Home Artikel-ID: 2016_12_15_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 25.06.2016
Aktuelle Ausgabe: 25 vom 19.06.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 12/2016 vom 20.03.2016
Alle Artikel der » Ausgabe 12/2016 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Ich, ich und nochmals ich

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Zählen Rücksichtnahme auf andere Menschen, Nächstenliebe und Mitgefühlheute gar nichts mehr?

Zu meiner Erziehung gehörte immer die Rücksichtnahme auf andere Menschen, gehörten Nächstenliebe und Mitgefühl. Mich stört sehr, dass ich das heute nur noch wenig wahrnehme. Vor allem bei jüngeren Leuten. Alles scheint auf das Ich konzentriert, alles sich am Individuum zu orientieren.

Ist das jetzt schon eine Alterserscheinung, dass ich mich so sehr an solchen Dingen reibe? Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Kreisen um das eigene Ich zu einem erfüllten Leben führen kann. Gut, vielleicht ist der Gedanke früher zu kurz gekommen, dass ich auch an mich selbst denken darf.

Dennoch, die Ich-Zentrierung finde ich oberflächlich und unmenschlich. Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat es neulich, als ich in einem Andachtsbuch die Anregung fand, sich doch jeden Morgen die Worte vorzusprechen: »Ich bin gut, ich bin schön, ich bin wichtig.« Wer oder was tickt jetzt hier nicht ganz richtig?

Frau M.

 

Mit Ihrer Kritik sind Sie nicht allein. Viele beobachten mit Sorge die Individualisierung, von der Sie sprechen. Schon vor Jahren mokierte sich Der Spiegel in einer Titelgeschichte über den »Tanz um das goldene Ich«. Einer der großen Soziologen unserer Zeit, Ulrich Beck, spricht von der »Gesellschaft der Ichlinge«.

Dabei zeichnen Sie eine Entwicklung nach, die ich ähnlich empfinde. Rücksichtnahme, Nächstenliebe, Mitgefühl gehörten lange Zeit ganz fraglos zu unseren grundlegenden Werten. Ein bisschen zu kurz kam dabei sicher die Selbstliebe, kam die Achtsamkeit für die eigene Person, auch für die eigenen Grenzen. Kein Wunder, dass vor allem Menschen in helfenden Berufen, Schwestern, Pfarrer, Ärztinnen, Lehrer, Erzieherinnen am frühesten spürten, wie sehr sie sich immer wieder selbst überforderten. Ganz einfach, weil eine Balance fehlte.

Heute scheint sich das Pendel zum anderen Extrem hin zu bewegen. Das Ich tritt in den Vordergrund und erfährt eine Überbetonung. Dies übrigens nicht nur bei jungen Leuten. Jugendliche Egozentrik und seniler Eigensinn scheinen mir gleichermaßen verbreitet.

Aber egal, Sie sprechen von einem erfüllten Leben. Zu einem erfüllten Leben gehört ganz sicher eine Hinwendung, die über den eigenen Lebenskreis hinausweist. Das kann ein soziales Engagement sein, das kann ein ökologisches Engagement sein, das kann ein Engagement im Karitativen sein. Für die einen ist es die Nachbarschaft, für die anderen die Kirchengemeinde, für dritte der Naturschutz oder die Entwicklungshilfe.

Immer geht es darum, aus der Selbstverkrümmung, wie es Luther so trefflich nennt (lat. »incurvatus in se ipsum«), herauszufinden. Die wichtigsten Wege dazu heißen Mitgefühl, Solidarität und Liebe.

Wunderschön sagt es Bertolt Brecht in einem seiner Gedichte: »Denn alle Kreatur braucht Hilf' von allen«. Von unserem Glauben her wissen wir, dass jeder Mensch unendlich wichtig und jedes Leben unendlich kostbar ist. Wir wissen auch, dass Leben nur im Miteinander und Füreinander gelingt und dass dazu die Bereitschaft gehört, auch einmal »des anderen Last zu tragen« ( Galater 6, 2).

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

Eine » Übersicht aller Sonntagsblatt - Sprechstunden finden Sie » hier...

 

 

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Waldemar Pisarski

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2016_12_15_01.htm
abgerufen 25.06.2016 - 12:26 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

Anzeigen

»Die Zehn Gebote«: Jetzt das neue THEMA-Magazin bestellen!

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!