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Dieser Artikel: Ausgabe 10/2016 vom 06.03.2016
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Zwischen Gott und Teufel

Personen der Bibel (61): Hiob - Glaube, Zweifel und Versuchung


Wie können Menschen mit Leid umgehen? Die Geschichte des Hiob lässt sich wie eine Reflexion über das Leiden lesen. »Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gelobt!« (Hiob 1, 21), lautet seine gottergebene Haltung, mit der er sein Leid zu ertragen versucht.

Hiob, Léon Bonnat, 1880.
Foto: PD
   Hiob, Léon Bonnat, 1880.

        

»Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse. Und er zeugte sieben Söhne und drei Töchter … und er war reicher als alle«. ( Hiob 1, 1ff.) So hätte es weitergehen können in Hiobs Leben. Aber es kam alles anders.

Eines Tages forderte der Teufel Gott heraus: Selbst so ein perfekter, frommer Mann wie Hiob werde vom Glauben abfallen, wenn man ihm sein schönes Leben nehme, meinte er. Gott jedoch war sich sicher, Hiob würde sich nicht von ihm abkehren, da könne der Teufel versuchen, was er wolle. Und dann gab Gott Hiob frei für ein teuflisches Spiel - unter einer Bedingung: Hiob selbst durfte der Teufel keinen Schaden zufügen.

Plötzlich wendete sich alles im Leben des bisher so glücklichen Hiob. Unfassbares Leid widerfuhr ihm. Ein Unglück nach dem anderen geschah: Feinde stahlen Hiobs Rinder- und Kamelherden und erschlugen seine Knechte. Feuer fiel vom Himmel und vernichtete seine Schafherden. Ein Albtraum. Aber noch nicht genug, Hiob musste auch noch erfahren: »Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen, und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß an die vier Ecken des Hauses; da fiel es auf die jungen Leute, dass sie starben.« ( Hiob 1, 18f.)

Hiob war entsetzt, als er all diese Nachrichten hörte. Er »stand auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren.« ( Hiob 1, 20f.) Seinen Glauben aber verlor er nicht: »Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen«, sagt Hiob voll Vertrauen darauf, dass Gott schon wisse, was er tue, »der Name des Herrn sei gelobt!« ( Hiob 1, 21)

Der Teufel allerdings ließ sich davon noch nicht überzeugen und fuhr fort, Hiob mit einem Unglück nach dem anderen zu quälen. Nun forderte er Gott auf, zuzulassen, dass dem trauernden Hiob auch noch körperliches Leid zugefügt werde. Dann, so der Teufel, werde Hiob seinen Glauben ganz sicher verlieren. Gott erlaubte es, gebot ihm jedoch abermals, Hiobs Leben zu schonen. Diesmal schlug der Teufel »Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel«. ( Hiob 2, 7). Hiob löste das Problem pragmatisch, schabte den Aussatz mit einer Scherbe ab und setzte sich in Asche - damals eine bewährte Therapie.

»Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit?«, fragt seine Frau ihn daraufhin schnippisch und forderte ihn auf: »Sage Gott ab und stirb!« ( Hiob 2, 9) Hiob aber ließ sich auch davon nicht beirren und hielt an seinem Glauben fest. »Du redest, wie die törichten Frauen reden«, meinte er nur, »haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?« ( Hiob 2, 7ff.) Noch immer hatte der Teufel keinen Erfolg mit seiner Strategie.

Die Last des Leidens begann Hiob zu zermürben

Trotzdem fragte sich natürlich auch Hiob, womit er das alles nur verdient habe: Warum schenkt Gott den Menschen erst das Leben und lässt dann zu, dass sie Leid ertragen müssen? »Warum bin ich nicht gestorben bei meiner Geburt? Warum bin ich nicht umgekommen, als ich aus dem Mutterleib kam? Warum hat man mich auf den Schoß genommen? Warum gibt Gott das Licht dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen - die auf den Tod warten, und er kommt nicht? Wenn ich essen soll, muss ich seufzen, und mein Schreien fährt heraus wie Wasser. Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen. Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da kam schon wieder ein Ungemach!« ( Hiob 3, 11ff.), klagte er voller Verzweiflung.

In seine Grübeleien mischten sich drei Freunde ein. Sie waren sich sicher: Hiobs Unglück musste die Strafe für irgendwelche Sünden sein, die zuvor begangen wurden und an die er sich vielleicht nur nicht mehr erinnerte, das versuchten sie ihm immer wieder klarzumachen.

