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Dieser Artikel: Ausgabe 11/2016 vom 13.03.2016
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»Heilsame Unruhe«

Reinhard Marx über den Papst und einen Wandel in der katholischen Kirche


»Der Papst ist der Papst. Punkt. Am Ende entscheidet er«, sagt der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Er sieht den Papst bei Streitfragen in der katholischen Kirche als Garant der Einheit. Im Streit über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen erwartet er ein Statement, das den weltweit unterschiedlichen Gepflogenheiten gerecht wird.

»Es wird nicht alles sofort anders. Kirche wird nicht neu erfunden. Aber es herrscht eine heilsame Unruhe«, sagt Kardinal Reinhard Marx.
Foto: Arne Dedert/dpa
   »Es wird nicht alles sofort anders. Kirche wird nicht neu erfunden. Aber es herrscht eine heilsame Unruhe«, sagt Kardinal Reinhard Marx.

        

  Die Familiensynode im Vatikan im Oktober liegt vier Monate zurück, für März ist das Schlussdokument des Papstes angekündigt. Was erwarten Sie?

Marx: Lassen wir uns überraschen. Der Papst hat mir gesagt, er habe ein umfangreiches Dokument vorbereitet. Ich denke, es wird ausführlich von allem handeln, was Ehe und Familie heute theologisch, pastoral und spirituell bedeutet und sein könnte. Sicherlich wird er auch an die soziale Situation der vielen armen Familien in der Welt erinnern.

  Sie selbst haben dafür plädiert, bei wiederverheirateten Geschiedenen in einer Einzelfallprüfung festzustellen, ob sie zum Sakrament der Buße und der Kommunion zugelassen werden. Ist das nicht zu wenig?

Marx: Es gibt nicht nur die deutsche Wirklichkeit, die katholische Kirche ist eine Weltkirche. Gerade Ehe und Familie sind stark von den je unterschiedlichen sozialen und kulturellen Zusammenhängen geprägt. Deshalb muss jeder Einzelne angeschaut werden. Manche wollen zu schematisch in beide Richtungen Nein und Ja sagen. Aber die Unauflöslichkeit der Ehe, die ein Sakrament ist, kann nicht einfach beiseitegeschoben werden. Wichtig ist, dass nach einem Scheitern Neuanfänge möglich sind.

  Kann der Papst die Weltkirche zusammenhalten?

Marx: Na klar. Dafür haben wir ja den Papst. Es wird natürlich immer diskutiert. Aber zum Schluss sind doch alle Bischöfe der Meinung: Der Papst ist der Papst. Punkt. Am Ende entscheidet er. Er ist so der Garant der Einheit.

  Jüngst hat der Papst gesagt, angesichts des Zika-Virus sei Verhütung das kleinere Übel. Rückt die katholische Kirche allmählich von ihrem strikten Nein zur Empfängnisverhütung ab?

Marx: Er hat eigentlich nichts Neues gesagt. In extremen Situationen, wie angesprochen - auch im Blick auf Aids etwa -, soll verantwortlich für das Leben entschieden werden. Das hat der Papst unterstrichen. Und darüber hinaus gilt auch der Respekt vor der Gewissensentscheidung der Menschen.

  Hat Franziskus eine Zeitenwende eingeleitet?

Marx: In gewisser Weise ja, im Stil und in seinen Prioritäten. Es wird nicht alles sofort anders. Kirche wird nicht neu erfunden. Aber es herrscht eine heilsame Unruhe.

  Sie erleben den Papst regelmäßig auch persönlich. Was beeindruckt Sie an ihm?

Marx: Dass er immer gelassen wirkt. Er weiß, was er will, und ist sich im Inneren sicher. Ich glaube, dass er das Amt gerne ausfüllt. Und mich beeindruckt, was der Heilige Geist bewirken kann: Papst Franziskus hatte zuvor Buenos Aires kaum verlassen, spricht kaum andere Sprachen. Niemand hätte vorher vermutet, welche Explosion von Möglichkeiten sich ereignet, wenn man, wie er, sich ganz einlässt auf das, was Gott mit uns anstellen kann trotz unserer Grenzen und Schwächen.

  In den nächsten zwei Jahren wird der Papst nicht nach Deutschland kommen, haben Sie kürzlich gesagt. Wann kommt er dann?

Marx: Das warten wir in Ruhe ab.

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abgerufen 09.12.2016 - 18:23 Uhr

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