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Dieser Artikel: Ausgabe 11/2016 vom 13.03.2016
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Der Revolutionär

Ein nichtreligiöser Jude will US-Präsident werden - Mit Bernie Sanders deutet sich ein Wandel an


Trotz Vorsprung seiner Konkurrentin Hillary Clinton bleibt Bernie Sanders, linker Präsidentschaftsanwärter der Demokraten, im Rennen. Zuletzt gewann der »nichtreligiöse Jude«, wie er sich selbst nennt, die Vorwahlen in den US-Staaten Maine, Kansas und Nebraska. Und das, obwohl die Wahlkämpfe bisher von Politikern geprägt waren, die auf ihren Glauben pochen.

»Es ist nicht gut, wenn Menschen dem Leid anderer den Rücken zukehren«: Bernie Sanders.
Foto: ddp images
   »Es ist nicht gut, wenn Menschen dem Leid anderer den Rücken zukehren«: Bernie Sanders.

        

Sanders spricht von einer »politischen Revolution«, die er in den USA anzetteln möchte. Doch unabhängig davon, ob das etwas wird, beim Thema »Politik und Glaube« hat er schon jetzt einen Umbruch bewirkt: Der 74-jährige Politiker ist Jude und nach eigenen Angaben nicht religiös.

Der bislang kaum infrage stehende Grundsatz, ein US-Präsident müsse angesichts des tief verwurzelten Christentums selbst Christ sein oder wenigstens »etwas« glauben, hat an Kraft verloren - zumindest in der Demokratischen Partei. Sanders konnte bisher die Vorwahlen in New Hampshire, Maine, Vermont, Oklahoma, Kansas, Nebraska, Colorado, Minnesota für sich entscheiden - auch wenn Ex-Außenministerin Hillary Clinton weiter als Favoritin gilt.

Es sei »geradezu staunenswert«, dass die Religion von Sanders bislang kein großes Thema sei, sagte Religionshistoriker Kevin Kruse in der Washington Post. Sanders sagt zwar, er sei stolz darauf, Jude zu sein, doch habe er keine Nähe zur »organisierten Religion«. Damit liegt er auf der Linie vieler junger Menschen, die sich vom institutionalisierten Glauben distanzieren. Für Sanders begeistern sich besonders Junge, so wie 85 Prozent der unter 30-jährigen Wähler in New Hampshire, wie NBC berichtete.

Keine Nähe zur organisierten Religion

Der Kandidat redet nicht viel über Persönliches. Im Oktober sagte er auf die Frage, ob er an Gott glaube, seine »Spiritualität« sei, dass »es nicht gut ist, wenn Menschen dem Leid anderer den Rücken zukehren«. Bei einer Wahlveranstaltung in Virginia antwortete er auf die Klage einer muslimischen Studentin über islamfeindliche Rhetorik: »Ich bin Jude. Die Familie meines Vaters starb in Konzentrationslagern. Ich werde alles Menschenmögliche tun, um das Schandmal des Rassismus auszumerzen.«

Sanders' Vater Eli immigrierte 1921 aus Polen. Als Kind in einem jüdischen Viertel im New Yorker Stadtteil Brooklyn habe er erfahren, was Geldmangel für eine Familie bedeute. Sanders sei ein »typischer amerikanischer Jude seiner Generation«, kommentierte  tabletmag.com, ein Online-Magazin für jüdische Nachrichten und Kultur: »Die Sandersens wollten Mittelklasse-Amerikaner werden, während sie im Schatten des Holocaust lebten.« 2013 hat Sanders die Heimat seines Vaters besucht, das Städtchen Slopnice.

Mit seiner ablehnenden Haltung zur organisierten Religion steht Sanders im US-amerikanischen Judentum nicht allein da. Ein Fünftel der sechs Millionen Juden in den USA seien säkular, ermittelte das Pew-Umfrage-Institut 2013. Politisch tendieren US-amerikanische Juden stark zur Demokratischen Partei.

Die Vorwahlen gehen im Juni zu Ende, die Präsidentenwahl findet am 8. November statt. Lange kursierten Gerüchte, der nicht parteigebundene frühere Bürgermeister von New York, der Milliardär Michael Bloomberg, werde noch kandidieren, weil er unzufrieden sei mit den republikanischen Anwärtern und mit Sanders' »politischer Revolution«. Auch Bloomberg ist Jude. Wie Sanders ist auch er offenbar kein ausgesprochen religiöser Mensch. Die jüdische Zeitung Forward schrieb, Bloombergs Laufbahn stehe für den »jüdischen Aufstieg auf der wirtschaftlichen Leiter«. In sozialen Fragen wie Abtreibung ist Bloomberg liberal. Sanders hingegen repräsentiert das linke Engagement des 20. Jahrhunderts, dem sich auch viele amerikanische Juden anschlossen.

Bei den Republikanern wird im Wahlkampf viel vom Glauben und von Gott gesprochen. Evangelikale stellen in manchen Staaten die Hälfte der Wähler. Doch auch in dieser Partei werden die Karten neu gemischt. 2012 war Mitt Romney republikanischer Präsidentschaftskandidat, kein Protestant, sondern Angehöriger der Mormonenkirche. Und gegenwärtig liegt laut Umfragen Donald Trump vorn. Er ist dreimal verheiratet, hat Spielkasinos eröffnet und ist nicht einer, der sonntags in die Kirche geht.

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Konrad Ege

 


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abgerufen 30.06.2016 - 08:42 Uhr

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