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Dieser Artikel: Ausgabe 12/2016 vom 20.03.2016
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Faires Nagetier

Sisyphusarbeit für faire Elektronik: Susanne Jordan prüft jedes Bauteil für ihre Computermaus


In vielen Supermärkten gehören fairer Kaffee und faire Schokolade zum Sortiment. Es gibt faire Fußbälle oder T-Shirts mit dem Fair-Trade-Siegel. Faire Elektronik ist aber bis heute die Ausnahme. Die Geografin Susanne Jordan will das ändern.

Das Scrollrad aus einheimischem Holz, Zuckerrohr statt Erdöl für das Gehäuse: Im oberbayerischen Bichl feilt die Geographin Susanne Jordan an der hundertprozentig fairen Computermaus.
Foto: Schneider
   Das Scrollrad aus einheimischem Holz, Zuckerrohr statt Erdöl für das Gehäuse: Im oberbayerischen Bichl feilt die Geographin Susanne Jordan an der hundertprozentig fairen Computermaus.

        

In ihrem Arbeitszimmer unter dem Dach nimmt Susanne Jordan eine rote Computermaus in die Hand. Sie klappt das recycelbare Gehäuse auf und lässt ihren Finger über das gerippte Scrollrad aus Holz gleiten. »Das Scrollrad ist neu«, sagt die 38-Jährige aus Bichl bei Benediktbeuern. Vor rund vier Jahren haben sie und ihr Verein Nager IT die erste, in Ansätzen fair produzierte Maus auf den Markt gebracht. Seither arbeiten Jordan und ihr Team daran, die Maus weiterzuentwickeln: bis sie irgendwann vielleicht zu 100 Prozent fair produziert ist.

Holz und Zuckerrohr

Wie weit der Weg dorthin ist, erklärt Susanne Jordan mit einer Skizze. Darauf ist die Lieferkette aufgezeichnet. Jordan hat aufgeschlüsselt, woher Kondensatoren, Schalter, Sensoren und Kabel kommen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. Das Ganze war und ist eine Sisyphusarbeit. Bis heute ist die Skizze nicht vollständig. »Es ist schwer herauszufinden, woher die Rohstoffe kommen«, sagt Jordan. Die Handelswege für Zinn, Silber und Kupfer sind undurchsichtig, es gibt zahlreiche Zwischenhändler. Ganz zu schweigen von den Arbeitsbedingungen der Arbeiter in den Minen.

Jordan hat Geografie studiert und ein Jahr in Afrika gelebt. Während ihres Studiums hat sie sich intensiv mit fairem Handel und fairer Produktion beschäftigt. Fair sind Bauteile, die ohne Menschenrechtsverletzungen oder Ausbeutung hergestellt wurden, sagt Jordan. Ein Bauteil darf also nicht aus Kinderarbeit stammen, es darf nicht mit erzwungenen Überstunden oder unter Gefahr für die Gesundheit produziert worden sein.

Zusammengelötet und -gebaut wird die Maus daher nicht in Fernost, sondern in Regensburg in einer Integrationswerkstatt mit fairen Arbeitsbedingungen. Das Scrollrad ist aus einheimischem Holz und das Gehäuse basiert auf Zuckerrohr statt auf Erdöl.

»Inzwischen ist die Maus zu etwa zwei Drittel fair«, sagt Jordan. Was noch fehlt sind etwa fair produzierte USB-Kabel oder Sensoren. Zwischen 6000 und 7000 Stück hat die Geografin inzwischen verkauft. Stückpreis 30 Euro. Jordan und ihr Team setzen alles daran, für alle Bauteile Hersteller zu finden, die fair produzieren. Regelmäßig reisen sie zu Elektronikmessen, um mit Firmenvertretern zu sprechen und sie von ihrer Idee zu überzeugen. Gerade kommt Jordan von einem Kondensator-Hersteller. Auf ihrem Schreibtisch liegt nun ein Schächtelchen mit den Einzelteilen des Bauelements.

Zusammenarbeit: mangelhaft

»Wir können keine Forderungen stellen, weil wir so klein sind«, sagt Jordan. Inzwischen gibt es allerdings auch andere Initiativen, die sich für faire Informationstechnologie einsetzen. Ein Beispiel ist das Fairphone, ein Mobiltelefon eines niederländischen Start-ups.

Leider, sagt Jordan, sei das mit der Zusammenarbeit »ein Trauerspiel«. Sie berichtet von Erfahrungen mit Nichtregierungsorganisationen: Oftmals wollen die Leute »gar nicht die Welt verbessern, sondern groß rauskommen«.

Trotz aller Schwierigkeiten haben sich Jordan und der Verein Nager IT große Ziele gesteckt: In den kommenden Monaten wollen sie Gleitpads für die Mausunterseite aus fairer Produktion und nachhaltigem Material beschaffen. Sie planen eine Reise nach China, um den Hersteller von Kabeln und Schaltern zu besseren Arbeitsbedingungen zu bewegen.

Und auch wenn die Maus in fünf Jahren noch nicht 100-prozentig fair sein sollte: Wenn die Leute darüber nachdenken, woher die Technik kommt, sei schon viel erreicht, sagt Jordan. »Sinn des Projekts ist es, etwas anzustoßen.«

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Barbara Schneider

 


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abgerufen 27.06.2016 - 00:31 Uhr

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