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Dieser Artikel: Ausgabe 09/2016 vom 28.02.2016
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Sicherer Ort für traumatisierte Kinder

Das Kulmbacher Kinderhaus »Sternstunden« ist eine bundesweit einmalige Einrichtung


Das »Kinderhaus Sternstunden« ist mit der Aufnahme für Kinder ab 3 Jahren einzigartig in Bayern und verfügt über 13 Plätze. Der Bedarf ist aber leider deutlich höher.

Der Traumapädagoge Udo Dirks (38) ist der Leiter des Kulmbacher Kinderhauses Sternstunden.
Foto: Fuchs
   Der Traumapädagoge Udo Dirks (38) ist der Leiter des Kulmbacher Kinderhauses Sternstunden.

        

Das Wort »Trauma« kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Wunde«. Bei den Kindern, die im Kinderhaus Sternstunden der Geschwister-Gummi-Stiftung in Kulmbach aufgenommen werden, sind die Seelen durch verschiedene traumatisierende Erfahrungen extrem verwundet. Sie haben Erfahrungen gemacht, wie emotionale oder körperliche Vernachlässigung, körperliche und sexuelle Gewalt sowie starke emotionale Misshandlung. Meist mussten sie diese Gewalterfahrungen anhaltend machen, und zwar oft im direkten familiären Umfeld, zum Teil auch durch die Eltern selbst, also genau durch die Personen, die eigentlich für Schutz, Versorgung und Förderung der Kinder zuständig sind.

Gewalt, Missbrauch und Verwahrlosung: Das sind nach Udo Dirks' Worten die drei Parameter, aus denen eine Traumatisierung entstehen kann. Der Traumapädagoge weiß von Kindern, die wie Haustiere lebten und sich ihr tägliches Essen in Mülleimern suchen mussten. Sie alle hätten extreme Not gelitten und befänden sich erst einmal in einer Art Überlebensmodus.

»Eine neue Welt bieten«

In das Kinderhaus Sternstunden kommen sie erst, wenn eine Reihe anderer Maßnahmen nicht erfolgreich war; am Anfang fällt irgendjemandem aus dem Umfeld - dem Nachbarn oder dem Kinderarzt, dem Erzieher im Kindergarten oder dem Lehrer in der Schule - etwas auf, zum Beispiel sichtbare Spuren von Gewalt. Dann schaltet sich das Jugendamt ein, nimmt im Extremfall das Kind aus der Familie und führt es in die Obhut einer Wohngruppe. Erst wenn das Kind dort wieder aufgrund von Aggression, Selbstverletzungen oder Nichtansprechbarkeit auffällt und zum Schutz der anderen herausgenommen wird, soll das Kinderhaus Sternstunden Schutz und Hilfe bieten.

Unter den Aufgenommenen sind die unterschiedlichsten Formen von Vernachlässigung und Gewalterfahrungen zu finden: So mussten manche mit ansehen, wie die Mutter immer wieder vom Vater verprügelt wurde. Andere wurden zur Strafe nachts auf die kalte Treppe oder auf den Balkon gestellt, ohne zu wissen, wann sie wieder in die Wohnung dürfen. Wieder andere wurden von ihren Bezugspersonen sexuell missbraucht.

»Unser Ziel ist es, den Kindern eine neue Welt zu bieten«, sagt Udo Dirks. Das Kinderhaus Sternstunden, das von der gleichnamigen Aktion des Bayerischen Rundfunks maßgeblich gefördert wurde, ist für viele Kinder ein neuer sicherer Ort mit ganz intensiven therapeutischen Maßnahmen. Hier bekommen Kinder bereits ab drei Jahren - einmalig in Deutschland - die nötige intensive Betreuung. Die Erfahrung habe gezeigt, dass traumatisierte Kinder, die erst später in eine Einrichtung kommen, bereits so schwierig im Umgang sind, dass sie oft eine Odyssee durch viele Einrichtungen, Kliniken oder Pflegestellen hinter sich haben. »Je früher man ansetzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man noch etwas bewegen kann«, so Udo Dirks.

Traumatisierte Kinder müssten nach ihren Erfahrungen erst einmal lernen, dass man sich auf Erwachsene verlassen kann. Die 16 Mitarbeiter, darunter zwei Therapeuten, brauchen im Umgang mit den Kindern eine große psychische Belastbarkeit, enormes Durchhaltevermögen und ein hohes Reflexionsvermögen.

Über die Dauer des Aufenthalts entscheidet das Jugendamt. Derzeit kommen die 13 Kinder im Wesentlichen aus den drei fränkischen Regierungsbezirken. Eine ähnliche Einrichtung, allerdings nicht für Kinder, sondern für Jugendliche, gibt es in Baden-Württemberg.

Theoretisch sei eine Rückführung nach Hause dann möglich, wenn sich die Umstände grundlegend geändert hätten, so Udo Dirks. Wenn also eine Therapie erfolgreich war und der »Täter« aus der Familie genommen wurde. Möglich ist es aber auch, dass die Kinder in einer Einrichtung vor Ort groß werden.

Im Idealfall werden die Kinder zunächst für zwei Jahre in der traumapädagogischen Wohngruppe betreut, frühestens dann ist ein Umzug in eine heilpädagogische Wohngruppe möglich. Während dieser Zeit wird auch mit den Eltern gearbeitet, jedoch steht das Kind an vorderster Stelle.

Die Geschwister-Gummi-Stiftung ist unter dem Dach der Diakonie Kulmbach ein führender Kinder- und Jugendhilfeträger in Nordbayern mit vielen Hilfen, Einrichtungen und Angeboten. Zusätzlich zum Kinderhaus Sternstunden ergänzen Kinderschutz-Zentrum, Jugendsozialarbeit, Jugendwerkstatt, ein Familientreff und Tageseinrichtungen für Schüler die Angebote.

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Stephan Herbert Fuchs

 


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abgerufen 08.12.2016 - 06:55 Uhr

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