Home Artikel-ID: 2016_11_25_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 24.08.2016
Aktuelle Ausgabe: 34 vom 21.08.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 11/2016 vom 13.03.2016
Alle Artikel der » Ausgabe 11/2016 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Vom Tod gezeichnet

Das Kasseler Museum für Sepulkralkultur zeigt die morbide Karikaturenschau »Einer geht noch«


»Ins Gras beißen« oder »den Löffel abgeben«: Der Volksmund kennt viele Sprachbilder mit Wortwitz für Sterben und Tod. Eine Sonderausstellung im Kasseler Museum für Sepulkralkultur zeigt noch bis zum 5. Juni Cartoons und Karikaturen »auf Leben und Tod«.

Ein wunderlicher Friedhofsgang aus der Feder von Christiane Lokar alias Kittihawk - eine von 160 Arbeiten in der Karikaturen-Ausstellung »Einer geht noch«.
Foto: Sepulkralmuseum
   Ein wunderlicher Friedhofsgang aus der Feder von Christiane Lokar alias Kittihawk - eine von 160 Arbeiten in der Karikaturen-Ausstellung »Einer geht noch«.

        

Gelegentlich auch die humorige Seite dieses ernsten Themas zu zeigen - das gehört seit Museumseröffnung anno 1992 zum Konzept. Die Idee dahinter: »Sobald man über etwas lachen kann, verliert es seinen Schrecken.«
Gleich die Auftaktausstellung »Schluss jetzt!« sollte das damals deutlich machen.

An sie knüpft das Museum nun mit der Sonderausstellung »Einer geht noch - Cartoons und Karikaturen auf Leben und Tod« bewusst an, wie Martin Sonntag erläutert. »Auch um zu zeigen, was sich seitdem verändert hat im Umgang mit der Thematik«, sagt der »Einer geht noch«-Kurator, der zugleich die Kasseler »Caricatura« leitet, damals wie jetzt wieder Kooperationspartner des Museums.

Die Handschrift dieser im Untertitel »Galerie für komische Kunst«, wie seine Visitenkarte ausweist, wird gleich am Eingang zur Sonderschau deutlich. »Bitte abtreten«, fordert ein finsterer Sensenmann auf der Fußmatte bereits an der Türschwelle der Ausstellungsräume den Besucher einzweideutig auf. Welcher unversehens gruselgrinst, während er sein Schuhwerk zur Säuberung, wie seit Kindertagen gewohnt, im Wechsel ein paarmal vor- und zurückschiebt. Und damit an diesem nasskalten Tag sichtbare Spuren von Straßenschmutz auf Gevatter Tods dunkler Kutte hinterlässt. Spielt die Wort-Bild-Kombination zu seinen Füßen doch ersichtlich mit dem Zweitgedanken, das Ganze auch als »Einladung« auffassen zu können, möglichst umgehend dahinzuscheiden. Doppeldeutigkeit, wie sie dem Betrachter der 160 Exponate 33 namhafter deutscher Überzeichner - darunter Til Mette, Ari Plikat und Martin Perscheid - mehrfach begegnet.

»Von Nonsens bis hin zu schwarzem Humor« (Sonntag) spannt sich der Bogen der mit feinem bis starkem Strich von schwarzweiß bis bunt zur Schau gestellten Illustra­tionen. Friedhofs- und Grabthemen werden dabei ebenso der Lächerlichkeit preisgegeben wie Mord und Selbstmord, Krankenkassen und Krankenhaus, Apokalypse und Amoklauf.

Mit dem Hinweis »Zur Hölle und zur Apokalypse bitte nach oben« führt Sonntag den Besucher hinauf in die erste Etage. Dort findet sich im wahren Wortsinn ein plastisches Beispiel für die humorvolle Umsetzung der Friedhofsthematik. Ein »Skulptoon« - so nennt das nach einer Cartoon-Vorlage geschaffene Gebilde sein Schöpfer Siegfried Böttcher sinnig - zeigt da einen tristen Miniatur-Friedhof, dessen Grabsteinaufschriften unterschiedliche Lebenseinstellungen und Weltanschauungen der Verblichenen aufs Korn nehmen.

»Bin kurz weg« steht etwa auf dem des Buddhisten in Anspielung auf dessen Überzeugung, es bedürfe mehrerer Wiedergeburten bis zur endgültigen Erlösung. »Gute Besserung« heißt es auf dem des Optimisten, der von der Lebensbühne abgetreten ist, und mit »Game over« wird da eines Computerfreaks gedacht, der seiner Leidenschaft nun nicht mehr frönen kann. Etwas Farbe kommt ins Spiel bei dem ums Leben gekommenen Formel-1-Piloten. Seinen Grabstein zieren mehrere Werbeaufkleber, und auf seinem Grab liegt ein Schutzhelm. Die Grabstätte eines Christenmenschen sucht der Betrachter allerdings vergebens. Oder verbirgt der sich hinter dem Optimisten?

Wieder zurück im Erdgeschoss findet sich manches aus der digitalen Welt in den Abbildungen wieder. Da sinniert auf einem Cartoon etwa der Sensenmann vor einem Laptop sitzend: »Schon wieder zwölf Freunde bei Facebook verloren ... Gefällt mir.« Ein anderes zeigt eine betagte Dame mit Rollator, deren Navigationsgerät am Friedhofseingang vermeldet: »Sie haben Ihr Ziel erreicht.«

Darüber wird man noch schmunzeln, vielleicht lachen können. Buchstäblich im Hals stecken bleibt ein Lachen dem Betrachter aber, wenn das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer, Selbstmordattentate islamistischer Extremisten oder Amokläufe karikiert werden. So manche Geschmacksgrenze dürfte das überschreiten, was dazu in der Sonderausstellung zu sehen ist. Doch solche Grenzen verschieben sich, wie Sonntag weiß. »Die Omi, die umgefahren wird, hätte 1992 zu einem Aufschrei geführt.«

 

  »Einer geht noch. Cartoons und Karikaturen auf Leben und Tod.« Noch bis 5. Juni im Museum für Sepulkralkultur Kassel,  www.sepulkralmuseum.de. Öffnungszeiten: Di und Do bis So 10-17 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr. Jeden Mi um 18 Uhr öffentliche Führung.

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

Uwe Herrmann

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2016_11_25_01.htm
abgerufen 24.08.2016 - 19:54 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

#nächstenliebejetzt: die Aktion gegen Hass und Angst des Evangelischen Presseverbands für Bayern, dem Verlagshaus des Sonntagsblatts

»Das Paradies«: Jetzt das neue THEMA-Magazin bestellen!

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!