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Heute: 28.08.2016
Aktuelle Ausgabe: 34 vom 21.08.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 09/2016 vom 28.02.2016
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Die fromme Horrorsiedlung

Der Spielfilm »Colonia Dignidad« beleuchtet die chilenische Siedlung


Vor zehn Jahren machte ein vermeintlich frommer Mann Schlagzeilen: Paul Schäfer, Gründer und Leiter der Siedlung »Colonia Dignidad« in Chile. Der 85-jährige gebürtige Deutsche wurde zu 20 Jahren Haft wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Über die Flucht eines Paares aus der Siedlung läuft seit einer Woche ein Film in den Kinos.

In den Hauptrollen: Emma Watson und Daniel Brühl.
Foto: Copyright Majestic / Ricardo Vaz
   In den Hauptrollen: Emma Watson und Daniel Brühl.

        

Schlichte Kleidung, fromme Lieder, Ernst und Fleiß - äußerlich erinnert die Colonia Dignidad (»Kolonie der Würde«) an streng pietistische Gemeinschaften. Errichtet wurde sie 1961 vom deutschen lutherischen Jugendpfleger Paul Schäfer gemeinsam mit dem Baptistenpastor Hugo Baar und rund 200 ehemaligen Baptisten, die nach Chile auswanderten. In mehr als 40 Jahren schuf Schäfer etwa 300 Kilometer südlich von Santiago de Chile, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, eine fromme Horrorsiedlung. Sie glich mehr einem Arbeitslager als einer Gemeinde.

Schäfer war in Deutschland Jugendleiter beim CVJM. Als gegen ihn Haftbefehl wegen der Vergewaltigung von zwei Jungen beantragt wurde, floh er mit seinen Anhängern nach Chile. Er gab sich als Mann Gottes, tatsächlich war er ein Sadist und Scharlatan. Er verlangte unbedingten Gehorsam, ließ allen Besitz auf sich überschreiben und richtete die Gemeinschaft gnadenlos auf sich ab.

Der Film »Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück« beginnt 1973, als sich in Chile General Pinochet an die Macht putscht. Gegner seines Regimes lässt er verhaften. So verliert Lena (Emma Watson) ihren Geliebten Daniel (Daniel Brühl) aus den Augen. Sie erfährt, dass Daniel bei der Colonia gefangen gehalten wird, und beschließt, sich freiwillig der Sekte anzuschließen. Zum Eintritt unterzieht sie sich einem diabolischen Glaubensverhör Paul Schäfers (Mikael Nyqvist). In der Kolonie trifft sie auf Daniel und plant mit ihm die Flucht über ein geheimes Tunnelsystem.

»Colonia Dignidad« überzeugt als Liebes- und Fluchtgeschichte. Der Film ist vor allem ein verstörender Thriller mit brutalen Folterszenen - und zugleich ein tief recherchiertes Psychogramm mit nahezu dokumentarischer Qualität. Männer, Frauen und Kinder mussten in der Kolonie voneinander getrennt leben. Die Folter, die Produktion von Giftgas, der Schutz durch die deutsche Botschaft - alles war Realität.

Schäfer war ein Verführer, der unter christlichem Deckmantel eine Gemeinschaft in Geiselhaft nahm und die Knaben der Siedlung sexuell missbrauchte. Erst nach der Abdankung Pinochets 1990 wurden seine Taten verfolgt; Schäfer floh nach Argentinien, wurde 2004 verhaftet und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Hinter Gittern verstarb er 2010. Etwa 100 Mitglieder der Sekte kehrten aus Chile nach Deutschland zurück.

 

  COLONIA DIGNIDAD, Regie: Florian Gallenberger, FSK: ab 16 Jahren.

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Karsten Huhn

 


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abgerufen 28.08.2016 - 20:52 Uhr

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