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Dieser Artikel: Ausgabe 12/2016 vom 20.03.2016
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Vom Krieger zum Mann

Personen der Bibel (63): David - Wie ein junger Hirte zum König wird


Der kluge Kleine besiegt den starken Großen: Dafür ist die Geschichte von David und Goliath ein Sinnbild. Der hübsche Hirtensohn David mit Sinn für Musik wurde heldenhafter Freischärler und schließlich König Israels. Im Alter schildert die Bibel ihn als liebevollen Vater, der bitterlich um den Verlust seines Sohns weinte.

David der Krieger - in der berühmten Darstellung Michelangelos. Die Bibel erzählt auch von David als Ehemann, Liebhaber und Vater.
Foto: Rico Heil / GNU-FDL/CC BY-SA 3.0
   David der Krieger - in der berühmten Darstellung Michelangelos. Die Bibel erzählt auch von David als Ehemann, Liebhaber und Vater.

David war der jüngste Sohn eines Hirten. Sein Vater wird bei Davids Geburt kaum damit gerechnet haben, dass sein Sohn einmal König ganz Israels werden könnte. Doch die außergewöhnliche Kombination zweier gegensätzlicher Talente verschaffte David schon früh Zugang zum Königshof: Ein besonders einfühlsamer Musiker soll David gewesen sein - später wurden ihm viele der Psalmen zugeschrieben - und auch ein Mann voll unerschrockenen Heldenmuts. Die Boten König Sauls hatten jemanden gesucht, der Harfe spielen konnte, und brachten den jungen Mann an den Hof.

Schnell lernte König Saul die Begabungen Davids schätzen. Mit seinem Harfenspiel vermochte David Sauls Depressionen zu lindern: »Sooft der böse Geist von Gott über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So wurde es Saul leichter und es ward besser mit ihm und der böse Geist wich von ihm« ( 1. Samuel 16, 23), berichtet die Bibel. Außerdem erwies David Saul gute Dienste im Kampf gegen die feindlichen Philister. Ja, der schmächtige junge Mann, dem nicht einmal eine Rüstung passte, soll den Riesen Goliath sogar mit nur einem einzigen Stein aus seiner Schleuder niedergestreckt haben!

Schnell stieg David zum Heerführer auf und wurde erfolgreicher als Saul. Das weckte Neid und Eifersucht. Immer öfter ließ Saul seine Launen an David aus und trachtete ihm schließlich sogar nach dem Leben. David floh, sammelte Männer um sich, »die in Not und Schulden und verbitterten Herzens« ( 1. Samuel 22, 2) waren, und lebte als Freibeuter in der Wüste. Zweimal hatte er die Gelegenheit, Saul zu töten, doch er verschonte den König und freundete sich stattdessen mit dem Philisterkönig Achisch an, gegen dessen Leute er bisher so erfolgreich gekämpft hatte. Auch in seinen Diensten errang David als Heerführer Sieg um Sieg.

Erst als Saul gestorben war, wurde David, der inzwischen mehrere Frauen hatte, König über Juda, den einen Teil des Landes. Sechs Frauen schenkten ihm jeweils einen Sohn. Wie es David mit seinen kleinen Kindern erging, verrät die Bibel nicht. Er scheint vollauf mit weiteren Heldentaten beschäftigt gewesen zu sein. König über ganz Israel wurde er nun. Er holte die Bundeslade, das größte Heiligtum seines Volks, nach Jerusalem. Und er kämpfte und gewann wie eh und je gegen Philister, Moabiter und Ammoniter.

Eines Abends spazierte David auf dem Dach seines Hauses herum. »Da sah er eine Frau sich waschen; und die Frau war von sehr schöner Gestalt. Das ist doch Batseba, die Frau Urias« ( 2. Samuel 11, 2), erfuhr er. Draufgängerisch wie immer ließ er die Frau sofort holen. »Und die Frau ward schwanger.« ( 2. Samuel 11, 4f.) Nun hatte David ein Problem.

Um zu verhindern, dass der Ehebruch aufflog, ließ er Uria von einem Feldzug zurückrufen und versuchte, ihn dazu zu überreden, sich Zeit mit seiner Frau zu gönnen. Uria aber fieberte nur auf den nächsten Kampf hin. An Liebesnächte dachte er nicht - nicht einmal als David ihn betrunken machte. Die Zeit drängte, bald würde Uria merken, dass da etwas faul war. Da fasste David einen unglaublichen Entschluss. Er befahl seinen Leuten: »Stellt Uria vorne hin, wo der Kampf am härtesten ist, dass er erschlagen werde und sterbe.« ( 2. Samuel 11, 15) Kurz darauf starb Uria im Kampf. Nachdem Batseba die offizielle Trauerzeit hinter sich hatte, nahm David sie zur Frau und sie gebar ihm einen Sohn. Problem geschickt gelöst?

Nein. Denn »dem Herrn missfiel die Tat, die David getan hatte«. ( 2. Samuel 11, 27) David erfuhr von einem Propheten, dass Gott ihm zur Strafe den kleinen Sohn wieder nehmen werde. Als der Sohn todkrank wurde, betete David verzweifelt zu Gott, fastete und schlief nachts auf dem Fußboden. Niemand konnte ihn dazu überreden, aufzustehen oder wieder etwas zu essen. Doch kein Beten und Flehen half. Nach sieben Tagen starb sein Sohn.

