier bekannt. Ein Mann legt seinen Eisstock beiseite und begrüßt die beiden.

Seit der Silvesternacht in Köln wird immer wieder über Bürgerwehren in Deutschland diskutiert. Tilli will damit auf keinen Fall in Verbindung gebracht werden. »Diese selbst ernannten Hilfs-Sheriffs bringen uns in Verruf«, sagt sie: »Unsere Aufgabe ist es ,zu deeskalieren, nicht zu eskalieren.« Sie verweist auf die Ausbildung, die jeder absolvieren muss, der bei der Sicherheitswacht mitmachen will: 40 Stunden Unterricht in Strafrecht, Zivilrecht, Waffenkunde und Psychologie - mit abschließender Prüfung. Ein »einwandfreier Leumund« sei Voraussetzung für die Sicherheitswacht, sagt sie. Ein polizeiliches Führungszeugnis müsse vorgelegt werden.

Silvana Tilli ist seit acht Jahren bei der Sicherheitswacht. Ihr sei es wichtig, Zivilcourage zu leben, sagt sie über ihr Engagement und fügt hinzu: »Hinschauen, nicht wegschauen.« Eckmann betont, er habe für seine Altersteilzeit eine sinnvolle Beschäftigung gesucht. »Ich gehe gern spazieren und rede gern mit Leuten«, sagt der betriebliche Sozialarbeiter. »Das passt.«

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Barbara Schneider

 


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abgerufen 09.12.2016 - 18:24 Uhr

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