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Dieser Artikel: Ausgabe 10/2016 vom 06.03.2016
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Todestag zum Reformationsjubiläum

Fürstbischof Julius Echter und die Würzburger Gedenkkultur im Jahr 2017


Der katholische Würzburger Fürstbischof Julius Echter (1545-1617) ist in seinem ehemaligen Bistum allgegenwärtig. Weingüter, Krankenhäuser, Straßen und Kirchen tragen seinen Namen. Echter hat aber auch Protestanten und Juden enteignet und vertrieben, seine Amtszeit markiert außerdem den traurigen Höhepunkt der Hexenverfolgung in Franken. 2017, das Jahr des Gedenkens an 500 Jahre Reformation, ist auch das 400. Todesjahr Echters. Während die Evangelischen am Mittelmain feierlich »Fünf Jahrhunderte Reformation« begehen, will das Bistum des Fürstbischofs gedenken - aber nicht, ohne auch die Schattenseiten seines Wirkens zu beleuchten, wie Weihbischof Ulrich Boom im Interview sagt.

Mächtig steht das Denkmal auf der Würzburger Juliuspromenade.
Foto: Fildhaut
   Mächtig steht das Denkmal auf der Würzburger Juliuspromenade.

        

  Welche Bedeutung hat Julius Echter heute für das Bistum Würzburg?

Ulrich Boom: Julius Echter gehört zu den herausragenden Bischöfen der Würzburger Bistumsgeschichte. Fast 44 Jahre war er Landesherr und geistlicher Herr. Er hat wohl wie kein Zweiter die unterfränkische Region geprägt. Sichtbar sind noch heute Flurdenkmäler, Kirchen-, Herrschafts- und Schulbauten. Einrichtungen wie Universität und Sozialstiftungen sind auf diesen Bischof zurückzuführen. Wer durch unser Frankenland fährt, sieht oft schon von Weitem die vielen nach ihm benannten Kirchtürme, die sogenannten Echternadeln. Was da bis in unsere Gegenwart hineinwirkt, fordert zur Selbstbesinnung auf. Und Selbstbesinnung führt eher zu Demut als zu Hoch- und Übermut.

  2017 steht für die Protestanten weltweit im Zeichen von 500 Jahre Reformation. Echter war Gegenreformator - eine Provokation?

Boom: Provokation ...

Nein. Das Reformationsgedenken 2017 kann uns erneut daran erinnern, wer Herr der Kirche und des Glaubens ist. Es sind nicht Papst oder Bischof, Volk oder Landesherren. Jesus Christus ist der Herr. Die Veröffentlichung der Thesen Martin Luthers 1517 war ja der Funke, der übersprang in einer Zeit, in der viele sich fragten: Ist das, wie das Evangelium gelebt wird, vor allem von den Herrschenden, wirklich evangelisch, dem Evangelium treu? Zwischen 1517 und 1617 wurden Reformen angestoßen. 1617 stehen wir am Vorabend des Dreißigjährigen Kriegs, bei dem es um Macht ging. Das Echtergedenken 2017 ist ein Nachdenken darüber, was uns die Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft sagen kann.

Der katholische Würzburger Weihbischof Ulrich Boom.
Foto: Togodumnus / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
   Der katholische Würzburger Weihbischof Ulrich Boom.

        

  Es dürfte aber Evangelische in Unterfranken geben, die ein solches Gedenken nicht besonders angemessen finden ...

Boom: Gewiss wird das so sein. Ich sehe aber auch die Chance bei einer historischen Reflexion der Ereignisse dieses Zeitraums: dass durch die Benennung von Leid und Unrecht das Handeln in der Vergangenheit eben nicht gerechtfertigt wird, sondern die belastende Erinnerung Heilung erfährt. Das Geheimnis der Erlösung ist Erinnerung.

  Sie wollen die Leistungen Echters würdigen. Was ist aus Ihrer Sicht vor allem zu nennen?

Boom: Die Leistungen Echters liegen in den drei Bereichen Liturgie, Diakonie und Verkündigung. Das ist zum einen die Sorge Echters für die würdig gefeierte Liturgie, dazu gehört alles von der Feier der heiligen Messe bis hin zur Verehrung der Mutter des Herrn. Dann seine Sorge für die Kranken und Hilfsbedürftigen. Dafür stehen die Spitäler. Dass es für all das gute, ausgebildete Personen gibt, dafür steht die Universität.

  Werden Sie sich mit Echters Schattenseiten auseinandersetzen?

Boom: Gerade darum geht es. Es gibt doch kein Leben ohne Schatten. Julius Echter war ein Kind seiner Zeit. So sind für die »Echterzeit« auch die Vertreibung von Glaubensgegnern, der Umgang mit den Juden oder die Verfolgung und Hinrichtung vermeintlicher Hexen zu behandeln. Echter war ein großer Förderer der Kunst und Wissenschaft. Dies wird vor allem die Universität zeigen. Die Diözese nimmt den Menschen Julius, den getauften Christen, den Fürsten und Bischof in den Blick.

  Generell: Wie wird des Fürstbischofs gedacht? Historisch-kritisch, emotional? Ein bisschen was von allem?

Boom: Historisch-kritisch und theologisch. Das Logo zum Echtergedenken sagt dies: »Fürst. Bischof. Julius!« Es geht um den Menschen Julius in seiner Zeit. Und dieser Mensch mit seiner Geschichte und den Geschichten, die er gemacht und geschrieben hat, war Fürst und Bischof. Es geht um Urteilen, nicht Verurteilen, um Benennen, nicht Verherrlichen.

  Es gibt auch Forscher, die die Meinung vertreten, dass Echter gar nicht so schlimm war wie sein Ruf.

Boom: Die Belege, die etwa der Wertheimer Archivar Robert Meier gefunden hat, machen das, was in der Echterzeit geschah, ja nicht weniger schlimm. Sie helfen eher, dem Echterbild gerechter zu werden. Er war Landesherr. Durch die Zeugnisse, die da gefunden wurden, erhalten wir einen konkreteren Einblick in diese Person und diese Zeit. Je klarer wir beides erkennen, um so mehr können wir für unser eigenes Handeln daraus lernen.

  Auch die Reformation hatte Schattenseiten. Könnten Protestanten und Katholiken ihre Gedenken nicht miteinander verknüpfen?

Boom: So ist es. Im Gespräch bei der Vorbereitung war und ist die protestantische Seite beteiligt. Umgekehrt genauso. Papst Franziskus sagt: »Trotz unserer Geschichte von Not und Sünde bleibt Gott uns treu und erhört uns.« Ich wünsche mir, dass uns diese Erkenntnis in beiden Gedenken zu Herzen geht und wir dies bezeugen durch unser Leben: bescheiden und demütig.

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Interview: Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 25.05.2016 - 07:13 Uhr

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