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Sonntagsblatt 11/ vom

ZEITZEICHEN


Es gibt bekanntlich viele Gründe, warum man froh sein kann, in Bayern zu leben: der weiß-blaue Himmel, das süffige Bier und die fröhlichen Franken. In sonntäglicher Ruhe lässt sich das alles am allergenüsslichsten genießen, sofern die Sonne lacht und man sich im schönen Norden des Freistaats befindet, denn dort ist die Beste-Bier-Dichte nachweislich am höchsten.

Am heutigen Sonntag sollte man der Flüchtigkeit dieses gottgegebenen Privilegs besonders gewahr sein, denn woanders haben's die Menschen nicht so gut wie wir: In gleich drei Bundesländern müssen sie sich aufmachen, aufraffen, aufwallen und die wochenendlichen Leiber zur Landtagswahl schleppen.

Namentlich sind das Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Schlimm dran, wer nicht in Bayern lebt, schlimmer dran, wer so einen greißlichen Doppelnamen sein Eigen nennt.

Wir sehen sie vor uns, die armen Kreaturen, wie sie in den Wahlkabinen sich abmühen und nach der richtigen Stelle fürs Kreuzerl suchen: grün oder schwarz? Rot oder - welche Farbe hat eigentlich die AfD?

Aber wer wählt heute noch Parteien?! Keine Menschin, auch nicht die Bayerin, so sie denn wählen müsste, heute. Es geht immer mehr um die Personin, um die Kandidatin. In Rheinland-Pfalz treten erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zwei Frauen gegeneinander an: Malu Dreyer gegen Julia Klöckner - oder umgekehrt.

Da staunt sogar die Fränkin, die immerhin zweimal die rote Renate in den Kampf um das Ministerpräsidentinnenamt geschickt hat. Verloren hat sie immer gegen den Mann und Bayern Edmund Stoiber.

Was sie heute wohl macht, die Renate Schmidt? Wahrscheinlich im schönen Nürnberg am Fernseher sitzen und mit einem frisch gezapften Seidla der Siegerin zuprosten.

zei