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Heute: 03.12.2016
Aktuelle Ausgabe: 48 vom 27.11.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 12/2016 vom 20.03.2016
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71,2 Prozent für die NSDAP

Zeit des Nationalsozialismus im Dekanat Dinkelsbühl tiefer durchleuchtet


Die evangelische Gemeinde Dinkelsbühl stellt sich der Rolle ihrer Vorfahren zur NS-Zeit. Pfarrer Gerhard Gronauer, Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks, lud nun die Würzburger Historikerin Eva Karl zu einem Vortrag ins Gemeindehaus St. Paul ein.

Landesbischof Hans Meiser verlässt St. Paul, etliche Dinkelsbühler verabschieden ihn mit Hitlergruß.
Foto: Gemeinde
   Landesbischof Hans Meiser verlässt St. Paul, etliche Dinkelsbühler verabschieden ihn mit Hitlergruß.

        

Vor über 80 Zuhörern differenzierte Eva Karl drei Kategorien von Protestanten in Dinkelsbühl: eine Reihe Deutscher Christen, wenige entschiedene Gegner des Nationalsozialismus, dazwischen hielt es die Mehrheit der Evangelischen und der Pfarrerschaft mit Landesbischof Hans Meiser: Sie bejahten wesentliche Teile der nationalsozialistischen Ideologie und protestierten vor allem gegen die Einmischung des Staats in kirchliche Belange.

Schon vor 1933 ließen sich die Pfarrer im Dekanatsbezirk von der NSDAP begeistern. Die Partei bekannte sich zu einer völkisch-rassischen Variante des Glaubens. Ein interner NSDAP-Bericht stellte fest: »Die evangelische Geistlichkeit des Dinkelsbühler Dekanatsbezirks ist nationalsozialistisch eingestellt.«

Das galt auch für die Mehrheit der Bevölkerung. Schon bei den Reichstagswahlen 1932 erreichte die NSDAP im Landkreis 71,2 Prozent. Die Begeisterung der Pfarrerschaft wurde getrübt, als Hermann Göring 1935 erklärte, »dass wir lieber unsere Herzen hochheben zur Idee unseres Führers, als dass wir uns das Geschwätz von zänkischen Pfaffen anhören«. Bereits im Oktober 1934 hatte sich der Großteil der Bevölkerung des Landkreises Dinkelsbühl mit dem Landesbischof solidarisiert, der vom NS-Staat für abgesetzt erklärt worden war. Auch widersetzten sich etliche Gemeinden zunächst der Anordnung, die Kirchengebäude mit Hakenkreuzfahnen zu beflaggen.

Eva Karl bei ihrem lebendigen Vortrag.
Foto: Gemeinde
   Eva Karl bei ihrem lebendigen Vortrag.

        

Die hundertprozentigen Nationalsozialisten waren als Deutsche Christen seit den 1930er-Jahren unter anderem in der Dinkelsbühler Friedhofskirche St. Leonhard zusammengekommen. Die Hauptkirchen blieben ihnen hingegen verwehrt. Ein solcher eindeutiger Nazi war beispielsweise der Mönchsrother Pfarrer Karl Brunnacker, der durch antisemitische Agitation auffiel. 1935 nahm er sich das Leben und wurde von der NSDAP als Märtyrer stilisiert.

Demgegenüber ist mit Karl Steinbauer ein Pfarrer bekannt, der kompromisslos dem Nationalsozialismus widersprach. Seine erste Weihnachtspredigt 1943 in Illenschwang trug ihm einen Prozess wegen »Wehrkraftzersetzung« ein. Ab 1946 wirkte er in Lehengütingen und kam 1951 als möglicher Leiter der Volkshochschule auf dem Hesselberg ins Gespräch. Doch eine kirchliche Karriere blieb ihm versagt, da er den Landesbischof offen kritisierte, er sei dem NS-Regime zu oft entgegengekommen und hätte sich nicht für Verfolgte eingesetzt.

Im Zweiten Weltkrieg sah das NS-Regime laut Eva Karl »zur Wahrung der Moral an der ›Heimatfront‹ von direkten Aktionen gegen die Kirche« ab, aber führte »Schikanen gegen Geistliche verdeckt weiter«. Gegen Kriegsende wandte sich die Bevölkerung deutlich zur Kirche, was einige Jahre nach dem Zusammenbruch anhielt. Denn die Kirchen waren in Bayern als einzige Institutionen nicht mit dem NS-Staat gleichgeschaltet. Im gesellschaftlichen Leben der Nachkriegszeit konnten evangelische Pfarrer eine »bedeutende Stellung als Meinungsführer« einnehmen, so Karl.

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abgerufen 03.12.2016 - 14:43 Uhr

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