Hiob allerdings beteuerte immer wieder, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

Mit der Zeit aber begann die Last all des Leidens ihn doch zu zermürben: »Man hat mich in den Dreck geworfen, dass ich gleich bin dem Staub und der Asche«, klagte er Gott an, »ich schreie zu dir, aber du antwortest mir nicht; ich stehe da, aber du achtest nicht auf mich«. ( Hiob 30, 20) Der liebende, gnädige Gott habe sich in einen »Grausamen« gewandelt, beschrieb Hiob seinen Eindruck: »Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse; ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis«. ( Hiob 30, 26ff.)

Schließlich antwortete Gott ihm: Was berechtigt dich dazu, dich gegen meine Entscheidungen aufzulehnen, fragte er. »Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir's, wenn du so klug bist! Fliegt der Falke empor dank deiner Einsicht und breitet seine Flügel aus, dem Süden zu? Hast du einen Arm wie Gott, und kannst mit gleicher Stimme donnern wie er?« ( Hiob 38, 4;  39, 26;  40, 9) Wirkliche Antworten auf die Frage, warum Gott all das Leiden zulässt, sind das nicht. Seine Reaktion klingt eher wie eine Machtdemonstration. Hiob beeindruckte sie dennoch und brachte ihn zum Einlenken: »Siehe, ich bin zu gering, was soll ich antworten? Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Darum habe ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe.« ( Hiob 40, 4;  42, 2f.)

Warum passiert gerade mir so ein Unglück?

Als Hiob das eingesehen hatte, und auch noch für seine Freunde einstand, deren Ansichten Gott missfallen hatten, wendete sich sein Schicksal wieder zum Guten. Gott gab ihm »doppelt so viel, wie er gehabt hatte«. ( Hiob 42, 10) Auch all die Menschen, die sich von ihm abgewandt hatten, kamen zurück »und aßen mit ihm in seinem Hause und sprachen ihm zu und trösteten ihn über alles Unglück, das der Herr über ihn hatte kommen lassen«. ( 42, 11) Der teuflische Spuk war vorbei, und wie es zu einer guten Geschichte mit Happy End gehört, bekam Hiob am Ende auch noch seine verstorbenen Kinder ersetzt: »Er bekam sieben Söhne und drei Töchter« ( Hiob 42, 12f.), heißt es. 140 Jahre soll er danach noch gelebt haben, bevor er »alt und lebenssatt« ( Hiob 42, 17) starb.

Warum passiert gerade mir so ein Unglück? Warum lässt Gott dieses Leid zu? Diese Frage stellen sich Menschen auch heute noch. Doch heute wie damals gibt es darauf keine einfache Antwort. Hiob fand einen Ausweg aus diesen Grübeleien, als er bereit war, das Leid als gegeben hinzunehmen. Nur dann nämlich wird der Blick frei für die Dinge, die sich ja doch ändern lassen, und man merkt, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen kann.

Hiob kleidet diesen Zusammenhang in fromme Worte: »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt«. ( Hiob 19, 25) Diese Glaubenseinsicht wirkt wie ein Schild gegen Mutlosigkeit und Angst. Denn weder Leid noch Tod, sondern Gott steht am Ende.

HIOB

  NAME: die Bedeutung des Namens ist unklar

  BERUF: unbekannt

  HERKUNFT: aus dem Land Uz, dessen damalige Lage heute unbekannt ist

  ZEIT: zwischen dem 5. und dem 3. Jahrhundert vor Christus

  WICHTIGE BIBELSTELLEN: Das Buch  Hiob

  WIRKUNGSGESCHICHTE: Hiobs Geschichte bietet bis heute Stoff für die Werke zahlreicher Künstler, Musiker, Schriftsteller und Filmemacher. In Anlehnung an die ersten Unglücksnachrichten, die Hiob durch Boten erreichten, spricht man auch heute noch von Hiobsbotschaften, wenn Nachrichten über Schicksalsschläge sich häufen.

  ZITAT: »Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.« ( Jakobus 5, 11)

THEOLOGISCHES STICHWORT

LEID gehört zur menschlichen Grunderfahrung. Alle Religionen reflektieren es im Hinblick auf eine überirdische Macht. In biblischer Tradition stellt sich die Frage: Warum lässt Gott zu, dass Menschen leiden, wenn er doch allmächtig ist? Ein biblischer Traditionsstrang behauptet, Gott lasse das Leiden zu, um Menschen zu prüfen; ein anderer betont, dass Gott Leid nicht verursacht, den Menschen aber im Leid beisteht. Die neutestamentliche Theologie gibt eine schier unglaubliche Antwort: Jesus, der Sohn Gottes, habe Leid auf sich genommen, um die Menschen vom Leid zu erlösen. Bis heute versuchen Theologen, diese Überlieferungen zu verstehen und zu erklären.

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 02.12.2016 - 18:56 Uhr

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