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Dieser Artikel: Ausgabe 10/2016 vom 06.03.2016
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Vom Burn-out zum Bore-out

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Gereiztheit, Unruhe, Leere, Minderwertigkeitsgefühle: Was man tun kann, wenn sich der Ruhestand gar nicht gut anfühlt.

Ich bin vor einem guten Jahr in den Ruhestand gegangen und hatte mich lange darauf gefreut. Vor allem auch deswegen, weil mich die letzten Erwerbsjahre immer wieder bis an den Rand des Burn-out brachten, an einen Zustand des Ausgebrannt- und Erschöpftseins. Ich zählte die Monate, schließlich die Tage und zum Schluss hin sogar die Stunden, die ich noch warten musste. Und dann - endlich - kam die Zeit, in der ein neues Leben beginnen sollte.

Die ersten Monate waren wunderbar. Zu Bett gehen, wann ich wollte, so lange schlafen, wie ich wollte, anziehen, was ich wollte, den Tag gestalten oder auch nicht, ganz wie ich wollte. Dieser Zustand hielt etwa ein halbes Jahr an, dann begann die Leere. Eine innere Unruhe erfüllte mich, eine Rastlosigkeit und Gereiztheit, die ich überhaupt nicht mochte, die ich aber nicht loswerden konnte.

Psychologen sprechen ja nicht nur vom Burn-out, sondern auch vom Bore-out, und meinen damit eine Zeit des Unausgefülltseins und der Unterforderung. Mir scheint, dass ich von dem einen Zustand fast direkt in den anderen gerutscht bin. Am meisten litt ich darunter, dass ich keinen Sinn mehr im Leben fand.

Ein Freund gab mir einen Rat: »Tu was Gutes. Du hast so viel Geld und es gibt so viel Not. Schau, wo du helfen kannst.« Nun bringe ich fast täglich Überweisungen zur Bank. Es hilft ein bisschen, und doch fehlt etwas ...

Herr F.

 

Sie beschreiben diesen Weg sehr anschaulich. Zuerst das Erwerbsleben, das Sie bis ans Limit fordert. Dann die große Zäsur, der ersehnte Eintritt in den Ruhestand. Dann ein paar Monate, in denen Sie sich treiben lassen. Das fühlt sich wunderbar an, aber dann kommt die Wende: Mangel, Leere, Unruhe.

Vor knapp zehn Jahren kam dafür der Name »Bore-out« auf (vom Englischen »boredom« = Langeweile). Die Symptome fühlen sich ähnlich an wie beim Burn-out: Gereiztheit, Unruhe, Leere, Minderwertigkeitsgefühle. Während der Burn-out eher zur Erwerbstätigkeit gehört, stellt der Bore-out die Gefährdung nach dem Arbeitsleben dar.

In der Zeit der beruflichen Tätigkeit gibt es so viele Sinnangebote. Die »Partnerschaft« verlangt Aufmerksamkeit, die »Familiengründung«, die »Erziehung«, die »Karriere« usw. Die Zeit nach der Berufstätigkeit hingegen verlangt Initiative. Jetzt müssen wir Sinn schaffen.

Insofern sieht Ihr Freund etwas Richtiges. Tu was Gutes mit deinem Geld, meint er, das wäre doch ein sinnvolles Unterfangen. Sie bestätigen, dass er damit so falsch nicht lag. Ein bisschen Sinn haben Sie gefunden.

Warum nur ein bisschen? Was fehlt? Meine Antwort heißt: Ihre Person fehlt. Ihr Geld ist da, Sie bringen es per Überweisung unter die Leute, aber Sie als Mensch bleiben außen vor.

Wir wissen aus vielen Studien, dass sich Sinn und Erfüllung nur einstellen, wenn wir etwas von uns selbst weitergeben. Von unserer Zeit, unserer Kraft, unserer Begabung, unseren Träumen. Deswegen engagieren sich so viele Menschen in einer Nachbarschaftshilfe, der Telefonseelsorge oder in Deutschkursen für Flüchtlinge.

Überlegen Sie doch, wo Sie sich über das Finanzielle hinaus persönlich einbringen können. Ich bin mir sicher: Es wäre das schnelle Ende des Bore-out.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Waldemar Pisarski

 


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abgerufen 30.06.2016 - 23:08 Uhr

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