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Dieser Artikel: Ausgabe 11/2016 vom 13.03.2016
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Eingestürzte Kirchenburgen

Siebenbürgen: Zwei Unglücke binnen einer Woche - gefährdetes Kulturerbe


Binnen kurzer Zeit sind in Siebenbürgen zwei historische Kirchenburgen eingestürzt. Die Vorfälle machen deutlich, wie gefährdet das kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen in Rumänien ist.

Die Kirchtürme in Radeln bei Kronstadt ...
Foto: Ungar
   Die Kirchtürme in Radeln bei Kronstadt ...

        

Die baulichen Wurzeln der Kirchenburg von Radeln (Roade) liegen im 14. Jahrhundert. Die Sanierung des Baus mit EU-Fördermitteln war bereits geplant, zumal dort schon seit Jahren Risse am Glockenturm sichtbar waren. Der Ort gilt durch das Wirken der Tabaluga-Stiftung des aus Siebenbürgen stammenden Sängers Peter Maffay als hoffnungsvolles Beispiel, wie siebenbürgisches Kulturgut erhalten und belebt werden kann. Mitte Februar brach ein Teil der Kirchturmmauer heraus und hinterließ ein etwa zehn Meter großes Loch.

Etwa eine Woche später fiel auch in Rothbach (Rotbav) im Burzenland der 60 Meter hohe Kirchturm in sich zusammen. Auch ein Teil des Kirchenschiffs stürzte ein, Glocken und Orgel liegen unter Trümmern. Ob die historische Orgel zu retten ist, muss noch geklärt werden. Im Fall von Rothbach dürfte die Lage an einer stark befahrenen Europastraße die Ursache der Katastrophe sein, gab die Pressestelle der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien bekannt. An beiden Orten sind Expertenkommissionen tätig, die die Einsturzursache und mögliche Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen klären sollen.

Bei einer Pressekonferenz der evangelischen Kirche in Kronstadt wurde deutlich, dass vor allem für die Kirche in Radeln gute Erhaltsaussichten bestehen. Was Rothbach angeht, zitierte die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien jüngst den mit der Untersuchung betrauten Architekten Emil Crisan: Es bestehe zwar die Möglichkeit, den Turm komplett zu restaurieren, dies werde aber lange Zeit dauern: »Praktisch muss man fast von null beginnen. Technisch ist es möglich, es bleibt aber das Geldproblem.«

... und in Rothbach sind vor wenigen Wochen eingestürzt.
Foto: Ungar
   ... und in Rothbach sind vor wenigen Wochen eingestürzt.

        

Inzwischen hat der Abgeordnete Ovidiu Gant des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) mehrere Anfragen an das rumänische Parlament gerichtet. So sollen umgehend staatliche Maßnahmen ergriffen werden, um eine Konservierung und Wiederherstellung der aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammenden Baudenkmäler zu sichern, da die Evangelische Kirche in Rumänien über die hierfür benötigten Geldmittel nicht verfüge. Hierzu sollen nach den Vorstellungen des Abgeordneten Geldmittel aus einem Notfonds der Regierung bereitgestellt werden.

Beide Gemeinden sind zu klein, um für die Kosten der Sanierungen selbst aufzukommen. In Radeln sind noch 42 Einwohner evangelisch, in Rothbach zwölf. Insgesamt existieren in Rumänien im Besitz der evangelischen Kirche noch rund 160 Kirchenburgen, die aber das Leistungsvermögen der kleinen Kirche, die 1990 den größten Teil ihrer Mitglieder durch Auswanderung nach Deutschland verlor, weit übersteigt. Heute leben in Rumänien noch rund 13.000 evangelische Siebenbürger Sachsen.

Sieben der siebenbürgischen Kirchenburgen stehen inzwischen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes: Birthälm, Kelling, Dersch, Tartlau, Keisd, Wurmloch und Deutsch-Weißkirch. 18 weitere wurden im Rahmen eines EU-Projekts in den Jahren 2010 bis 2012 saniert. Mit Initiativen wie dem »Kirchenburgenpass« versucht die evangelische Kirche, die touristische Erschließung der Kirchenburgen voranzutreiben und kulturelles Interesse bei der rumänischen Bevölkerung zu wecken. Vielfach wurden historische Kirchenburgen auch in die Obhut anderer Glaubensgemeinschaften wie etwa der ungarisch-reformierten Kirche gegeben, um ihren Erhalt zu sichern.

Die seit Herbst 2015 bestehende Stiftung »Kirchenburgen« hat für beide gefährdeten Kirchen Spendenkonten angelegt, um Bergungs- und Sicherungsmaßnahmen zu unterstützen.

 

  INTERNET:  www.evang.ro und  www.kirchenburgen.ro

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abgerufen 03.12.2016 - 14:40 Uhr

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