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Dieser Artikel: Ausgabe 10/2016 vom 06.03.2016
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Kostbare Erfindung der Natur

Das Museum für zeitgenössische Kunst in Ottobeuren zeigt »Frauenbildnisse«


Es ist eine doppelte Werkschau: Großformatige Frauenporträts der Berliner Künstlerin Elvira Bach und Bilder von Frauen aus verschiedenen Kulturen des Malers und Bildhauers Diether Kunerth sind in dessen Ottobeurer Museum für zeitgenössische Kunst zu sehen.

»Mutter mit Kind im Allgäu« heißt dieses Bild von Diether Kunerth: Der Mensch darf zu seiner Nacktheit und der ihm eigenen Schönheit »vom Kopf bis zur Fußspitze« stehen, sagt der Künstler.
Foto: Eder
   »Mutter mit Kind im Allgäu« heißt dieses Bild von Diether Kunerth: Der Mensch darf zu seiner Nacktheit und der ihm eigenen Schönheit »vom Kopf bis zur Fußspitze« stehen, sagt der Künstler.

        

Inmitten der grünen Wiesenlandschaft sitzt eine Frau auf einem Schemel. Sie ist nackt und hält ihr ebenfalls unbekleidetes Kind im Arm. Das Duo fügt sich wie ein Naturelement in die Landschaft. Nacktheit wird in Dieter Kunerths großformatigem Acrylgemälde »Mutter mit Kind im Allgäu« zur Selbstverständlichkeit. »Die Arme umgreifen nicht nur die Mutter«, erläutert der Künstler das Bild mit seinem idyllischen Aufbau samt Kuh im Hintergrund, »sondern auch die Umgebung; ich will das Verschmelzen des Individuums mit dem Naturkreislauf zeigen.«

Ob mädchenhaft, mütterlich oder verführerisch: Während all seiner Schaffens­perioden hat sich der Maler und Bildhauer Kunerth mit dem Thema Frau befasst. »Frauen sind für jeden Mann etwas Rätselhaftes und außerordentlich interessant«, sagt er. Sich dem Fremden zu nähern und es zu interpretieren, sei Aufgabe der Kunst und könne dort »auf sehr sensible und spannende Weise passieren«.

Der Mensch als Maß der Dinge

Mehr als 900 Frauenbildnisse zählen zum Werk des 1940 in Freiwaldau (Sudetenland) geborenen Malers und Bildhauers. In seiner Kunst will Kunerth das Elementare des Menschen zeigen. Der Mensch als kostbare Erfindung der Natur dürfe zu seiner Nacktheit und der ihm eigenen Schönheit »vom Kopf bis zur Fußspitze« stehen, so Kunerth.

Mehr Gebieterin als Mäuschen: Die Frauen in Elvira Bachs Bildern sind wehrhaft und selbstbestimmt. Der hochhackige Schuh ist eines ihrer beliebten Motive - so wie hier im Bild »Beinarbeit«.
Foto: Eder
   Mehr Gebieterin als Mäuschen: Die Frauen in Elvira Bachs Bildern sind wehrhaft und selbstbestimmt. Der hochhackige Schuh ist eines ihrer beliebten Motive - so wie hier im Bild »Beinarbeit«.

        

Eingebettet in ewig-menschliche Themen wie Selbstbewusstsein, Identität, Geschlechterdrama, Freude und Trauer, spielt der nackte Körper auch bei Elvira Bach eine zentrale Rolle. Häufig stehen im ihrem Werk Sinnlichkeit, Rollenverständnis, Selbstbestimmung und die Sexualität der Frau im Fokus.

Bachs charakteristisch zupackender Malgestus und die meist als wild und prall-sinnlich inszenierte Weiblichkeit wird etwa im Werk »Medusa zieht ihren Strumpf an« (1984) deutlich, in dem sich eine nackte Frau, deren Haare wie Tentakel aus dem Kopf wachsen, umrahmt von Blitzen, ihren schwarzen Strumpf zurechtzupft.

Immer wieder porträtiert sich die Berlinerin, die mit der Einladung zur documenta 7 in Kassel 1982 ihren Durchbruch erlebte, in ihren Werken selbst und wird so zur Chronistin ihres Lebens - vom pulsierenden Leben in den Künstlertreffpunkten der 70er-Jahre über die Einflüsse ihrer Aufenthalte in Afrika bis zu den Mutter-Kind-Porträts.

»Wer Kunst macht, muss konsequent sein«, lautet ein Zitat von Bach. Direkt und kompromisslos kommuniziert auch ihre Kunst. Bach stellt immer wieder den starken Frauentypus in den Mittelpunkt: kräftig, grell geschminkt, mit breiten Schultern und meist mit Stöckelschuhen. Ihre Frauenfiguren sind mehr Gebieterinnen als Mäuschen, tragen Handtaschen und große Ohrringe. In ihren Frauen(selbst)bildnissen wird deutlich: Hier ist jemand wehrhaft, achtungsgebietend, selbstbestimmt.

Der hochhackige Schuh ist dabei ein beliebtes Motiv bei Bach: »Beinarbeit« (2006) heißt dann auch ein großformatiges Gemälde, das eine Frau mit knappem schwarzen Kleid und Zigarette im Mundwinkel beim Bekleiden eines anderen Frauenfußes mit grünem Stöckelschuh zeigt. Bachs Werk bleibe aktuell, heißt es im Ausstellungskatalog, weil der Mensch mit seinem Glauben, seiner Liebe und seiner Hoffnung das Maß aller Dinge sein werde, solange Menschen auf dieser Erde leben.

In Ottobeuren zeigen sich zwei Künstler, die bei aller Unterschiedlichkeit eines gemeinsam haben: Mit ihren Bildern, Skulpturen und Grafiken sind sie dem Geheimnis des Frauseins auf der Spur.

 

  DIE AUSSTELLUNG »Frauenbildnisse« läuft bis 3. April im Museum für zeitgenössische Kunst Diether Kunerth in Ottobeuren. Geöffnet: Do und Fr 11 bis 16 Uhr, Sa und So 12 bis 17 Uhr;  www.mzk-diku.de

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Hanna Eder

 


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abgerufen 31.05.2016 - 02:03 Uhr

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