»Die Männer Davids fürchteten sich, ihm zu sagen, dass das Kind tot sei.« ( 2. Samuel 12, 18) David merkte allerdings, dass die Männer tuschelten, und wusste sofort, was geschehen war. Allerdings schien ihn das nun gar nicht mehr zu stören. Er stand auf, machte sich frisch, betete zu Gott und aß etwas. Seine Leute wunderten sich: »Als das Kind lebte, hast du gefastet und geweint; nun es aber gestorben ist, stehst du auf und isst?« ( 2. Samuel 12, 21) Da antwortete David ihnen seelenruhig: Als das Kind noch lebte, habe ich gedacht, ich kann seinen Tod verhindern, aber nun ist es tot und ich kann es nicht mehr zurückholen. Statt um den Verlust seines Sohns zu weinen, tröstete er Batseba und schlief mit ihr. Die beiden zeugten einen weiteren Nachkommen, den sie Salomo nannten.

Erst im Alter konnte David trauern

Hielt David Trauer um ein kleines Kind für unmännlich? Oder trauerte er innerlich und zeigte seinen Schmerz nur nicht? Die Bibel lässt diese Fragen offen.

Auch ein zweites Ereignis nahm David seltsam emotionslos zur Kenntnis. Eine der Töchter Davids hieß Tamar; deren Halbbruder Amnon verliebte sich in sie. Um die Nähe der Verehrten zu erschleichen, legte er sich in sein Bett und stellte sich krank. David besucht den Sohn und Amnon verlangte von ihm: »Lass doch meine Schwester Tamar kommen, dass sie vor meinen Augen einen Kuchen oder zwei mache und ich von ihrer Hand nehme und esse.« ( 2. Samuel 13, 6) David ließ seine Tochter sofort rufen. Doch als Tamar ihrem Bruder die frischen Kuchen reichte, packte der sie, obwohl sie sich wehrte, »überwältigte sie und wohnte ihr bei«. ( 2. Samuel 13, 14) Gleich danach »wurde er ihrer überdrüssig, sodass sein Widerwille größer war als vorher seine Liebe. Und Amnon sprach zu ihr: Auf, geh deiner Wege!«. ( 2. Samuel 13, 15)

Alexandre Cabanel (1823-1889), Tamar und Absalom.
Foto: PD
   Alexandre Cabanel (1823-1889), Tamar und Absalom.

        

Als David von der Vergewaltigung erfuhr, wurde er zwar »sehr zornig« ( 2. Samuel 13, 21), tat Amnon aber »nichts zuleide, denn er liebte ihn, weil er sein Erstgeborener war«. ( 2. Samuel 13, 21) Während der Vater über die Sache wegzusehen schien, wuchs in seinem dritten Sohn Absalom der Hass auf den Bruder, der Tamar so gequält hatte. Er ließ Amnon umbringen.

Das Verhältnis Davids zu Absalom war gespalten. Immer wieder zettelte der Sohn Machtkämpfe mit dem Vater an, worauf der alternde Held David stets nachgiebig reagierte.

Natürlich war David entsetzt über den Tod seines Erstgeborenen, auch weinte er diesmal über den Verlust, doch er tat wie so oft - nichts. Drei Jahre lang grollte er Absalom im Stillen, dann aber begann er Absalom zu vermissen. Trotzdem dauerte es noch mehrere Jahre, bis die beiden sich versöhnten. Der Friede hielt allerdings nicht lange an, schon bald darauf versuchte Absalom, den Vater beim Volk unbeliebt zu machen und vom Thron zu stürzen. Es kam zu offenen Kämpfen, in deren Verlauf Absalom starb.

Als David vom Tod seines Sohnes hörte, »erbebte der König … und weinte« und rief voller Verzweiflung: »Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wollte Gott, ich wäre für dich gestorben!« ( 2. Samuel 19, 1) Diesmal ließ David seiner Trauer über das verlorene Kind freien Lauf.

Die Geschichte des Helden, der am Ende seines Lebens offen zu trauern lernte, kann verzweifelten Vätern vielleicht auch heute noch Mut machen. Denn sie zeigt: Auch Männern, die Schwächen und Gefühle zulassen, kommt ihre Männlichkeit nicht abhanden. Im Gegenteil.

DAVID

  NAME: hebr. Geliebter

  BERUF: Heerführer und König

  HERKUNFT: jüngster Sohn Isais aus Bethlehem

  ZEIT: regierte etwa 1004-964 v. Chr.

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:   1. Samuel 16-31;  2. Samuel 1-24;  1. Könige 1, 1-2, 11

  WIRKUNGSGESCHICHTE: Zentral für den Glauben Israels ist die Vorstellung, dass der erwartete Messias aus dem Haus David stammen müsse, sodass Jesus mehrfach mit dem Titel »Sohn Davids« angeredet wird. Im Neuen Testament wird die genealogische Verbindung zwischen Jesus und David über seinen Vater Josef hergestellt. Dazu passt auch, dass Jesus in der »Davidsstadt« Bethlehem auf die Welt kommt. Im Evangelium nach Matthäus wird Jesus besonders in den Wundererzählungen als Davidssohn angesprochen und damit als der Heil bringende Messias bezeichnet.

  ZITAT: »Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wollte Gott, ich wäre für dich gestorben!« ( 2. Samuel 19, 1)

  BUCHTIPP: Walter Dietrich - Der Herrscher mit der Harfe, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2006.

THEOLOGISCHES STICHWORT

VÄTER: In der patriarchalen Welt der Bibel spielen die Väter eine machtvollere Rolle als die Mütter: Sie haben rechtliche Verfügungsgewalt über ihre Familie, aber auch die Pflicht, die Kinder in die rechte Art der Gottesverehrung einzuführen. Die Geschichten der Stammväter zeigen, dass das Ideal eines nur respektvollen und ehrlichen Umgangs zwischen Vätern und Kindern nicht immer eingehalten werden kann. Die Vorstellung von Gott als Vater entspringt familiären Idealvorstellungen, nach denen der Vater beschützt und seinen Kindern in Nöten zur Seite steht.

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 26.07.2016 - 19:53 Uhr

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