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Dieser Artikel: Ausgabe 12/2016 vom 20.03.2016
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Grenzland mit Toleranzgeschichte

Die historische Landschaft Siebenbürgen gehört erst seit gut 100 Jahren zu Rumänien.


In Siebenbürgen, am Ende der europäischen Welt, wurde religiöse Toleranzgeschichte geschrieben. Fakten zu einer historischen Landschaft, die in mancherlei Hinsicht Grenzland war.

Viele Denkmäler, wenig Menschen: die Kirchenburg von Deutsch-Weißkirch (Viscri) im Morgennebel.
Foto: PD
   Viele Denkmäler, wenig Menschen: die Kirchenburg von Deutsch-Weißkirch (Viscri) im Morgennebel.

        

DIE HISTORISCHE LANDSCHAFT Siebenbürgen gehört erst seit gut 100 Jahren zu Rumänien. Zuvor war das Land mal Teil des Königreiches Ungarn, mal Fürstentum unter türkischem Dach oder habsburgische Provinz gewesen. Siebenbürgen war Grenzland, in dem vielerorts die Dorfkirche Mittelpunkt einer kleinen Festung war, ein Sinnbild für die hier besonders enge Verwobenheit von Kirche und Welt. In Siebenbürgen lebten Ungarn und Deutsche, Armenier und Walachen, Roma und Türken, Bulgaren und Juden friedlich nebeneinander.

DIE KONFESSIONELLEN GRENZEN waren identisch mit den ethnischen: Die deutschen Siebenbürger Sachsen, die seit dem 12. Jahrhundert auf Einladung des ungarischen Königs das Land besiedelt hatten, waren mit der Annahme der »Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen« des Kronstädter Pfarrers Johannes Honterus um 1550 geschlossen zum Luthertum übergegangen, die Ungarn und Szekler schlossen sich der helvetischen Reformation Johannes Calvins an, die Rumänen waren orthodox.

Blick auf die Fogarascher Berge: Kirchenburg von Holzmengen östlich von Hermannstadt.
Foto: El bes / CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
   Blick auf die Fogarascher Berge: Kirchenburg von Holzmengen (Hosman) östlich von Hermannstadt (Sibiu).

        

DASS DIE REFORMATION so gut Fuß fassen konnte, lag an dem machtpolitischen Vakuum, das Siebenbürgen wie weite Teile des alten Königreiches Ungarn im frühen 16. Jahrhundert erlebte: Nach der Schlacht bei Mohács anno 1526 herrschten die Türken in weiten Teilen Ungarns, Siebenbürgen wurde zu einem quasi-autonomen Fürstentum, dessen Herrscher insbesondere in religiösen Angelegenheiten große Spielräume besaßen.

WÄHREND IM HEILIGEN RÖMISCHEN REICH seit 1555 das bedingt tolerante Konfessionsprinzip »cuius regio, eius religio« galt, das aber nur Katholiken und Lutheraner einschloss, bestand in Siebenbürgen schon seit 1568 ein Gesetz über die freie Ausübung der Religionen, zu denen auch Reformierte und Unitarier gezählt wurden. Orthodoxe, die nicht als eigene »Nation« im Landtag vertreten waren, wurden toleriert. Hier, am Ende der europäischen Welt, wurde Toleranzgeschichte geschrieben.

Die Kirchenburg von Deutsch-Weißkirch (Viscri).
Foto: Vargatamas / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
   Die Kirchenburg von Deutsch-Weißkirch (Viscri).

        

AUF RUMÄNISCH heißt die historische Landschaft Siebenbürgen »Ardeal«. Das Wort stammt aus dem Ungarischen: »Erdély« sagen die Magyaren zu dem Land, wo sie an vielen Orten lange die Bevölkerungsmehrheit stellten. Das heißt nichts anderes als »jenseits des Waldes«. Auch die lateinische Bezeichnung »Transsilvanien« rührt vom ungarischen Landesnamen her. Der Wald, hinter dem Siebenbürgen liegt, ist - ganz aus ungarischer Perspektive - das westkarpatische Apuseni-Gebirge, das die ungarische Tiefebene vom siebenbürgischen Becken trennt.

UND DER DEUTSCHE NAME »SIEBENBÜRGEN«? Wo der herkommt, darüber streiten die Gelehrten. Eine gängige Theorie führt die Herkunft des Namens auf sieben von deutschen Siedlern gegründete Städte zurück: Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz, Schäßburg, Mühlbach, Broos und Klausenburg. Eine andere vermutet hinter dem Namen die »Sieben Stühle«, Einheiten der ungarischen Gerichtsbarkeit: Jeder »Stuhl« stand für einen Richter, der direkt dem ungarischen König unterstellt war.

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abgerufen 29.05.2016 - 15:19 Uhr

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