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Dieser Artikel: Ausgabe 10/2016 vom 06.03.2016
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Multikulti im Mittelalter

Eine Ausstellung in Ulm beleuchtet den religiösen Alltag im 15. Jahrhundert


Die multikulturelle Gesellschaft gab es in Deutschland schon im späten Mittelalter. Das belegt eine Ausstellung in Ulm, die Berührungspunkte zwischen den Religionen mit historischen Exponaten illustriert.

Religiöse Propaganda: In dem Kupferstich »Mohammed und der Mönch Sergius« stellt Lucas van Leyden (1494-1533) die Inspirierung des Propheten durch einen Christen dar.
Foto: Museum Ulm
   Religiöse Propaganda: In dem Kupferstich »Mohammed und der Mönch Sergius« stellt Lucas van Leyden (1494-1533) die Inspirierung des Propheten durch einen Christen dar.

        

Christen und Juden begegneten einander im 15. Jahrhundert in Ulm beim Einkaufen, auf der Straße, im Geschäftsleben. In anderen europäischen Städten gab es ebenfalls zahlreiche Berührungspunkte. Die Ausstellung »Glaubensfragen. Chatrooms auf dem Weg in die Neuzeit«, die noch bis zum 3. Juli im Museum Ulm zu sehen ist, zeigt Zeugnisse von Begegnung und Dialog.

Ein jüdischer Hochzeitsring etwa trägt als schmückenden Aufbau eine Hausfassade, die an eine gotische Kathedrale erinnert. Der Künstler grenzte sich hier nicht ab, sondern suchte Verbindendes. Lucas van Leydens Kupferstich »Mohammed und der Mönch Sergius« von 1508 erinnert dagegen an eine antiislamische Propaganda, laut der Mohammed durch einen von der Kirche zum Ketzer erklärten Mönch zu seinen Glaubensaussagen inspiriert worden sei.

Kuratorin Felicitas Heimann-Jelinek sieht in den mittelalterlichen Begegnungen der Religionen nicht nur Konflikte und Probleme. »Es gab einen permanenten Kulturtransfer, der die europäische Kultur weiterentwickelt hat.« Zu sehen sei das etwa am ersten mehrsprachigen Psalter von 1516, der die Gebete auf Lateinisch, Hebräisch, Chaldäisch, Arabisch und Griechisch wiedergibt.

Ein Relief im Ulmer Münster, das die Grundsteinlegung des Gotteshauses zeigt,  war ursprünglich ein jüdischer Grabstein.
Foto: Museum Ulm
   Ein Relief im Ulmer Münster, das die Grundsteinlegung des Gotteshauses zeigt, war ursprünglich ein jüdischer Grabstein.

        

Insgesamt sind 80 historische Objekte aus zehn Ländern zu sehen. Der Schwerpunkt der Exponate liegt auf Büchern und Handschriften aus dem 15. Jahrhundert. Viele davon werden den Angaben zufolge erstmals in Deutschland gezeigt. Ältestes Ausstellungsstück ist ein illustrierter hebräischer Bibelkommentar aus der Region Würzburg von 1233.

Die Papiere können allerdings nur in schummrigem Licht gezeigt werden, da Helligkeit das Material zerstört. Zu entdecken gibt es etwa eine Armenbibel, die heilige Geschichten wie einen Comic darstellt. Oder reich illustrierte Schriften über den Antichristen, den die Kirche als Vorläufer des Endes der Welt erwartete.

Die Ausstellung versucht nicht, die Auseinandersetzungen zwischen den Religionen schönzureden. Ein zweckentfremdeter jüdischer Grabstein, der zu einem Relief über die Grundsteinlegung des Ulmer Münsters umfunktioniert wurde, gibt davon ebenso Zeugnis wie der zu Waffenträgern predigende Mönch in einem jüdischen Gebetbuch - das Motiv sollte den Betern zeigen, wer die Feinde der Juden waren.

Moderne Medien setzen Gegenakzente. So sind Videosequenzen aus dem Film »Der Antichrist« von Lars von Trier zu sehen und eine Abschlussszene aus dem Musical »Sister Act«. Auch Zusammenschnitte von Bibelfilmen werden ausgestrahlt. Für die Ausstellung hat das Ulmer Museum mit dem US-amerikanischen Bibelmuseum in Washington zusammengearbeitet, von dem jedes dritte Exponat stammt.

Von »Chatrooms« - also Gesprächsorten mit Teilnehmern unterschiedlichster Hintergründe - war im Mittelalter trotz des Ausstellungstitels sehr wenig zu sehen. Zu einem echten Dialog der Religionen ist es vor der Neuzeit kaum gekommen. Die Ausstellung dokumentiert aber, dass es vor 500 Jahren nicht nur Parallelgesellschaften gab, sondern auch Begegnungen, die in Büchern und Kunst starke Spuren hinterließen.

 

  GLAUBENSFRAGEN. Chatrooms auf dem Weg in die Neuzeit«. Noch bis 3. Juli im Ulmer Museum. Internet:  www.museum.ulm.de

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Marcus Mockler

 


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abgerufen 31.05.2016 - 12:00 Uhr

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