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Dieser Artikel: Ausgabe 11/2016 vom 13.03.2016
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Herr Martin im Hier und Jetzt

Die Kaufbeurer Ausstellung »Luther reicht nicht« hinterfragt Glaube, Religion und Reformation


In mehr als 80 Werken gehen zeitgenössische Künstler der Frage nach, wie sich die zentralen Gedanken von Reform und Reformation in die Gegenwart übertragen lassen.

»Studie für eine Kreuzigung« heißt dieses Bild des albanischen Künstlers Adrian Paci: Die Ausstellung stellt Althergebrachtes infrage und setzt dem neue Sichtweisen entgegen.
Foto: Eder
   »Studie für eine Kreuzigung« heißt dieses Bild des albanischen Künstlers Adrian Paci: Die Ausstellung stellt Althergebrachtes infrage und setzt dem neue Sichtweisen entgegen.

        

»Herr Martin« hängt im ersten Stock des Kunsthauses Kaufbeuren. Mit dem Titel ist Martin Luther gemeint. Das »digitale Gemälde« des Reformators verweist auf die Galionsfigur der Ausstellung »Luther reicht nicht«, die derzeit im Kunsthaus zu sehen ist. Das Bild zeigt das wohl geläufigste Porträt Luthers, im Hintergrund sind »Adam und Eva« zu sehen. Es sind bekannte Motive von Lucas Cranach dem Älteren (um 1472-1553), die sich in dem Werk der in Wien lebenden Künstlerin Dorothee Golz verbinden und die beiden Figuren Luther und Cranach zusammenbringen.

Golz kombiniert dazu Elemente zuvor fotografierter Gesichter so lange am Computer, bis eine Ähnlichkeit zur malerischen Vorlage entsteht. Das Gemalte wird so in das Medium der Fotografie übertragen. Wie Luther stand auch Cranach in seiner Zeit für Aufbruch und Reform - zwar nicht als Theologe, aber als bildender Künstler und einer der bedeutendsten deutschen Maler der Renaissance.

Mehr als 80 höchst unterschiedliche Werke der Malerei, Plastik, Fotografie und Videokunst sind in der aktuellen Schau in Kaufbeuren zu sehen. Werke junger Künstler stehen neben etablierten Vertretern der Gegenwartskunst wie Siegfried Anzinger, Adrian Paci und Tobias Trutwin. »Sie alle eint das zentrale Anliegen, Glauben und Spiritualität als Thema der bildenden Kunst entlang der gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit auf ihre Darstellungsmechanismen hin zu überprüfen«, so die Ausstellungsmacher.

Luther als Sinnbild für Aufbruch

»Die Ausstellung reflektiert, wie sich Gefühle des Aufbruchs fast 500 Jahre nach der Reformation in unserer Zeit manifestieren und wie sie von Künstlerinnen und Künstlern aufgenommen sowie bildnerisch verarbeitet werden«, erklärt Kurator Jan T. Wilms, der seit Mai 2015 die Leitung des Kunsthauses innehat. Mit der Schau wolle man sich auf Luthers Ansätze zurückbesinnen und sie in einer neuen Form weiterentwickeln.

Adam, Eva und Luther: Das digitale Gemälde »Herr Martin« von Dorothee Golz verbindet Fotografie und Malerei.
Foto: Eder
   Adam, Eva und Luther: Das digitale Gemälde »Herr Martin« von Dorothee Golz verbindet Fotografie und Malerei.

        

Immer wieder werden in der Ausstellung Umkehrungen vorgenommen. In »Vater und Tochter« etwa inszeniert die in Mailand lebende Künstlerin Julia Krahn eine ungewöhnliche Pietà. Krahn selbst nimmt auf der Fotografie die Position der Gottesmutter ein. Ihr Vater ruht dabei in weißen Stoff gehüllt auf ihrem Schoß. Die in Graz geborene Künstlerin Lena Knilli kombiniert Schnittmuster von Wäschestücken mit Grundrissen barocker Kirchen. Und Jürgen Wolf stellt einen an Land gestrandeten Kutter in den Mittelpunkt, der bei Wind und Wetter dem Verfall anheimfällt. Ein unauffälliges Schild verweist auf den Namen des vergessenen Schiffs: »MS Luther«.

»Wir leben heute in einer Zeit der globalen Neuorientierung mit verschiedensten Lebensentwürfen«, betont Wilms. Sowohl in der Kunst als auch im Glauben müsse man sich daher der Notwendigkeit der Weiterentwicklung stellen und ähnlich wie in der Zeit des Aufbruchs, in der Luther seine Thesen an die Wittenberger Schlosskirche schlug, Altes hinterfragen und ihm neue Werte entgegensetzen. Luther stehe in der Schau sinnbildlich für Aufbruch und Neuorientierung.

Verantwortlich für die Ausstellung ist der Arbeitskreis Kirche und Kunst Unterfranken der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, der die Schau in Zusammenarbeit mit der Diözese Würzburg entwickelt hat. Die Wanderausstellung war zuerst im Kreuzgang des Würzburger Doms zu sehen und wurde nun in Kaufbeuren um zahlreiche Leihgaben ergänzt. So gelingt es in Kaufbeuren, ein eigenes Profil zu entwickeln - und nicht nur eine reine Adaption zu zeigen. Wilms: »Auch hier trägt die Ausstellung den Gedanken von Veränderung und Reformation weiter.«

 

  ÖFFNUNGSZEITEN 11 bis 18 Uhr; Do 10 bis 20 Uhr. Telefon (0 83 41) 86 44. Mehr Infos im Internet unter  www.kunsthaus-kaufbeuren.de

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Hanna Eder

 


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abgerufen 24.05.2016 - 21:31 Uhr

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