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Dieser Artikel: Ausgabe 11/2016 vom 13.03.2016
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Selbst gekocht schmeckt besser

In Deutschland wird immer weniger selbst gekocht - die Esskultur darf nicht in Vergessenheit geraten


Was man mit Mühe selbst gekocht hat, wird mehr geschätzt und schmeckt deshalb besser, das ist auch bei Kindern so. Aber viele Eltern und Erzieherinnen wissen nicht einmal, wie man Kräuterquark oder Tomatensuppe zubereitet.

Seit der 14-jährige Julius selbst den Kochlöffel schwingt, werden bei ihm zu Hause plötzlich wieder anspruchsvollere und variationsreiche Rezepte ausprobiert. »Jahrelang hat er eigentlich fast jede Form von Gemüse verweigert, wenn es nicht gerade püriert und damit kaum zu identifizieren war«, sagt seine Mutter (43). Doch dann stieß Julius auf ein Kochbuch des britischen Starkochs Jamie Oliver, den er »ziemlich cool« fand. Und Julius fing an, dessen Rezepte auszuprobieren - mit wachsender Begeisterung. Jetzt isst er alles - solange er es selbst gekocht hat. »Mir schmeckt's dann halt einfach besser«, sagt er.

Julius' Fall bestätigt, was Hobbyköche schon lange wissen und jetzt die Gesundheits- und Ernährungspsychologin Simone Dohle von der Universität Köln wissenschaftlich bewiesen hat: Wer sein Essen selbst zubereitet, dem schmeckt es tatsächlich besser.

Für die Studie wurden 120 Testpersonen auf verschiedene Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bereitete sich einen Shake selbst nach Rezept zu, während er in einer anderen Gruppe von der Studienleiterin gemixt wurde. Die Ergebnisse des Experiments zeigten, dass der Shake den Personen, die ihn selbst zubereitet hatten, besser schmeckte. Dies war vor allem dann der Fall, wenn es sich um einen gesunden Shake handelte.

»Wir glauben, dass es dafür zwei Gründe gibt«, sagt Dohle. »Wenn man selbst Aufwand betreibt und Arbeit investiert, ist die Wertschätzung höher«, erklärt sie. Das lasse sich mit dem sogenannten Ikea-Effekt erklären: Wer ein Möbelteil selbst zusammenbaut, dem gefällt es anschließend besser als ein fertig gekauftes.

Beim Kochen verhält es sich ähnlich. Und zweitens sei man sich bei einer selbst zubereiteten Speise viel bewusster, was drinstecke, sagt die Psychologin. »Das Wissen darüber, dass man vor allem gesunde Zutaten verarbeitet hat, überträgt sich dann auf den Geschmack.«

Dass Selbstgemachtes eine ganz andere Wertschätzung genießt als Fertigprodukte, kann auch Anja Schermer von der Sarah-Wiener-Stiftung bestätigen. »Selbst zubereitete Speisen wecken eine ganz andere Freude und führen zudem zu einem unmittelbaren Erfolgserlebnis. Man denkt: Wow, das habe ich gemacht!«

Dass in Deutschland immer weniger selbst gekocht wird, führt Schermer auf eine in Vergessenheit geratene Esskultur zurück: »In Deutschland dauert das Essen oft nur noch zehn Minuten, man tauscht sich auch nicht mehr dabei aus«, sagt sie. Die Deutschen hätten das vernachlässigt. Lust auf gutes Essen steckt aber ganz tief in uns drin. Das müssen wir nur wieder herauskitzeln.

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Barbara Driessen

 


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abgerufen 01.06.2016 - 01:38 Uhr

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