Home Artikel-ID: 2016_09_20_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 09.12.2016
Aktuelle Ausgabe: 49 vom 04.12.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 09/2016 vom 28.02.2016
Alle Artikel der » Ausgabe 09/2016 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Vater im Schockzustand

Personen der Bibel (60): Jeftah - Ist Glaube mehr wert als das Leben?


Sein eigenes Kind umbringen - für Gott? Abraham hatte in letzter Sekunde das Messer von seinem Sohn Isaak genommen. Der Hauptmann Jeftah tötete seine einzige Tochter. Die Geschichte um ihn verstört und ist eine Lektion im Verhältnis von Glaube und Gewalt.

Jeftah und seine Tochter: Speculum Humanae Salvationis, Westfalen oder Köln, um 1360.
Foto: PD
   Jeftah und seine Tochter: Speculum Humanae Salvationis, Westfalen oder Köln, um 1360.

        

Jeftah, ein kampfeslustiger Mann aus Gilead, war der Sohn einer Hure. Als die Ehefrau seines Vaters selbst Söhne bekam, »stießen sie Jeftah aus und sprachen zu ihm: Du sollst nicht erben in unserer Familie, denn du bist der Sohn einer andern«.

Jeftah floh vor seinen Brüdern und siedelte sich im Lande Tob an. Er scharte »lose Leute« um sich, Banditen, Kriminelle, Freischärler. Die kleine Bande ging auf räuberische Streifzüge durch die Gegend. ( Richter 11, 2 f.)

Einige Zeit später führten die Israeliten Krieg gegen die Ammoniter. Da erinnerten sich Jeftahs Verwandte wieder an ihn und seine Kampfeslust und es »gingen die Ältesten von Gilead hin, um Jeftah aus dem Lande Tob zu holen.«

Die Gesandten versuchten, Jeftah zum Heerführer zu machen: »Komm und sei unser Hauptmann, damit wir gegen die Ammoniter kämpfen.« Er willigte ein und führte das Heer in den Krieg.

Und da passierte es. Um sich Gottes Schutz zu versichern, sprach Jeftah ein verhängnisvolles Gelöbnis: »Gibst du die Ammoniter in meine Hand, so soll, was mir aus meiner Haustür entgegengeht, wenn ich von den Ammonitern heil zurückkomme, dem Herrn gehören und ich will's als Brandopfer darbringen.«

Der Kampf tobte, Jeftahs Heer besiegte die Feinde auf ganzer Linie, denn »der Herr gab sie in seine Hände«. Triumphierend ritt Jeftah wieder nach Hause.

Seinen Schwur hatte er nicht vergessen. Vermutlich dachte er, eine Katze oder ein Esel würde ihm entgegenkommen. Aber nein: Seine Tochter kam aus dem Haus, »mit Pauken und Reigen« und hocherfreut über die Rückkehr des Vaters.

Ihren Namen nennt die Bibel nicht. Wohl aber betont sie, dass sie Jeftahs »einziges Kind war, er hatte sonst keinen Sohn und keine Tochter«.

Jeftah, ein Vater im Schockzustand. Aus Ärger und Entsetzen »zerriss er seine Kleider und sprach: Ach, meine Tochter, wie beugst du mich und betrübst mich! Denn ich habe meinen Mund aufgetan vor dem Herrn und kann's nicht widerrufen«.

Nicht nur Jeftah war überzeugt, dass er sein Gelübde nicht brechen dürfe. Auch seine Tochter trug die schreckliche Nachricht mit Fassung und ergab sich in ihr Schicksal: »Mein Vater, hast du deinen Mund aufgetan vor dem Herrn, so tu mit mir, wie dein Mund geredet hat, nachdem der Herr dich gerächt hat an deinen Feinden, den Ammonitern.«

Lediglich zwei Monate Aufschub erbat sie sich, um mit ihren Freundinnen ihre Jungfrauschaft zu beklagen. Dann kehrte sie zum Vater zurück, »und er tat ihr, wie er gelobt hatte«.

JEFTAH

  NAME: Jeftah (hebräisch, »Ruhe«, vielleicht »Tröster«)

  HERKUNFT: Vater Gilead, Mutter eine namentlich nicht genannte Prostituierte. Mehrere Halbbrüder.

  ZEIT: um 1200 v. Chr.

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:   Richter 11

  WIRKUNGSGESCHICHTE: Georg Friedrich Händel lässt die Geschichte in seinem Oratorium »Jephtha« mit einer Lektion enden: »Hör, Jephtah!«, ruft ein Engel, »und ihr Priester all' lasst ab vom blut'gen Werk! Kein Schwur entkräftet je des Herrn Gesetz!« Die Tochter sei »nicht bestimmt zum Opfertier, das niedersinkt zu sterben für den Herrn«. Sie lebt weiter, ein Engel bleibt Tag und Nacht in ihrem Herzen.

  BUCHTIPP: Lion Feuchtwanger: Jefta und seine Tochter (Roman, 1957)

THEOLOGISCHES STICHWORT

KINDEROPFER: Kulturhistorisch gesehen birgt die Jeftah-Geschichte vermutlich einen Hinweis auf Kinderopfer. Im Gebiet des alten Israel waren Kindermorde als Rituale der kanaanäischen Kulte nicht unbekannt. Eine Opferstätte befand sich im Hinnomtal südlich Jerusalems. Hier ließen Väter ihre Söhne »durchs Feuer gehen« - ein Synonym für den Tod im Feuer ( Jeremia 7, 31;  32, 25). Sogar Ahas, ein israelischer König (um 735 v. Chr.), übernahm »diese gräulichen Sitten der Heiden« ( 2. Könige 16, 3).

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

Uwe Birnstein

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2016_09_20_01.htm
abgerufen 09.12.2016 - 20:12 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumDatenschutzWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

»Weihnachtswunschkiste 2016 - Bestellschein (PDF - 4,12 MB)

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!

»Der Weihnachtsstern«: Jetzt das neue THEMA-Magazin bestellen!

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

»Evangelische Augenblicke« - der neue Glaubenskurs im Sonntagsblatt. Jetzt bestellen!