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Dieser Artikel: Ausgabe 12/2016 vom 20.03.2016
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Prägende Figur der Nürnberger Schule

Zum 400. Geburtstag des Komponisten Johann Erasmus Kindermann


In der Chronik der Nürnberger Kirchenmusik hat er einen besonderen Platz: Am 29. März jährt sich der Geburtstag des Organisten und Komponisten Johann Erasmus Kindermann zum 400. Mal.

Johann Erasmus Kindermann.
Foto: PD
   Johann Erasmus Kindermann.

        

Der herausragende Nürnberger Tonkünstler Johann Erasmus Kindermann fungierte einst als Organist an St. Egidien, glänzte als Musiker mit seinen Berufskollegen in städtischen Veranstaltungen, unterrichtete zahlreiche Schüler, die dann selbst überregionale Bekanntheit erlangten, und ging mit seinen Kompositionen in die Musikgeschichte ein. Er schuf bis zu seinem relativ frühen Tod eine beeindruckende Fülle an geistlichen und weltlichen Werken. Dabei standen Vokal- und Instrumentalmusik im Mittelpunkt.

Typisch für Kindermann ist die »Mischung von deutscher kontrapunktischer Kunst mit italienischen Neuerungen«. Nicht umsonst gilt der Nürnberger neben Heinrich Schütz als »der bedeutendste Vermittler italienischer Musikpraxis im Deutschland des 17. Jahrhunderts«. Unter seinen überlieferten Tonschöpfungen gilt aus heutiger Sicht die sogenannte »Drifache Fuga super« als Höhepunkt, zumal sie auch die vollzogene »Emanzipation der Orgelmusik von der Liturgie« verdeutlicht. Mit seinen bekanntesten Schülern gilt er in der modernen Musikwissenschaft als ein Hauptrepräsentant der Nürnberger Schule.

Johann Erasmus Kindermann wurde am 29. März 1616 in Nürnberg geboren. Sein Vater wirkte als Kammmacher. Die Mutter entstammte ebenfalls einer Kammmacherfamilie. Von daher erwarteten die Eltern von ihm eine Fortsetzung der Familientradition. Doch der Junge offenbarte früh seine musikalische Begabung, die - wie erhaltene Briefe belegen - von Johannes Staden d. Ä., einem namhaften Musiker der Stadt, entdeckt wurde. Staden unterrichtete den Kammmachersohn, machte den Rat auf ihn aufmerksam und vermittelte für den Fünfzehnjährigen eine Anstellung als Musiker an der Nürnberger Frauenkirche.

Mehr noch. Nach ersten Kostproben seines Könnens ermöglichten die Stadtoberen dem jungen Kindermann trotz aller Einschränkungen durch den Dreißigjährigen Krieg 1634 eine einjährige Studienreise nach Italien. Dort empfing er bei bekannten Meistern wie Claudio Monteverdi, dem berühmten Kirchenkomponisten und ersten »Großmeister der Oper«, sowie Girolamo Frescobaldi wichtige Impulse, die sich dann in seiner Musizierpraxis und in seinen Kompositionen niederschlugen.

Anschließend fungierte der aufstrebende Musikus in seiner Vaterstadt an der Marienkirche als zweiter Organist. Parallel heiratete er 1637 Susanna Ditzlin. Kindermann musizierte und komponierte in der Folge mit Erfolg und strebte wegen seiner schnell wachsenden Familie aus Brotsorgen nach einträglicheren Musikämtern. Doch die maßgeblichen Stellen in Nürnberg waren besetzt. Deshalb verschickte Kindermann Bewerbungen in andere Städte wie Augsburg und Frankfurt am Main. Aber ohne Erfolg. Allein in Schwäbisch Hall zeigte man Interesse. Doch zur gleichen Zeit kam der Tod von Caspar Neuinger, dem Organisten an St. Egidien. Nun war Kindermann die erste Wahl für diesen begehrten Posten.

Im Oktober 1640 wurde er Neuingers Nachfolger. Jetzt legte der junge musikalische Hoffnungsträger so richtig los. Kindermann musizierte, trat mit anderen Musikern auf, unterrichtete Schüler wie Johann Caspar Wecker sowie Heinrich Schwemmer und überzeugte mit vielgestaltigen Kompositionen, die in der kirchlichen und weltlichen Musik sprichwörtlich für neue Töne sorgten.

Sein neuartiger Stil beeindruckte durch kompositorische Konzentriertheit, Ausdruckskraft sowie eine effektvolle Formgestaltung. Die traditionelle Motette entwickelte er zur »konzertierenden Motette«. Besonders nach seiner bekannten »Musicalischen Friedens-Freud« aus Anlass des Westfälischen Friedens und seiner »ersten Sammlung von Generalbaßliedern« entwickelte er sich zudem zum »Wegbereiter der vor-bachschen Kantate«.

Doch überlieferte Briefe offenbaren, dass die Nürnberger Organistenstelle Kindermann auf Dauer nicht genügte. Er strebte zweifelsfrei nach mehr und war dafür auch bereit, seine Vaterstadt zu verlassen. Deshalb verschickte Kindermann nach 1648 wieder verstärkt Bewerbungen um musikalische Ämter. Allerdings wieder ohne Erfolg. So musste er sich schließlich auf Dauer in die Nürnberger Möglichkeiten fügen. Die nutzte er allerdings gründlich und mit wachsendem Ansehen, zumal sich seine Instrumentalmusik weitgehend an den Bedürfnissen des Nürnberger Musiklebens als Unterhaltungsmusik orientierte.

Nach 1650 versuchte sich der Tonkünstler auch in »großbesetzten Konzerten« sowie im Violinspiel, was seine Vielseitigkeit unterstreicht. Dabei berücksichtigte er italienische Techniken und Satzfolgen. Doch dem schaffensfreudigen Musiker blieben nur noch wenige Jahre der Erfüllung. Ein schwerer Schlag war für ihn der Tod seiner Frau 1653. Einige seiner zwölf Kinder waren zwar schon groß. Doch die Mutter fehlte überall. Jetzt lasteten noch mehr Pflichten auf ihm - das zermürbte ihn wohl.

Kindermann starb in der Blüte seines Wirkens am 14. April 1655 in Nürnberg. An ihn erinnert heute in seiner Vaterstadt die Kindermannstraße.

 

  Kompositionen von Johann Erasmus Kindermann erklingen am 9. Mai um 18 Uhr bei der Egidier Vesper innerhalb des Eröffnungsfestakts zur Melanchthon-Dekade. Die Vesper wird gestaltet von Schülern des ehemaligen Egidier Gymnasiums (heute Kammerchor des Melanchthon-Gymnasiums) gemeinsam mit dem Egidienchor. Gesungen werden dabei zwei Werke, die Kindermann für die Schule schrieb.

  In der ökumenischen Vesper innerhalb der ION am 8. Juni um 18 Uhr werden Stipendiaten der Musikwerkstatt und der Egidienchor mit Barock-Instrumentalisten weitere Werke von Kindermann aufführen.

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Martin Stolzenau

 


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abgerufen 26.06.2016 - 15:32 Uhr

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