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Sonntagsblatt 10/ vom

ZEITZEICHEN


Gehen wir davon aus, dass die meisten das Wort »Gras« mit grünem Rasen assoziieren. Und »Koks« mit rußigem Brennstoff, der Wärme erzeugt. »Black Beauty«? Kann nur das schwarze Pferd sein, dem Anna Sewell 1877 ein literarisches Denkmal setzte.

Wenn im April die UNO-Staaten zusammenkommen, werden Gras, Koks und Black Beauty jedoch eine andere Rolle spielen. Denn es soll mal wieder eines der Menschheitsprobleme gelöst werden. Die Weltgemeinschaft will sich mit dem Thema Drogen beschäftigen.

Der Kampf gegen Hersteller, Dealer und Konsumenten gilt als gescheitert. Abschreckung reicht nicht aus. Die neue Strategie setzt daher auf den Staat: Er soll aufklären, Qualität sichern und ungefährliche Standards des Drogenkonsums durchsetzen.

Wem diese Forderungen wie vernebelte Kopfgeburten eines Zeitzeichenschreibers vorkommen, dem sei gesagt, dass hier wiedergegeben wird, was ein Weltpolitiker meint.

Der drogentechnisch unverdächtige ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat sich an die Spitze der Bewegung gesetzt und wird von Politikern und Suchtexperten unterstützt. Besonders betroffene Länder wie Mexiko, Guatemala oder Kolumbien wollen raus aus dem Wechselspiel von Drogen-Prohibition und Gewalt.

Die Hoffnung: Wenn Drogenhandel verstaatlicht und Drogenkonsum unter bestimmten Bedingungen legalisiert wird, entzieht man kriminellen Drogen-Banden die Existenzgrundlage.

Wie gut dieses Modell funktioniert, können die UNO-Vertreter gerade in Bayern besichtigen. 500 Jahre Reinheitsgebot haben dazu geführt, dass aus Dealern Getränkevertriebsstellenleiter wurden und Konsumenten konsequent zum Mass-Halten aufgefordert werden: »Oans, zwoa, drei, gsuffa!«

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