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Dieser Artikel: Ausgabe 11/2016 vom 13.03.2016
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Ich bin hier der Depp

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Frau K. (34) schreibt: »Irgendwie bin ich immer die, die bei uns in der Abteilung die blöden Aufgaben übernimmt. Ich helfe gerne, aber manchmal denke ich: Ich bin hier der Depp.«

Wir sind ein kleines Team in der Abteilung, und eigentlich verstehe ich mich mit allen ganz gut. Aber irgendwie bin ich immer die, die die blöden Aufgaben übernimmt. Anrufe, die keiner erledigen will, schnell noch den Bericht fertig machen, den die Chefin morgen früh braucht, Urlaubstage nehmen, die übrig bleiben, wenn die Kolleginnen mit Kindern sich ausgesucht haben, was für sie passt.

Ich helfe gerne, wenn ich merke, dass andere Unterstützung brauchen, aber manchmal denke ich: Ich bin hier der Depp. Andererseits: Wir hatten letztes Jahr ein paar Monate eine Kollegin, die grundsätzlich erstmal Nein gesagt hat - und diese Frau hat wirklich eine furchtbare Stimmung um sich herum verbreitet. So will ich doch auch nicht sein ...

Frau K. (34)

 

Sie können andere gut verstehen, sich in sie hineinversetzen. Die Chefin, die den Bericht braucht - und Sie verstehen das und bleiben dran, notfalls bis zehn Uhr nachts. Die Kolleginnen mit den schulpflichtigen Kindern - natürlich dürfen die sich ihre Urlaubswochen zuerst aussuchen. Sie nehmen, was übrigbleibt. Und weil die Kollegin am Telefon nie den richtigen Ton findet und das blöd ist für die ganze Abteilung, übernehmen Sie es lieber …

Die Welt aus der Position der anderen verstehen, das ist eine wichtige Begabung, von der die ganze Abteilung profitiert.

Der Vater des Philosophen Sören Kierkegaard hat versucht, seinem Sohn genau das beizubringen. Er lud immer wieder kluge Leute zu Gesellschaften in sein Haus ein. Sein Sohn durfte hinter einem Vorhang die Gespräche belauschen. Als die Gäste gegangen waren, ließ der Vater Sören herauskommen, forderte ihn auf, sich auf die leeren Stühle zu setzen und aus der Sicht dessen, der gerade von diesem Stuhl aufgestanden war, das Gespräch weiterzuführen.

Es ist wichtig, zu lernen, dass man die Welt aus verschiedenen Perspektiven sehen kann. Darauf kommt es an: aus verschiedenen - und damit auch aus Ihrer! Ich habe den Eindruck, dass Sie gerne auf den Stühlen der anderen sitzen bleiben, statt sich, nachdem Sie die Anliegen der anderen verstanden haben, wieder auf Ihren Stuhl zu setzen und aus dieser Perspektive wahrzunehmen, was für Sie wichtig ist.

Etwa mit der Chefin: »Ich kann verstehen, dass Sie den Bericht bis morgen früh fertig haben müssen. Aber ich habe meiner Tochter versprochen (oder einer Freundin oder mir selbst …), dass ich heute Abend pünktlich zu Hause bin. Ich kann morgen früher kommen oder bis heute Abend schon mal eine Skizze schreiben ...«.

Bei der Urlaubsplanung geht es darum, das Interesse der Kolleginnen zu sehen - aber zugleich klar die eigenen Wünsche zu äußern. Und Kompromisse zu finden und so die anderen daran zu gewöhnen, dass Sie auf Ihrem Stuhl sitzen und die Welt und die gemeinsame Arbeit aus Ihrer Perspektive sehen und so viel dazu beitragen, dass die Abteilung gut läuft.

Und vielleicht wäre es ja für alle gut, wenn die anderen beim Telefonieren was dazulernen, denn Sie sind schließlich nicht immer da, wenn's unangenehm wird am Telefon ...

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 24.05.2016 - 15:43 Uhr

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