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Dieser Artikel: Ausgabe 09/2016 vom 28.02.2016
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Innere Zweifel

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Von inneren Kritikerinnen, struppigen Hunden mit Riesenmaul und wie man sie sich »zurechtlieben« kann.

Ich bin seit Kurzem in Rente und habe mir schon davor überlegt, was ich mit meiner Zeit gerne machen möchte. Ich war keine gute Schülerin, aber Musik habe ich trotzdem geliebt, und während meiner Arbeitszeit gab es wenig freie Abende. Jetzt hätte ich Zeit für einen Chor.

Es gibt einen in unserem Ort und auch ein Blockflötenorchester. Eine Freundin hat mich neulich zu beiden Probenabenden mitgenommen. Es war schön. Beide Leiterinnen haben gesagt, dass ich gerne wiederkommen darf. Aber jetzt wachsen meine Zweifel: Wenn ich da mal richtig drin bin, werden die merken, dass ich nicht gut genug bin. Vielleicht sind sie ja auch nur am Anfang nett, und später reden sie dann hintenrum ...

Es ärgert mich, dass ich innendrin so klein und ängstlich werde, wenn ich an so was denke. Gibt es irgendeine Möglichkeit, diese Stimme zum Schweigen zu bringen?

Frau K. (66)

 

Eine Bekannte hat einen struppigen schwarzbraunen Hund mit Riesenmaul und gelben Zähnen. Ich würde ihm ungern nachts alleine begegnen. Aber sobald man zu ihm sagt: »Was bist du denn für einer?! Ja, sag mal, was ist denn mit dir??«, stellt er die Ohren auf, wedelt mit dem Schwanz und würde einem am liebsten auf den Schoß springen. »Man muss ihn sich ein bisschen zurechtlieben«, sagt dann meine Bekannte.

Ja, man muss ihn sich zurechtlieben, den inneren Kritiker. Das beginnt damit, dass man ihn nicht zum Schweigen bringen will, sondern sich für ihn interessiert und ihn anredet wie einen struppigen Hund.

Anders gesagt: Kommen Sie mit dieser inneren Figur, die Ihnen das Leben schwermacht, ins Gespräch. Was ist das denn für eine? Vielleicht die frühere Musiklehrerin, die Ihnen immer gesagt hat: »Mit deinen dicken Fingern wirst du nie richtig gut Flöte spielen!« Was würden Sie ihr heute antworten? »Ach, wissen Sie, ich spiel ja nicht mehr wegen der Zeugnisnote, sondern weil es mir Spaß macht.«

»Na ja«, sagt die innere Kritikerin dann, »aber so wie auf einer CD wird das trotzdem nie klingen!« »Da haben Sie sicher recht, aber ich will ja nur, dass es anderen auch Spaß macht, mit mir zusammen zu spielen.«

Aber die innere Kritikerin gibt nicht so schnell auf: »Da muss man aber schon ein bisschen üben!« »Klar, ich habe ja jetzt mehr Zeit als früher - und es gibt ja so etwas wie eine Probezeit. Da können die merken, ob ich zu ihnen passe - und ich kann merken, ob es das Richtige für mich ist.«

Und wenn die Kritikerin sagt: »Aber Auftritte mochtest du doch nie?«, dann können Sie antworten: »Ich kann das als Herausforderung nehmen und was Neues riskieren. Ich kann ja mal fragen, was die anderen gegen die Aufregung vor einem Auftritt machen ...«

Wenn Sie sich Ihrer Kritikerin so im inneren Dialog annähern, sie »zurechtlieben«, dann werden Sie schnell entdecken, dass Sie keine Schülerin mehr sind, dass es nicht um Benotung geht, sondern darum, mit anderen zu musizieren und sich einer Herausforderung zu stellen, die Ihr Leben interessanter macht. Und dass die innere Kritikerin Aspekte vertritt, über die es sich lohnt, nachzudenken und zu entdecken, wie Sie heute dazu stehen.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 29.07.2016 - 12:07 Uhr

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